Hola!
Nun bin ich schon ganze vier Tage hier!
Vieles ist passiert. Ich werde versuchen, euch einen Eindruck davon zu verschaffen. Hoffentlich wird mein Geschriebsel nicht zu wirr. Ich tu mein Bestes!:)
Am Montagmorgen bin ich nach langem Flug mit Umsteigen in Sao Paolo in Lima angekommen. Der Flug verlief problemlos, dennoch war ich sehr froh, dass ich am Flughafen von Medardo und Monique abgeholt wurde. Die Zwei sind goldherzlich und managen das Haus mit dem wohlklingenden Namen "Casa Rio Grande", in dem ich hier wohne. Die erste Fahrt durch Lima war eine Aufeinandertreffen der Impressionen der Superlative: Ich fühlte mich wie in einem Bildband, weil ich alles nur durch das Autofenster sah und noch nicht realisieren konnte, dass ich tatsächlich da bin. Gleichzeitig hab Medardo fast ununterbrochen erzählt. Von der Casa Rio Grande, den anderen Studenten, die hier wohnen, von der Stadt, von Peru, von der Uni, dass ich Salsa lernen soll, dass mein europäischer Magen am Anfang kein auf der Straße angebotenes Essen verträgt und so weiter und so fort. Und das alles auf Spanisch! Verstanden hab ich das zu großen Teilen, aber reden klappte irgendwie noch nicht so ganz.:)
Überwältigt von all dem konnte ich auch die erste Stunde hier in der Casa nicht wirklich reden oder denken.:) Dann hab ich mich aber wieder gefangen und habe meine ersten Schritte in Lima getätigt: zum Shop um die Ecke. Mittels weniger Worte (Suse, lern Spanisch! Das ist nur von Vorteil!:)) und Gestiken habe ich vor allem Wasser erstanden. Denn das kann man hier nicht wie in Deutschland aus der Leitung trinken - und ich bin doch ein wassertrinkfreudiges Kind.:)
Später hab ich dann drei meiner Mitbewohner aus Frankreich und Portugal kennengelernt (außer den drei wohnen hier noch zwei aus Deutschland, eine Österreicherin, eine Spanierin, ein Mädel aus den USA und eine Koreanerin). Mit den Franzosen und zwei Freundinnen von ihnen war ich auch abends ein Bier trinken. Denn obwohl es hier sieben Stunden früher ist, konnte ich einfach nicht schlafen vor Aufregung und Neuem. Dafür hat mich die Müdigkeit später um so stärker erschlagen und ich hab 12 Stunden geschlafen wie ein Stein.
Am Dienstag hab ich mir mit den beiden anderen Mädels aus Ilmenau die Uni angeschaut. Sie trägt den stolzen Namen "Pontificia Universidad Católica del Perú" und hat einen wunderschönen Campus, auf dem fröhlich Rehe umherstolzieren und Eichhörnchen durch die Gegend hüpfen.:)
Gestern, am Mittwoch, haben die Einführungstage an der Católica begonnen. Wir haben u.a. unsere Matrikelnummern bekommen (die natürlich ungleich viel länger sind als die hübsch 5-stelligen in Ilmenau) und ich habe meine Compañera kennen gelernt. Dieses Compañero Programm stellt den internationalen Studierenden eine oder einen Peruanerin oder Peruaner an die Seite, die beim Einleben helfen: die Stadt erklären und zeigen, Tipps geben, etc. Meine heißt Caro und ist ein quirliges, nettes Mädchen, die mir auch gleich geholfen hat, eine peruanische SIM-Karte zu ergattern. Naja, blöd nur, dass ich keinen Ausweis dabei hatte und deswegen den Prepaid-Vertrag nicht abschließen konnte. Nun, das muss ich also noch nachholen. Außerdem brauch ich ein neues Telefon, weil das, welches mir meine liebe Mama extra vorher noch erstanden hat, nämlich in Peru nicht funktioniert (vielen Dank trotzdem!).
Heute war Teil zwei der Einführung: die Pre-Registration für die Kurse und eine Veranstaltung zum Thema Sicherheit in Peru.
Bisher hab ich mich für fünf Kurse eingeschrieben, u.a. Fotografía (dieser Kurs liegt mir besonders am Herzen, denn er besteht nicht nur aus zwei Stunden Theorie pro Woche, sondern auch aus vier Stunden Praktikum, in denen wir Schwarz-weiß-Entwicklungen machen) und Estados y Politicas en Americana Latina. Welche ich letztendlich belege, kann ich nach einer ersten "Schnupperwoche" entscheiden. Es bleibt also spannend!
Die Session zur Sicherheit in Lima war ziemlich interessant und an einigen Stellen auch sehr lustig, weil die Dame, die den Vortrag gehalten hat, sich über die eine oder andere europäische Manier lustig gemacht hat (laut in fremder Sprache durch die Gegend schreien, Wertgegenstände achtlos neben sich legen). Eine großer Teil des Vortrages befasste sich mit den Taxis. Und Taxi fahren ist hier wirklich ein Abenteuer! Ungefähr 50% der Autos auf den Straßen sind Taxis. Dabei ist es nicht so wie in Deutschland, dass man sich registrieren muss oder so. Nein, eigentlich kann jeder sein privates Auto nehmen, eine Taxi-Schild aufs Dach setzen uns los geht's! Außerdem ist es üblich, den Preis vorher auszuhandeln (wobei man offensichtlich Fremden natürlich gern einen höheren Preis veranschlagt:)).
Genau so ein Abenteuer ist übrigens das Bus fahren. Es gibt keine Zeitpläne oder so. Vielmehr stellt man sich einfach an ein Haltestellen-Schild und wartet auf den richtigen Bus. Der zeichnet sich dadurch aus, dass außen an der Seite die Route steht. Außerdem gibt es eine Art Schaffner, der diese lauthals an jeder Haltestelle anpreist. Prinzipiell kann man aber überall auf der Straße ein- oder aussteigen. Man muss nur entsprechend winken bzw. den Aussteig-Wunsch mit einem kurzem "baja" (soviel wie "ich möchte hier aussteigen") ankündigen. Die Fahrt kostet 50 Centimos bis einen Sol (ein Achtel- bis ein Viertel-Euro). Ja, das Busfahren hier ist definitiv anders als alles, was ich bisher erlebt habe!:)
Heute Abend treffe ich mich mit den Ilmenau-Mädels und einer Peruanerin namens Lucia. Sie hat ein Jahr in Ilmenau studiert und das Witzige ist, dass sie (bevor ich dort eingezogen bin) im Zimmer meines Mitbewohners gewohnt hat. Jaja, die Welt ist klein, selbst wenn man auf der anderen Seite des Kontinents ist.
Außerdem bin ich momentan auf der Suche nach einem Sprachkurs. Denn auch wenn ich fast alles verstehe, ist meine mündliche Fähigkeit doch stark eingeschränkt. Aber das wird werden! Denn immerhin bin ich dafür auch hier. Und spätestens wenn nächste Woche die Uni beginnt, werde ich sicherlich ganz schön ins kalte Wasser geworfen! Hoffen wir, dass ich schwimmen kann!:)
Alles in allem ist es hier wirklich toll! Ich staune noch in vollen Zügen und werde euch auf dem Laufenden halten.
Ach ja, bevor ich es vergesse: mit eigenen Fotos ist es bei mir ja ein bisschen schwierig. Zwar gibt es auch hier durchaus die Möglichkeit, analoge Filme entwickeln zu lassen. Aber eh das passiert ist, ich die eingescannt und hochgeladen haben, verweise ich euch erst einmal auf Patricias Blog. Sie ist eine der anderen aus Ilmenau und ihre Bilder vermitteln euch sicherlich einen guten visuellen Eindruck der hektischen, chaotischen, faszinierenden Hauptstadt Perus!
Muchos saludos,
Karo