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Samstag, 24. September 2011

Sonne, Sand und Mystik

Oh je,
jetzt hänge ich aber vor lauter Kranksein, Lektürekontrolle und Spontanausflug (Bericht folgt) aber schon ganz schön hinterher.

Also auf auf, das einzuholen!

ICA. HUACACHINA. NAZCA-LINIEN.

Letzten Freitag (nachdem wir an Abend zuvor mit Wein, Kuchen und Basteleien der kreativen Art in meinen Geburtstag reingefeiert haben) haben wir uns morgens auf die vierstündige Reise nach Ica begeben. Blöd nur, dass Willys Zeitangabe eine schöne Untertreibung war – fünfeinhalb trifft es wohl eher. Dementsprechend erschöpft kamen wir in dem Haus an, in dem nicht nur Willy Bruder wohnt, sondern es auch zwei Kämmerchen leer stehen, die wir für das Wochenende beziehen konnten.

Den Samstag starteten wir mit einer kleinen Tour durch Ica bei schönstem Sonnenschein. Ica zeichnet sich vor allem durch zweierlei aus: es gibt viele viele Kirchen und leider auch viele kaputte Gebäude. Schuld an letzterem ist ein Erdbeben, das 2007 viele Tote und viel Zerstörung nach sich gezogen hat.
Trotzdem finde ich, dass die Stadt einen gewissen Charme hat. Und wenn es nur daran liegt, dass Willy an jeder Straßenecke einen Bekannten gegrüßt hat und uns auf versteckten Pfaden mit zum Haus seiner Großmutter genommen hat.
Kathedrale

eine Straße

eine zweite Straße

Es folgte: eine Tour durch ein traditionelles Weingut, natürlich mit Verkostung. Dabei wurde uns nicht nur Wein angeboten (für meinen Geschmack abermals ein bisschen zu süß), sondern auch der berühmt-berüchtigte Pisco, ein Schnaps, der aus Pflaumen gebrannt wird. Und das vorm Essen..

Nach dem Mittagessen quetschten wir uns in ein Taxi und fuhren nach Huacachina. Das sagenumwobene Huacachina.
Und es war wirklich beeindruckend! Sand. Überall Sand. Ich fühlte mich tatsächlich wie in der Wüste (nachdem ich die annähernde Todesangst während der Fahrt überwunden hatte; der Fahrer des Gefährts, das uns auf die Dünen brachte, fuhr mit einer derartig atemberaubenden Geschwindigkeit und einem Hang zu extravaganten Berg- und Talfahrten über die sandigen Dünen, dass ich meine Hand voller Panik in Sarahs Hose krallte). Umgeben von Sand, soweit das Auge reicht. Einen solchen Anblick hätte ich in Peru wirklich nicht erwartet. Zusammen mit der untergehenden Sonne war die Atmosphäre leicht romantisch-unreal.
Umso realer war das Sandboarding. Wir bekamen also alle eine Board in die Hand gedrückt und konnten die Dünen heruntersausen. Vornehmlich in der Bauchlage. Was bei dem steilen Abgang überraschend fetzig war. Mein Versuch, das Ganze stehend zu meistern hat leider nur annähernd so gut geklappt wie meine letzte Begegnung mit dem Snowboard. :)

links nach rechts: Zsara, Willy, Sarah, Patricia
Sandige Weite


Ameisen krabbeln die Dünen hoch.

Für Sonntag standen die Nazca-Linien auf dem Plan. Weil die von Ica noch ein ganz schönes Stück entfernt sind, sind wir mit einem Auto hingefahren. Die Fahrt führte über Dörfer und durch beeindruckende Berglandschaften. Nach mehr als 100 Kilometern, aber mehr Zeit als man in deutschen Gefilden dafür bräuchte, waren wir da – an einem Turm.
Bei den Nazca-Linien handelt es sich um ziemlich akkurat in den Boden gekratzte Linien, die verschiedene, sehr große, mal mehr und mal weniger klare Formen ergeben. Sie sind daher nur erkennbar, wenn man von der Luft einen Blick auf den Boden wirft. Da stellt man sich also die Frage, wie die Nazca, die die Linien vor rund 2500 Jahren in den Boden gebannt haben, diese so schnurgerade ziehen konnten. Um alle Figuren zu sehen, muss man mit einem Flugzeug über das Areal fliegen. Das haben wir nicht gemacht und sind stattdessen auf besagten Turm gekraxelt. Da sieht man zwar nur zwei Figuren, aber das Ausmaß und die klare Anordnung der einzelnen Linien zeichnet sich erkennbar ab. Das hat bei mir wirklich ziemlichen Eindruck und Respekt hinterlassen, obwohl auch ein komisches Gefühl dabei ist, weil nach wie vor nicht klar ist, wofür die Nazca diese Linien erschaffen und genutzt haben. Eine Erklärung, die in Museo Maria Reiche (benannt nach der Frau, die die Linien lange Jahre erforscht hat) dargelegt wurde, ist, dass die Linien einen astronomischer Kalender darstellen, der bestimmte Ereignisse hervor sagen kann. Eine von vielen Theorien …

Montagmorgen standen wir sehr früh auf (allerdings nicht ganz so früh wie geplant; obwohl wir zu fünft waren, haben wir alle unsere Wecker eine Weile ignoriert), um wieder nach Lima zu fahren.
Wo ja eine Control de Lecture in Cine wartete. Die hab ich inzwischen erfolgreich hinter mich gebracht. Vorher hat mich aber die Übelkeit erwischt. Irgendwie scheint mein Magen von Zeit zu Zeit einen Guerilla-Krieg gegen Peru zu führe. Oder umgekehrt? Jedenfalls bekomme ich dann fürchterliche Magenschmerzen, liege ich einen Tag mit Wärmflasche im Bett und anschließend geht es mir wieder besser. Seltsam, aber das Ab-und-zu-Kranksein unter den extranjeros scheint hier leider dazuzugehören.

Zum Schluss noch kurz: heute gab es an der Católica eine Demo. Der werte Herr Erzbischoff will sich nämlich in die Lehrinhalte einmischen – mit Referenz auf das „päpstlich“ und „katholisch“ im Namen der Uni. Darauf hat natürlich hier niemand Lust, deswegen der Protest. Die Konsequenz wird aller Wahrscheinlichkeit nach sein, dass der Uni genau diese beiden Adjektive aberkannt werden. Damit geht zwar ein mehr als 100 Jahre alter Name verloren, aber es ist auch nur ein Name und immer noch besser als ein kirchlich regulierter Lehrplan.
Ich bin jedenfalls gespannt, wie das sich weiter entwickelt.

So, nun gehe ich aber ins Bett.

Buenas noches, ihr Lieben.

Ach ja. Fotos folgen.