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Dienstag, 29. Mai 2012

rifas, alles voller rifas

Buenas días,
heute kommt der Postvon den heiligen Wiesen der Católica. Die Sonne ist nämlich auch dem heutigen Tage treu geblieben. Deswegen sitze ich also im Gras an den piletas (zu deutsch: Springbrunnen) vor dem Gebäude der comunica-Fakultät, blinzel in die Sonne und genieße die Briese. 
Aber kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Posts: rifas. rifa bedeutet Verlosung und bezeichnet gleichzeitig das Zettelchen, was du in die Hand gedrückt bekommst, wenn du teilnimmst.
In meinem Geldbörschen fliegen momentan ganz schön viele rifas rum. Wenn man comunica studiert, ist es üblich, dass man für die Uni Projekte realisieren muss, die ziemlich kostenaufwändig sind. In comunicación audiovisual zum Besipiel drehen die Leute Filmchen (der von mir im letzten Post erwähnte Dreh fällt da auch rein). Und um die Realisierung zu finanzieren, werden u.a. Verlosungen veranstaltet. Polladas und Partys sind ebenfalls beliebte Einnahmequellen. 
Nun, jedenfalls gewinne ich mit ein bisschen Glück (haha) vielleicht einen BluRay-Player. Die Frage ist nur, was ich damit soll... :D
Sonnige Grüße,
Karo

Montag, 28. Mai 2012

Sechs mal sieben

Hallihallo ihr Guten,
in sechs Wochen sitze ich im Flieger nach Deutschland. Unglaublich, zisch! fliegt die Zeit dahin. 
Um das heute gebührend zu ehren, habe ich von etwa 10 bis 13 Uhr auf der Straße getanzt (als Statistin für das Filmprojekt von Lu) und mir einen Sonnenbrand geholt (und das, obwohl der unangenehme Winter Einzug in Lima hält). 
Mit diesem kurzem Statement verabschiede ich mich auch schon wieder und fahr in die Uni. 
Besos,
Karo

Freitag, 2. März 2012

Eindrücke hier und dort und zwischendrin

Während meiner Reise, die nun leider schon ein Weilchen zurückliegt, hab ich mir ab und an Notizen zu den Ländern, durch die ich gefahren bin, gemacht.
Die Kollektion habt ihr hier:


Die Menschen in Südamerikas ärmsten Land sind super hilfsbereit. Das kreiert meistens eine großartig positive Stimmung.
Die Busse und Straßen weisen ziemlich oft Mängel auf. Außerhalb der Busterminals (die es in jeder Stadt gibt) steigt man übrigens billiger zu.
Die Unterkünfte sind billige: in Santa Cruz hab ich zum Beispiel etwa 8 Euro für ein Zimmer mit Bad im 3-Sterne-Hotel bezahlt. Oft gab es dafür allerdings auch nur kaltes Wasser in den Unterkünften.
An jeder Straßenecke bekommt man leckeren Saft und alles, was man sonst noch braucht - oder auch eben nicht: von Briefumschlägen über Heiligenbildchen bis Zigaretten. (Das ist in allen südamerikanischen Ländern, die ich bisher gesehen hab, so. Aber Bolivien toppt die anderen!) Und auf den belebten Straßen laufen auch genügend Leute rum, die das früher oder später kaufen.
Die Landschaften sind (wie fast überall, das geb ich ja zu) atemberaubend.
Leider hab ich viele Kinder gesehen, die arbeiten: abends in Restaurants, vormittags unter der Woche in Touri-Läden. 
Betteln gehört leider auch zum täglichen Bild. Besonders Frauen (oft in traditioneller Kleidung) und Kinder strecken ihre Hände erwartungsvoll den Vorbeigehenden entgegen. 
In Bolivien hab ich mit mehr Argentiniern als Bolivianern geredet: überall haben wir die Leutchen aus dem Süden getroffen, bewaffnet mit ihrem Mate-Tee (siehe unten).


In Paraguay leben die freundlichsten Menschen der Welt. Oder besser: die Paraguayer sind das freundlichste Völkchen, das ich bisher erlebt hab, um das mal so (unzulässig) zu verallgemeinern. An jeder Ecke, so kam es mir vor, fragt dich jemand mit Lächeln im Gesicht, wo du herkommst, was du machst, wie lange du bleibst. Da es wenig Touristen in dem Land gibt, ist die Neugier gegenüber Fremdlingen noch sehr groß.
Dafür ist es aber im (südamerikanischen) Sommer auch unerträglich warm: 45 °C und eine immense Luftfeuchtigkeit. Ab und zu hat es wie aus Eimern gegossen. Das hat allerdings nicht zu einer Erfrischung geführt, eher im Gegenteil: die Luftfeuchtigkeit nahm noch mehr zu.
Die Infrastruktur ist eher schlecht. Im rauen Norden gibt es nur sehr wenige befestigte Straßen. Schotter und Staub sind dort eher die Regel.
Neben Spanisch ist dort auch Guaraní Amtssprache. Auf diese native Sprache mit dem ulkigen Singsang sind die Paraguayer ziemlich stolz.
Im Gegensatz zu Peru und Bolivien haben die Taxis in Paraguay Meter. Also nichts mit Verhandeln.
Das Papierformat ist anders: die Blätter sind länger.


Es gibt keine Straßenverkäufer. Überraschend, wie das das Stadtbild ändert.
Die Inflation sorgt schonmal dafür, dass sich die Buspreise im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr als verdoppeln.
Allgemein ist Argentinien ein bisschen weniger chaotisch als Bolivien.
Busse und Straßen sind besser als in den anderen beiden Ländern.
Die Argentinier lieben ihren Mate-Tee: immer und überall haben sie einen Becher mit Trinkröhrchen und eine Thermoskanne mit heißem Wasser dabei. 
Der argentinische Akzent war anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig. Das Doppel-L und das Y sprechen die wie ein "sh" aus. Wenn man das sonst als "j" gewöhnt ist, kann das schon zu kleineren Verständigungsproblemen führen. 


Soweit meine subjektiven Eindrücke einer schönen Reise.

Morgen fahre ich Arthur besuchen. Ich freue mich schon, in die schöne Stadt in den Bergen zurückzukehren. 

Saluditos,
Karo

Freitag, 17. Februar 2012

Lima, mein Lima.

Huhu,
seit Dienstag bin ich nach sechs Wochen (davon 198 Stunden, was mehr als 8 Tage sind, im Bus) wieder in Lima. Die Rückfahrt war ein wenig unbequem.
Von La Paz bin ich ziemlich fix an die Grenze gekommen, der nette Herr in der Einreisestelle hat mir meine gewünschten 183 Tage Visum gegeben. Soweit so gut. Aber dann musste ich noch vier Stunden in dem Grenzort mit Namen Desaguadero warten. Bei Regen und Kälte. Brrrr. Der Bus nach Lima war dann auch nicht so der Knüller: Sitze mit minimal verstellbarer Lehne und der Sitz des Vordermannes/ der Vorderfrau fing fast direkt vor deiner Nase an. Beinfreiheit war also ein Fremdwort... 28 Stunden hab ich in diesem Vehikel verbracht. Aber am Ende war ich in Lima und das ist schön.
Es war tatsächlich ein bisschen, wie nach-Hause-kommen. Ich bin in mein neues Zimmer in der Casa Rio Grande gezogen, hab mich eingerichtet, mich mit Freunden getroffen. So nach und nach ziehen hier gerade auch die neuen Leute ein. Ich bin gespannt, wie die Konstellation aussieht, wenn das Semester wieder anfängt. Das ist in drei Wochen etwa der Fall. Bis dahin hab ich also noch genügend Zeit, die Sonne und den Sommer zu genießen und Arthur noch einmal in den Bergen zu besuchen.
Ich schicke euch ein bisschen Sonne nach Deutschland. Hier haben wir davon mehr als genug: ich hab mir heute (zum wiederholten Male) einen Sonnenbrand zugezogen. Und dabei habe ich mich der Sonne keine halbe Stunde preisgegeben!
Zum Abschluss dieses kurzen Eintrags das Lied, welches mich auf den Wochen meiner Reise fast täglich begleitet hat. Über den Inhalt schweige ich besser und verspreche, dass ich zu meinem üblichen Musikgeschmack zurückkehren werde, wenn ich zurück in Deutschland bin...

Liebe Grüße,
Karo

Freitag, 3. Februar 2012

Regen in Encarnación!

Hallo ihr Lieben,
der Titel ist vielleicht ein bisschen komisch, aber ich freue mich einfach, dass der Regen endlich auf die Strassen Paraguays niederprasselt. In den letzten Tagen war es mir bei Tempertauren bis 40 Grad doch ab und an zu warm. 
Ich fasse mich heute mal kurz.
Nachdem Zsara und die beiden Franzosen in La Paz angekommen waren, haben wir uns auf den Weg nach Südbolivien gemacht, nach Tupiza, wo Zsara und ich eien wunderbare Tour zu Pferd durch bunte Berge gemacht haben. Das war ziemlich toll, auch wenn ich am nächsten tag Muskelkater hatte. Autsch.
Danach ging es weiter nach Paraguay. Eigentlich wollten wir ganz gediegen die bolivianisch-paraguayanische Grenze überqueren, aber dann gab es in der Stadt, durch die wir hätten fahren müssen einen Streik. Also hiess es umdisponieren und wir gurkten quer durch Nordargentinien um nach zwei Nächten im Bus endlich in der Hauptstadt Asunción anzukommen. Zsara und ich haben uns spontan verliebt in die Architektur, die Atmosphäre und die netten Leute - trotz tropischer Temperaturen. Dort hab ich auch weit entfernte Teile meiner Verwandtschaft kennengelernt. Das war sehr schön und ich wurde von ihnen äusserst goldig und freundlich aufgenommen.
Nach vier Tagen in der schönen Stadt mit den tollen Menschen sind wir in den Osten Paraguays nach Ciudad del Este gefahren. Sie gilt also Supermarkt Südamerikas, weil dort viele Produkte viel billiger verkauft werden. Da hat wohl die Korruption ihre Hände im Spiel... In dert Nähe der Stadt gibt es den zweitgrössten Staudamm der Welt. Den haben wir mitsamt der Maschinen, der Wassermassen und der riesigen Wälle besichtigt. Eine Erfahrung wert, so ein Staudamm, der ganz Paraguay mit Energie versorgt und aussderm 20% des brasilianischen Bedarfs deckt.
Von Ciudad del Este sind wir nach Puerto Iguazu in Argentinien gefahren um die berühmt-berüchtigen Wasserfälle zu sehen. Und die haben es wirklich in sich. Kaum vorstellbar, dass solche Wasserfälle natürlich entstehen. Als hätte sich plötzlich die Erde geöffnet um aus ruhigen gewässern reissende Ströme zu machen.
Nach diesem argentinischen Ausflug sind wir wieder nach Paraguay gefahren udn haben uns auf den Weg nach Encarnación im Süden gemacht. Hier bin ich jetzt seit zwei Tagen. Gestern haben wir uns die Ruinen eines Jesuitenklosters angeschaut und heute und morgen steht Karneval auf dem Plan. Der ist hier zwar nicht so gross wie in Rio de Janeiro, soll aber auch sehr spassig sein. Nun ich bin gespannt, meine erster Karneval!
Ich melde mich bald wieder.
Liebe Vagabundengrüsse!
Karo

Dienstag, 3. Januar 2012

Die letzten Tage des Jahres

Huch, die letzten Tage sind subjektiv aber ganz schön schnell an mir vorübergezogen.


Über Weihnachten bin ich ja zu Arthur gefahren. Erst über Nacht nach Trujillo und von dort aus nach Huamachuco. Dieser zweite Teil der Fahrt war ein ganz schönes Abenteuer: innerhalb von sechs Stunden klettert der Bus von etwa Meereshöhe auf über 3000 Meter Höhe. Man mische noch die dank Regenzeit schlammigen, kurvenreichen Pisten und einen alten klapprigen Bus dazu und die Reisefurcht ist zusammengerührt. Nun, ich bin trotz anfänglicher Zweifel heil angekommen. Im Regen hab ich meinen Bruder jubelschreiend in die Arme geschlossen. Der Regen ist dort leider alltägliches Erscheinungsbild; ich hab in den paar Tagen mehr Regen erlebt als in meiner gesamten Zeit in Peru …

Sehr schöne Tage waren es mit Arthur und seinen Freunden. Wir waren in der Stadt spazieren, saßen häkelnd am Fenster ihrer Unterkunft und haben auf die wunderschöne Plaza de Armas geschaut, haben gekocht, Wein getrunken und mir wurde das Projekt gezeigt, eine demokratische Schule. Sie ist in einen pädagogischen und einen Konstruktionsteil gegliedert. Arthur arbeitet in zweiterem: ein ziemliches Stück den Berg hinauf wird eine neue Schulanlage errichtet mit u.a. einem großen Gebäude, einer Pflanzenkläranlage und einem Windrad. Nicht nur wegen des herrlichen Blicks in die Berge (die mitunter wegen der vielen kleinen Felder wie Flickenteppiche aussehen) dort oben hat mich das Projekt sehr beeindruckt. Demokratische Schulen sind rar in Südamerika.  Mehr Informationen gibt’s übrigens in dem rechts verlinkten Blog.

Außerdem haben wir natürlich Weihnachten gefeiert. Es war ziemlich schön. Wir waren zusammen mit einer anderen deutschen Freiwilligen in einer peruanischen Familie. Dort wurde viel geredet, gegessen, getrunken, gesungen und sogar Gedichte rezitiert. Eine sehr angenehme Atmosphäre. Bis zur Bescherung wartet man in Peru bis Mitternacht (die armen Kinder …). Außerdem ist im Gegensatz zu Deutschland der 26. kein Feiertag. Oftmals bekommen auch nur die Kinder Geschenke.

Die Zeit in Huamachuco war wirklich wunderbar. So ruhig im Vergleich zu meinem hektischen Leben in Lima. Und es hat einfach gefetzt, bei meinem Bruder zu sein.


Am 27. bin ich zurückgefahren (durch die Berge mit einer anderen Busgesellschaft, die über wesentlich vertrauenswürdigerere Fahrzeuge verfügt) und war am 28. wieder in meinem geliebten Lima. Sonne genießen, die bevorstehende Reise planen, tanzen gehen, ans Meer fahren, mein Zimmer ausräumen, einen Silvesterplan entwickeln, stand auf dem Plan.

Ich bin ja sowieso keine große Silvester-Freundin, dementsprechend hatte ich wenig Lust irgendwas zu planen. Nach einigem Hin und Her sind Patricia und ich mit Lucía nach Punta Hermosa gefahren. Das ist ein Ort am Meer, der etwa zwei Stunden von Lima entfernt ist. Freunde von ihr, die wir zu großem Teil auch kannten, hatten ein Haus gemietet. Ein Haus am Strand, hieß es. Nun ja, so war es leider nicht. Zum Strand musste man noch ein Stück laufen. Und Silvester selbst war er leider auch gesperrt. Wahrscheinlich aus Angst, dass die feierwütige Menge ihn in Schutt und Asche zurücklegt. Punta Hermosa erscheint mir nämlich ein bisschen wie der peruanische Ballermann: Massen betrunkener Leute. Oh je.

Die Party auf der wir waren, war an sich ganz nett (einige Ereignisse wären ausreichend, den Teaser einer Vorabend-Soap zu füllen…), aber ich steh halt wirklich nicht auf Partys am letzten Tag des Jahres. Außerdem war es wirklich ein bisschen merkwürdig, dass es so warm ist. Am 1. Januar waren wir noch am Strand, haben die Sonne und die immensen Wellen genossen.
Also haben wir uns schon amüsiert. :)


Mein Zimmer sieht grad ziemlich chaotisch aus. Ich packe nämlich meine Sachen. Zum Einen meinen Reiserucksack und zum Anderen meinen Koffer, in dem der ganze Rest landet. Ich werde nämlich de facto aus meinem Zimmer ausziehen, als Vagabundin unterwegs sein und zu Beginn des neuen Semesters wieder in der Casa Rio Grande einziehen.

Gleich fahre ich mit Kristina nach Arequipa. Dort sind schon Zsara und Patricia. Mit ihnen geht es in den Cañon de Colca und dann weiter nach Bolivien, Argentinien, vielleicht Paraguay. Einen konkreten Plan gibt es nicht. Ich gebe mir etwa sechs Wochen, dann will ich zurück in Lima sein. Aber wo ich mit wem wie lange hinfahre, steht allerhöchstens im Groben fest.

Ich werde versuchen, mich unterwegs ab und an zu melden!

In dem Sinne: ein frohes neues Jahr euch allen!

Eure Karo

PS: Der Schnelligkeit meines Tippens kurz vor der Abfahrt geschuldete Rechtschreibfehler bitte ich zu entschuldigen. 

Mittwoch, 30. November 2011

Semester ist (fast) aus - auf nach Chile!

Hallo ihr Lieben,

nun ist schon wieder ein bisschen Zeit vergangen, seitdem ich mich zu letzt gemeldet habe. Aber irgendwie waren die letzten Tage auch ganz schön vollgestopft. Besonders die Bibliothek hat mich recht oft gesehen. Hier sitze ich auch gerade noch. Schön ist zwar anders, aber ich habe mich an Wartehallenatmosphäre, Unruhe und wenig Platz gewöhnt. Der Grund meines Hierseins ist eine Hausarbeit, die  wir morgen früh einreichen müssen. Eine andere habe ich heute schon abgegeben, was meine heute ohnehin schon gute Laune nochmal ein ganz schönes Stück gesteigert hat! Das Semesterende ist also in Sicht. Für einige zwar erst in zwei Wochen, aber für mich Glückliche morgen. Und genau pünktlich fliege ich morgen nach Chile. Dort treffe ich mich mit Annika (von ihr hab ich in Ilmenau u.a. die großartige Empfehlung bekommen, in die Casa Rio Grande zu ziehen) und werde mit ihr knapp zwei Wochen durch Chile reisen und am Ende mich hoffentlich mit Nene treffen, die ein Jahr bei mir in der Schule war, als ich 16 war.

Weiterhin war ich in der vergangenen Woche in zwei Filmen über politische Gewalt in Südamerika. Die liefen als Teil eines Kinoprojektes, dass die Católica zur Erinnerung initiiert hatte. In der Hinsicht ist die Uni wirklich sehr engagiert; ständig gibt es Workshops, Filmfestivals, Vortragsreihen zu verschiedenen gesellschaftlichen Themen.
Einer der Filme, den ich gesehen habe, war eine kolumbianische Dokumentation über die Gewalt, die der indigenen Bevölkerung vor 40 Jahren wiederfahren ist und welche Auswirkungen das bis heute hat, nämlich u.a. den Ausschluss vom Bildungssystem. Der zweite war ein peruanischer Spielfilm über den Terrorismus in den 80er Jahren. Beleuchtet wurde eine Armeeeinheit, die in einem Dorf stationiert wird um Mitglieder des Sendero Luminoso, einer terroristischen Gruppe, zu bekämpfen, wie die Protagonisten mit der Angst umgehen und – das entspricht auch der historischen Wahrheit – dass die Bauern am meisten unter diesen Auseinandersetzungen gelitten haben, obwohl sie weder der einen noch der anderen Seite angehörten, aber immerzu in Verdacht standen, mit dem Gegner zu kooperieren. Besonders erwähnenswert ist auch, dass der Film, der übrigens den Namen La Boca del Lobo trägt, 1989 und damit noch recht zeitnah an den Ereignissen gedreht wurde und sich dennoch um eine gewisse Objektivität bemüht.

Abschließend noch ein paar Worte zu meinem ersten Arztbesuch. Meine Erkältung bin ich nämlich leider noch nicht ganz los geworden. Deswegen hab ich mir einen Termin im Servicio de Salud geholt. Lapidar mit Gesundheitsservice übersetzt handelt es sich um eine Einrichtung der Católica, in der es mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen gibt, die man als Studierende der Uni kostenlos aufsuchen kann.
Am Montag war ich also da. Und die Dame war auch sehr nett, hat mich gefragt, wie lange das geht, mir in den Hals geschaut, mich abgehört – und mir Antibiotika verschrieben. Ich hatte ja schon immer das Gefühl, dass man in Peru tendenziell damit schneller vorgeht, nun sehe ich es in eigener Erfahrung ein bisschen bestätigt. Ich hab sie also nicht genommen und fühl mich trotzdem besser. Was vielleicht auch an meiner unverschämt guten Laune und meiner Reisevorfreude liegt.

Ich melde mich, wenn ich aus Chile zurück bin. Bis dahin: muchas saludos, alles Liebe, ich hab euch gern!

Ach ja: das Wetter ist richtig richtig warm und sommerlich! Wie passend zur Adventszeit .... :p

Montag, 7. November 2011

Exkurs: Lima

Ja, vor langem hab ich sie angekündigt, nun könnt ihr den ersten lesen: die Exkurse.
Ich beginne mit Lima (was man übrigens u.a. mit Limette überzetzen kann): 


Die Leute in Peru, denen ich bisher erzählt habe, dass ich in Lima lebe (die limeños - Leute, die in Lima wohnen - ausgenommen), haben ein bisschen bis sehr entsetzt reagiert. Lima sei hässlich, laut, riesig, anstrengend, dreckig, gefährlich, ungemütlich, das Wetter sei nicht toll. All das stimmt auch ein bisschen. 
Lima IST riesig. Je nach Schätzung leben hier 8 bis 10 Millionen Menschen. Deswegen braucht man je nach Ziel auch Ewigkeiten, um von A nach B zu kommen. 
Es gibt viele viele arme Viertel und einige, die selbst bei Tage, sehr gefährlich sind. Die Unterschiede zwischen arm und reich habe ich in keiner anderen Stadt so sehr wahrgenommen. 
Es ist laut auf der Straße wegen der vielen Autos, vor allem micros und Taxis bahnen sich ihren Weg, verpesten die Luft, hupen und knattern in einer Lautstärke, die manches Gespräch zu Geschrei werden lässt. 
Der machismo nervt mich: Männer, die mir hinterherpfeifen, -rufen, -schmatzen und -laufen und mich dabei nie als Subjekt, sondern immer nur als Objekt wahrzunehmen scheinen. 
Die Sonne wurde in meinen ersten zwei Monaten zu einem Objekt des Hören-Sagens. Denn zu sehen bekam ich sie wegen der dichten grauen Brühe am Himmel fast nie. 

Doch ich rede nicht ohne Grund von meinem geliebten Lima. Und das nicht nur, weil inzwischen die Sonne fast täglich intensiv auf die limeños scheint. 
Lima verfügt über eine Vielzahl kultureller Einrichtungen: Museen, Kinos, Theater, Festivals, Konzerte. Hinzu kommen schöne Parks und natürlich das Meer und die Steilküste im Viertel Miraflores. 
Ich mag das Leben und den Trubel auf der Straße; dass man an jeder Ecke alle möglichen Getränke, kaltes und warmes Essen, Zeitungen und frisches Obst und Gemüse bekommt. 
Vieles ist hier so anders, zum Beispiel gibt es Leute der verschiedenen Telefonnetze, die mit einem Handy wedelnd auf der Straße stehen und llamadas, llamadas (Anrufe, Anrufe) rufen. Wenn man gerade kein Guthaben hat, kann man bei diesen netten Persönchen seine Mutter, den Chef oder die Halbschwester anrufen - gegen entsprechende Bezahlung natürlich. 
An jeder Straßenecke gibt es tiendas (kleine Lädchen), in denen man Lebensmittel für den spontanen Bedarf, Klopapier, Handyguthaben den einen oder anderen Alkohol bekommt. Das erspart mir den Weg zum Supermarkt (denn solche gibt es natürlich auch), wenn ich doch nur eine Tomate brauche. 
Genau so gibt es überall kleine Restaurants, wo man für wenig Geld ein (mal mehr, mal minder) leckeres Menü, köstliche Nachspeisen oder frisch zubereitete Säfte bekommt. 
Und natürlich finde ich es schlichtweg aufgregend hier zu leben, weil es so anders ist. Ich glaube fast, dass allein in meiner Straße und den beiden daneben mehr Leute als in Ilmenau wohnen. ;)

Ich hoffe, ihr könnt ein bisschen verstehen, warum ich mich hier so wohl fühle. Vielleicht weil man hier das Leben merkt, so abgedroschen das auch klingen mag.

Limettige Grüße,
Karo

Samstag, 5. November 2011

Flatterhaft durch den Norden

Da bin ich wieder. Heil und munter bin ich zurückgekehrt aus dem Norden. Dort hab ich auch, nebenbei bemerkt, nichts von dem Erdbeben mitbekommen, dass am 28. Oktober hier stattgefunden hat. Meine Mitbewohner haben in Lima gar nichts gemerkt, Zsara hat das Schwanken in der 14. Etage dagegen doch als sehr eindrucksvoll beschrieben. Nun, ich bin froh, dass niemandem was passiert ist.

Diesen Eintrag werd ich übrigens mit fremden Fotos füllen; Hannah hat eine Kamera, die mich derartig anzieht, dass ich glatt über einen Überfall nachdenken würde, würde ich Hannah nicht mögen.:)

Hier also mein Log-Buch (der Versuch einer anderen Art der Berichterstattung):
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27.10.2011 (Donnerstag)
  • Flug nach Chiclayo (ja, entgegen meiner sonstigen Einstellung hab ich einen Inlandsflug getätigt; 15 Stunden Busfahrt waren mir nach meinen letzten Abenteuern doch zu viel) mit Kristina und Hannah
  • in der Ciudad de la Amistad (Stadt der Freundschaft) wurden wir freundlichen von einem Taxifahrer empfangen, der uns quer durch die ganze Stadt zu einem Hostel fuhr
28.10.2011 (Freitag)
Sträßelein in Piura
  • in aller Frühe nahmen wir einen Bus nach Piura (2-3 Stunden), wo bereits Patricia, Willy und Thomas waren
  • zum Mittag gab es den leckersten Salat Perus (eigene Einschätzung): frisch, viel und karamelisierte Walnüsse
  • Ausflug nach Catacaos, wo es einen großen Kunsthandwerksmarkt gibt

29.10.2011 (Samstag)
  • während Patricia und Willy sich weiter auf den Weg nach Norden machten, fuhren wir zum Strand von Colán: zum ersten Mal in Peru (und in diesem Jahr) war ich baden; es war angenehm warm; nur der Strand an sich hat leider nicht beeindruckt (ist eben Pazifik)
  • abends fuhr ich mit den Mädels wieder nach Chiclayo; Thomas kam am nächsten Tag nach
  • beeindruckend bei unserer mitternächtlichen Ankunft in Chiclayo: die Prozession für den Señor de los Milagros (ein Fest der Jesusverehrung, das oktoberlang weilt)
30.11.2011 (Sonntag)
Gold über Gold für den Herren von Sipán
  • Fahrt nach Sipán zu den Ausgrabungsstätten einer Moche-Pyramide (hier stieß Thomas dann auch wieder zu uns); Besichtigung der Lehmgräber und Genuss der Aussicht über das weite, grüne Tal
    Ausblick

  • in Chiclayo verweilten wir lange in einer (laut Reiseführer) Luxus-pollería (pollo heißt Hühnchen), wo wir aber de facto nur Kaffee getrunken und Schmankerl zum Besten gegeben haben
  • nächtliche Fahrt nach Cajamarca (6-7 Stunden) ins Bergland
Cajamarca von oben
31.10.2011 (Montag)
  • frühmorgendliche Ankunft; Fahrt ins Hostel, wo Jasmin (die schon in dem Städtchen auf 2.700 Höhenmeter war) uns ein Zimmer reserviert hatte; noch ein bisschen Schlaf
  • Erkundung der Stadt und Besuch der Baños del Inka, wo die Inka-Könige gebadet haben sollen; wir haben es ausprobiert: ach, Becken voller heißem Wasser sind schon etwas Schönes; zumal das Wasser in unserem Hostel nicht so wärmend war
  • kurz vorm Schlafen sprachen wir über Nachnamen; Kommentar von Hannah zu denen aus meiner Familie: "Unser liebster Keucher steht vor der Staude." ...



01.11.2011 (Dienstag)
  • Tour nach Cumbe Mayo: Steinwald (riesige Steine, in die man alles mögliche reininterpretieren konnte: Ratten, Männer mit Rucksäcken, Dinosauerier etc) und ein altes Bewässerungssystem der Inka
  • Jasmin und Thomas verabschiedete sich wegen ihrer Rückfahrt nach Lima und wir Drei fuhren zu den Ventanillas de Otuzco: kleine Fensterchen im Stein, die angeblich vor langer Zeit Gräber waren
  • nach leckerstem Kuchen und Kaffee fuhren wir wieder über Nacht nach Chiclayo (ach, was war ich froh, dass ich nicht noch eine Nachtfahrt vor mir hatte!)
Seht ihr die Ratte oder den Rucksackträger?
02.11.2011 (Mittwoch)
  • nach ein paar Stunden Schlaf in einem Hostel (denn wir sind wieder mitten in der Nacht angekommen) auf zu letzten Abenteuern
  • Besichtigung des Museo Tumbes Reales de Sipán (wo viele Grabbeigaben und die Bestatteten aus Sipán selbst ausgestellt sind)
  • Rückflug nach Lima
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Logbuch Ende.





In in der Sierra, dem Hochland, gibt es sehr viel Armut. Besonders Kinder betteln dort. Als wir in Cumbe Mayo waren, saßen viele Kinder, traditionell gekleidet und manchmal mit Schäfchen auf dem Arm, und baten die Vorbeigehenden um ein bisschen Geld und zupften an unserer Kleidung, wenn wir nicht reagierten. Eine unangenehme Situation, weil ich nach wie vor nicht weiß, wie ich damit am besten umgehe. Da komme ich und mache Urlaub in einer Region, in der die Summe, die ich für meinen Flug nach Südamerika bezahlt habe, ein schieres Vermögen darstellt. Diese Unfairness macht mich wahnsinnig traurig und noch nirgend hab ich sie so wahrgenommen wie in Peru.

Nichtsdestotrotz war es ein schöner Urlaub, den ich sehr genossen habe.

Nun bin ich wieder in meinem geliebten Lima. Mir ist aufgefallen, dass das Semester nur noch drei Wochen dauert. Verrückt, wie die Zeit vergeht! Ich hoffe, ich kann sie genießen. :)

Bis bald,
Karo

Dienstag, 25. Oktober 2011

Die schöne Reise

Lalalalaaaa, ein bisschen gedauert hat es, ich gebe es ja zu. Aber umso mehr freue ich mich, euch nun meinen Reisebericht zu präsentieren.

Am Abend des 6. Oktober (ein Donnerstag) gondelten Sarah und ich in gewohnter Manier mit dem Taxi zur Busstation, stiegen dort in den Nachtbus und fuhren nach Arequipa. Und fuhren und fuhren und fuhren. 16 Stunden waren veranschlagt. Gedauert hat es mindestens 18, ehe wir in der zweitgrößten Stadt Perus angekommen sind. Besonders bequem war die Fahrt leider auch nicht: es zog, schlafen ging mangels Beinstütze nicht und dann diese schrecklichen Filme, die (fast) ununterbrochen laufen. Entweder furchtbare Familienkomödien oder platte Action-Filme. Nun, alles hat auch mal ein Ende.

Wir haben also Quartier in einem hübschen hostal namens Home Sweet Home bezogen und uns aufgemacht, die Stadt zu erkunden. Und ach, was ist die schön: stolze, koloniale Gebäude, eine angenehme Stimmung, eine wunderschöne Plaza de Armas, mächtige Kirchen, haufenweise Schnickschnack zu kaufen, nette Cafés, Dächer, auf die man klettern kann, Sonne. Was hat mein Herz gelacht! Besonders zu empfehlen ist der Besuch des Monasterio de Santa Catalina, welches wie eine Stadt in der Stadt ist. Ein Kloster, das den höheren Töchtern erlaubte, ihren gewohnten Lebensstil fortzuführen. Neben Instrumenten, Nähmaschinchen, großen Küchen und bequemen Sesseln hatten die Damen sogar mehrere Diener zu ihrer Verfügung. Bis eine spanische Nonne kam und dem Saus und Braus ein Ende bereitete. Heute leben noch immer Nonnen in dem Kloster und die Eintrittsgelder werden zu dessen Instandhaltung genutzt.
Im Monasterio de Santa Catalina

Blick auf Stadt und Vulkan

... und wieder war der Konvent geschlossen!

Gasse

Heldenverehrung ...


Am 9. Oktober (mittlerweile Sonntagabend) sattelten wir unsere Rucksäcke und fuhren weiter nach Cusco. Man sollte zwar meinen, dass ich mich inzwischen an die Nachtfahrten gewöhnt hätte, aber so übermäßig bequem finde ich es nach wie vor nicht. Außerdem führt der Weg von Arequipa nach Cusco durch die Berge. Ein schlängeliger, kurviger Weg. Nein, ich habe mich nicht übergeben.

In Cusco empfing uns nicht nur Sonnenschein, sondern auch Patricia und Zsara. Die Zwei waren schon ein paar Tage vorher dorthin gefahren. Cusco ist super touristisch, aber nicht minder schön. Wenn ich es mit Arequipa vergleichen müsste, würde ich A mehr als elegant und herrschaftlich und C als gemütlich und cool beschreiben. Es gibt in der Stadt auf über 3000 Meter Höhe kleine Gässlein, die sich den Berg rauf- und runterziehen, charmante alte Häuser, viele Museen, vegane (!) Cafés, an jeder Ecke Stände und Leute, die einem Tattoos, Piercings, Dreads oder Gras anbieten. Unter den Museen sei besonders das Coca-Museum zu erwähnen. Klein, aber fein ist es und erklärt, warum Coca ein so gutes Mittelchen gegen die Höhenkrankheit ist. Nämlich weil es das Blut schneller zirkulieren lässt und deswegen trotz durch dünne Luft verengte Blutbahnen gute Sauerstoffzufuhr ermöglicht.
Dächermeer und Berge

kleiner Blick auf die Plaza de Armas


Nach zwei Tagen in der Brichero-Stadt (was genau das ist, erklär ich ein anderes Mal) fuhren wir ins Valle Sagrado das Tal, welches Cusco umgibt. Heiliges Tal heißt das übersetzt und wenn ich es mir so angesehen habe, kann ich die Namensgebung durchaus verstehen: ein wunderschönes Tal, eingefasst von mächtigen Bergen.

Unsere erste Station hieß Urubamba. Dort fuhr ich zum ersten Mal mit einem so genannten mototaxi, ein dreirädriges, motorbetriebenes, ratterndes Gefährt. Das brachte uns zu einer Oase von hostal: ein Hof voller Pflanzen, ein Frühstück, das selbst den Hungrigsten satt macht, ein goldiger Herbergsvater und ein Blick auf die Berge. Idylle nennt man so etwas.
Inca Kola - peruanisches Nationalgetränk


Von dort aus starten wir unsere Klettererkundungstour  mit dem Ziel die Salinas in der Nähe anzuschauen. Die Salinas sind über 300 Salzbecken, die in an den Berg gebaut wurden um aus diesem Salz zu waschen. Der Anblick von strahlendem weiß in der  überwältigenden Naturkulisse war großartig! Auf dem Weg dorthin sind wir übrigens ein Stück mit einem vollgestopften micro gefahren, in dem nur Quechua geredet wurde. Ich hab das hier zum ersten Mal gehört, Sarah ebenso und irgendwie war das ein besonderer Moment.
Salz im Berg

Sari auf der wackligen Brücke

Die Bahnstation im Nichts

Am nächsten Tag, inzwischen der 13. Oktober, fuhren wir gegen Mittag in Ruhe nach Ollanta, ein weiteres Dörfchen im Valle Sagrado. Dort steht die Ruine einer alten Inka-Festung und es gibt eine Zugverbindung nach Machu Picchu. Deswegen ist es leider viel touristischer: englische Anschläge an den Restaurants, einen Haufen von Ständen, die alle das gleiche verkaufen, Busse voller Reisegruppen. Die Ruine ist aber trotzdem sehr schön. Majestätisch  erhebt sie sich am Berg und wenn man einmal dem Wind getrotzt hat und nach oben geklettert ist, hat man einen weiten Blick ins Tal.
Weite

Abends nahmen wir (wie so viele andere) den Zug nach Machu Picchu. Genauer gesagt fährt er nach Aguas Calientes, das Dorf zu dessen Fuße. Der Zug ist übrigens unverschämt teuer: wir haben für eine zweistündige Strecke 35 US Dollar bezahlt und sind noch mit dem billigsten Gefährt gefahren. Der Super-Luxus-Zug hätte für die gleiche Strecke 85 Dollar gekostet.

Dann waren wir also in Aguas Calientes. Das schrecklichste Dorf der Welt. Aguas Calientes IST Tourismus. Es LEBT nur für den Tourismus. Weil hier alle Machu Picchu-Pilger, die nicht den Inka-Trail laufen, durchmüssen. Nun, eine Nacht haben wir dort übernachten und damit gut.

Am nächsten Morgen in der Frühe standen wir auf, nahmen den Bus nach oben und waren gegen sechs da. Machu Picchu. Nur leider regnete es. Wir verharrten also erstmal unter einem Stein bis der Regen nachließ. Dann zogen wir aus, das immer noch neblige Gelände zu erkunden. In diesem Nebel boten sich uns magische Momente, in denen wir plötzlich ein Stück Berg oder Gebäude sahen, das zwei Sekunden später schon wieder verschwunden war. Keine Worte der Welt können das beschreiben.
Später wurde es dann richtig sonnig und wir haben noch ein paar Erkundungstouren zum Sonnentor und der Inka-Brücke (eine Lücke im Pfad entlang des Berges, über die normalerweise Baumstämme gelegt wurden; im Angriffsfall konnten die einfach entfernt werden und Machu Picchu war auf diesem Wege nicht erreichbar) gemacht. Damit sind wir den Menschenmassen entflohen und hatten einen wunderbaren Blick auf die zwischen den hohen Bergen eingebetteten Gebäude. Die haben wir uns auch noch intensiv angeschaut, bevor wir uns nach insgesamt acht Stunden an den Abstieg machten.
Schiefe Sicht

Hoch oben

Nebeldecke

Pflanzendickicht

Noch mehr Nebel

Mein Reiseführer bezeichnet Machu Picchu als eine sweet cherry jeden Südamerikatrips. Das trifft es nicht. Es ist viel mehr. Halt irgendwie magisch.

Der Zug brachte uns wieder nach Cusco. Dort noch ein Tag. Dann Rückfahrt nach Lima (wohlbemerkt 22 Stunden).

Eine wunderschöne Reise. Besonders dank Sarah. Un beso.


Donnerstag, 29. September 2011

Einmal Mond und zurück

Der letzte Donnerstag begann für mich sehr früh. Es fühlte sich noch früher an, weil ich wegen einer Intercambio Party am Vortag nicht eben viel geschlafen hatte; und weil ich mich noch nicht ganz an das hiesige System von AM und PM gewöhnt hab, hab ich auch glatt meinen Wecker auf 12 Stunden später gestellt. Naja, etwas verspätet kamen Sarah und ich also am Busbahnhof des Unternehmens Soyuz an, kauften unser Ticket und fünf Minuten später saßen wir im Bus. Das ist hier echt faszinierend, dass selbst Überlandbusse mit längeren Distanzen manchmal alle paar Minuten abfahren.
Vier Stunden später waren wir in Pisco. Nein, nicht ganz. An der Cruce Pisco. Pisco ist ein Städtchen am Pazifik, nach dem auch der berühmte Schnaps benannt ist. Blöd nur, dass es nicht direkt an der Via Panamericana liegt, die unser Bus nicht verlassen wollte. Das ist eine ziemlich gut ausgebaute und stark frequentierte Straße, die von Alaska nach Patagonien führt.
Da standen wir also an der Kreuzung nach Pisco. Viel Zeit uns zu orientieren, blieb allerdings nicht, denn schon während des Verlassens des Busses, wurden uns drei Taxis angeboten. Nach ein bisschen Verhandeln, brachte uns der Fahrer eines der Gefährte in das Dörfchen Paracas, dem eigentlichen Ziel unserer Reise. Dort gibt es eine Halbinsel mit einem Nationalpark, wie man an dem Bäumchen dieser künstlerisch anspruchsvollen Karte entnehmen kann (Entschuldigung, Kiki & Sina)



Dort stellte ich zu meinem Leidwesen fest, dass ich meine Sonnenbrille vergessen hatte. Denn wie immer, wenn ich Lima bisher verlassen habe, schien die Sonne. Dann machten wir uns auf die Suche nach einem Reisebüro, um uns eine Tour durch den Parque Nacional de Paracas zu organisieren. Das, welches unser treuer Freund, der Lonely Planet, vorschlug, fanden wir leider nicht. Dafür vermittelte uns ein Polizist an einen Kumpel. So läuft das hier: wenn du nicht weiter weißt, fragst du einen Polizisten. Auch, wenn du auf der Suche nach einer Straße bist. Sehr kurios. 
Mit dem besagten Freund handelten wir dann die Konditionen für eine Autofahrt durch besagten Park und anschließenden Rücktransport zur Panamericana aus.
Und los ging es also. Ich erwartete grüne Bäume, seltene Pflänzchen und scheue Tiere. Stattdessen bot sich uns aber ein etwas anderer Blick, der eher an Mond als an Wald erinnerte. Sand über Sand über Sand: der Nationalpark war vor vielen Millionen Jahren von Meer bedeckt. So gibt es dort Fossilienablagerungen und für alle Zeit in den Sand gebannte Wellenbewegungen. Und all das auf einer so weiten Weite, dass man sich ein bisschen wie auf dem Mond fühlt. Wegen des Salzes wächst natürlich auch kein einziges Blatt. Der Sand hat verschiedene Farben; ein roter Strand, gelbe Felsen und dazu das blaue Meer und der Postkartenkitsch ist perfekt. Aber so Sarah, irgendwoher muss ja einmal die Inspiration gekommen sein. 
Übrigens sind auch hier die Folgen des Erdbebens, dass ich in meinem letzten Eintrag angerissen habe, zu sehen. Bis 2007 gab es einen Felsen, den man wegen seiner Form Kathedrale nannte. Leider fehlt der Kathedrale nun der Bogen…
Genuss der Aussicht

Nichts als Wüste.

Tiefblaues Meer

Kitsch
Beeindruckend war er, der Park! Deswegen hatte ich auch kein Problem, am selben Tag nach Lima zurückzufahren. Auch wenn wir dadurch insgesamt acht Stunden im Bus saßen. Hinzu kam die Autofahrt durch den Park. Und die drei Taxis. Ai. :)
Gegen elf Uhr abends waren wir dann wieder in Lima, sonnengetankt für die nächsten Tage. 
Aber, oh Wunder, in den letzten Tagen hat die weißlich-graue tatsächlich Sonne durchgelassen! Zunehmend wird es auch wärmer; ich friere nicht mehr, wenn ich das Haus mal ohne Jacke verlasse. Es scheint also, dass der Winter allmählich vorübergeht. Juchei!
Nächste Woche hab ich examen parcial in Comunicación Intercultural, in der darauffolgenden in Cine. Für ersteres muss ich wieder ein Haufen Text lesen, für das zweite eine Filmanalyse schreiben. Ich bin fleißig am Werkeln und auch wenn Sarah und ich heute Abend nach Trujillo fahren, werden mich meine Texte begleiten.

Ich melde mich also, wenn wir wieder da sind.
Euch ein schönes Herbstwochenende.

Liebe Grüße,
Karo 

Samstag, 24. September 2011

Sonne, Sand und Mystik

Oh je,
jetzt hänge ich aber vor lauter Kranksein, Lektürekontrolle und Spontanausflug (Bericht folgt) aber schon ganz schön hinterher.

Also auf auf, das einzuholen!

ICA. HUACACHINA. NAZCA-LINIEN.

Letzten Freitag (nachdem wir an Abend zuvor mit Wein, Kuchen und Basteleien der kreativen Art in meinen Geburtstag reingefeiert haben) haben wir uns morgens auf die vierstündige Reise nach Ica begeben. Blöd nur, dass Willys Zeitangabe eine schöne Untertreibung war – fünfeinhalb trifft es wohl eher. Dementsprechend erschöpft kamen wir in dem Haus an, in dem nicht nur Willy Bruder wohnt, sondern es auch zwei Kämmerchen leer stehen, die wir für das Wochenende beziehen konnten.

Den Samstag starteten wir mit einer kleinen Tour durch Ica bei schönstem Sonnenschein. Ica zeichnet sich vor allem durch zweierlei aus: es gibt viele viele Kirchen und leider auch viele kaputte Gebäude. Schuld an letzterem ist ein Erdbeben, das 2007 viele Tote und viel Zerstörung nach sich gezogen hat.
Trotzdem finde ich, dass die Stadt einen gewissen Charme hat. Und wenn es nur daran liegt, dass Willy an jeder Straßenecke einen Bekannten gegrüßt hat und uns auf versteckten Pfaden mit zum Haus seiner Großmutter genommen hat.
Kathedrale

eine Straße

eine zweite Straße

Es folgte: eine Tour durch ein traditionelles Weingut, natürlich mit Verkostung. Dabei wurde uns nicht nur Wein angeboten (für meinen Geschmack abermals ein bisschen zu süß), sondern auch der berühmt-berüchtigte Pisco, ein Schnaps, der aus Pflaumen gebrannt wird. Und das vorm Essen..

Nach dem Mittagessen quetschten wir uns in ein Taxi und fuhren nach Huacachina. Das sagenumwobene Huacachina.
Und es war wirklich beeindruckend! Sand. Überall Sand. Ich fühlte mich tatsächlich wie in der Wüste (nachdem ich die annähernde Todesangst während der Fahrt überwunden hatte; der Fahrer des Gefährts, das uns auf die Dünen brachte, fuhr mit einer derartig atemberaubenden Geschwindigkeit und einem Hang zu extravaganten Berg- und Talfahrten über die sandigen Dünen, dass ich meine Hand voller Panik in Sarahs Hose krallte). Umgeben von Sand, soweit das Auge reicht. Einen solchen Anblick hätte ich in Peru wirklich nicht erwartet. Zusammen mit der untergehenden Sonne war die Atmosphäre leicht romantisch-unreal.
Umso realer war das Sandboarding. Wir bekamen also alle eine Board in die Hand gedrückt und konnten die Dünen heruntersausen. Vornehmlich in der Bauchlage. Was bei dem steilen Abgang überraschend fetzig war. Mein Versuch, das Ganze stehend zu meistern hat leider nur annähernd so gut geklappt wie meine letzte Begegnung mit dem Snowboard. :)

links nach rechts: Zsara, Willy, Sarah, Patricia
Sandige Weite


Ameisen krabbeln die Dünen hoch.

Für Sonntag standen die Nazca-Linien auf dem Plan. Weil die von Ica noch ein ganz schönes Stück entfernt sind, sind wir mit einem Auto hingefahren. Die Fahrt führte über Dörfer und durch beeindruckende Berglandschaften. Nach mehr als 100 Kilometern, aber mehr Zeit als man in deutschen Gefilden dafür bräuchte, waren wir da – an einem Turm.
Bei den Nazca-Linien handelt es sich um ziemlich akkurat in den Boden gekratzte Linien, die verschiedene, sehr große, mal mehr und mal weniger klare Formen ergeben. Sie sind daher nur erkennbar, wenn man von der Luft einen Blick auf den Boden wirft. Da stellt man sich also die Frage, wie die Nazca, die die Linien vor rund 2500 Jahren in den Boden gebannt haben, diese so schnurgerade ziehen konnten. Um alle Figuren zu sehen, muss man mit einem Flugzeug über das Areal fliegen. Das haben wir nicht gemacht und sind stattdessen auf besagten Turm gekraxelt. Da sieht man zwar nur zwei Figuren, aber das Ausmaß und die klare Anordnung der einzelnen Linien zeichnet sich erkennbar ab. Das hat bei mir wirklich ziemlichen Eindruck und Respekt hinterlassen, obwohl auch ein komisches Gefühl dabei ist, weil nach wie vor nicht klar ist, wofür die Nazca diese Linien erschaffen und genutzt haben. Eine Erklärung, die in Museo Maria Reiche (benannt nach der Frau, die die Linien lange Jahre erforscht hat) dargelegt wurde, ist, dass die Linien einen astronomischer Kalender darstellen, der bestimmte Ereignisse hervor sagen kann. Eine von vielen Theorien …

Montagmorgen standen wir sehr früh auf (allerdings nicht ganz so früh wie geplant; obwohl wir zu fünft waren, haben wir alle unsere Wecker eine Weile ignoriert), um wieder nach Lima zu fahren.
Wo ja eine Control de Lecture in Cine wartete. Die hab ich inzwischen erfolgreich hinter mich gebracht. Vorher hat mich aber die Übelkeit erwischt. Irgendwie scheint mein Magen von Zeit zu Zeit einen Guerilla-Krieg gegen Peru zu führe. Oder umgekehrt? Jedenfalls bekomme ich dann fürchterliche Magenschmerzen, liege ich einen Tag mit Wärmflasche im Bett und anschließend geht es mir wieder besser. Seltsam, aber das Ab-und-zu-Kranksein unter den extranjeros scheint hier leider dazuzugehören.

Zum Schluss noch kurz: heute gab es an der Católica eine Demo. Der werte Herr Erzbischoff will sich nämlich in die Lehrinhalte einmischen – mit Referenz auf das „päpstlich“ und „katholisch“ im Namen der Uni. Darauf hat natürlich hier niemand Lust, deswegen der Protest. Die Konsequenz wird aller Wahrscheinlichkeit nach sein, dass der Uni genau diese beiden Adjektive aberkannt werden. Damit geht zwar ein mehr als 100 Jahre alter Name verloren, aber es ist auch nur ein Name und immer noch besser als ein kirchlich regulierter Lehrplan.
Ich bin jedenfalls gespannt, wie das sich weiter entwickelt.

So, nun gehe ich aber ins Bett.

Buenas noches, ihr Lieben.

Ach ja. Fotos folgen.

Samstag, 10. September 2011

hace sol!

Kaum ist Sarah da, scheint die Sonne!
Sarah ist eine Freundin aus Deutschland, die Peru und mich für insgesamt sechs Wochen besucht. Angekommen ist sie letzten Mittwoch in aller Herrgottsfrühe. Julio (bei dem sie Quartier bezieht) und ich haben sie schlaftrunken vom Flughafen abgeholt. Doch alle Verschlafenheit verschwand! Was hab ich mich gefreut, dass sie da ist!!


Nachdem bereits den gestrigen sonnigen Tag für einen Spaziergang ans Meer genutzt haben, konnten wir auch den heutigen in seiner strahlenden Pracht nicht untätig verbringen. Also sind wir mit zwei meiner Mitbewohner nach Miraflores auf einen Bio-Markt gefahren. Der findet jeden Samstag statt. Letzte Woche war ich mit Zsara dort. Schon da hat er mich sehr begeistert mit seiner schönen Auswahl an Obst, Gemüse, Käse, Brot, Stricksachen, Instrumenten und allerlei weiterem. Heute hab ich Brot und ein Stückchen Ziegenweichkäse  erworben. Das herkömmliche Brot, das man hier im Supermarkt bekommt, ist nämlich in der Regel weißes Toastbrot. Da ist mir so ein Laib Reisbrot (sehr lecker!) doch lieber! Und auch der Käse schmeckt ein ganzes Stückchen leckerer als der, den ich aus der supermärktlichen Käsetheke bekomme. 


Ansonsten kann ich mich im Übrigen nicht beschweren, was Nahrungsmittel angeht: Obst und Gemüse gibt es hier in rauen Mengen, in immensen Größen und zu sehr sehr moderaten Preisen! Außerdem reiht sich auf den Straßen ein kleines Restaurant neben das andere, in denen es Menüs für nicht einmal 3 Euro, die so groß sind, dass ich davon dreimal satt werden würde. Nur dass fast immer und überall Fleisch enthalten ist, geht mir ein bisschen auf die Nerven. Aber auch wenn man es in einem Land, in dem Fleisch so einen große Rolle spielt nicht erwartet (Zitat eines Peruaners: "Wie? Deine Lieblingsgerichte enthalten kein Fleisch?!"), es gibt auch hier und da ein vegetarisches oder gar veganes Restaurant.


Aber zurück zum heutigen Tage: Nach dem Marktbesuch sind wir wieder Richtung Meer geschlendert und haben uns dann tatsächlich auf eine Wiese gelegt. In die Sonne! Hach, wie toll das war... Nur blöd, dass Laura, meine spanische Mitbewohnerin, mich vorhin darauf hingewiesen  hat, dass ich einen Sonnenbrand habe. Mist! Aber wer erwartet auch einen Sonnenbrand im Winter? :)


Dennoch: so kann das Wetter gerne bleiben. Besonders, wenn wir nächstes Wochenende nach Ica und Huacachina Richtung Süden fahren. Da soll es nach Aussage einiger meiner Mitbewohner Wüste geben. Wir werden sehen.
Genießt das Wetter, sofern ihr könnt. Sarah hat mir da eine ganz wunderbare, ziemlich zuverlässige Seite empfohlen. Vielleicht kann sie die eine oder der andere nutzen, um den nächsten Zelturlaub zu planen. 


Hasta pronto,
Karo