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Dienstag, 3. Januar 2012

Die letzten Tage des Jahres

Huch, die letzten Tage sind subjektiv aber ganz schön schnell an mir vorübergezogen.


Über Weihnachten bin ich ja zu Arthur gefahren. Erst über Nacht nach Trujillo und von dort aus nach Huamachuco. Dieser zweite Teil der Fahrt war ein ganz schönes Abenteuer: innerhalb von sechs Stunden klettert der Bus von etwa Meereshöhe auf über 3000 Meter Höhe. Man mische noch die dank Regenzeit schlammigen, kurvenreichen Pisten und einen alten klapprigen Bus dazu und die Reisefurcht ist zusammengerührt. Nun, ich bin trotz anfänglicher Zweifel heil angekommen. Im Regen hab ich meinen Bruder jubelschreiend in die Arme geschlossen. Der Regen ist dort leider alltägliches Erscheinungsbild; ich hab in den paar Tagen mehr Regen erlebt als in meiner gesamten Zeit in Peru …

Sehr schöne Tage waren es mit Arthur und seinen Freunden. Wir waren in der Stadt spazieren, saßen häkelnd am Fenster ihrer Unterkunft und haben auf die wunderschöne Plaza de Armas geschaut, haben gekocht, Wein getrunken und mir wurde das Projekt gezeigt, eine demokratische Schule. Sie ist in einen pädagogischen und einen Konstruktionsteil gegliedert. Arthur arbeitet in zweiterem: ein ziemliches Stück den Berg hinauf wird eine neue Schulanlage errichtet mit u.a. einem großen Gebäude, einer Pflanzenkläranlage und einem Windrad. Nicht nur wegen des herrlichen Blicks in die Berge (die mitunter wegen der vielen kleinen Felder wie Flickenteppiche aussehen) dort oben hat mich das Projekt sehr beeindruckt. Demokratische Schulen sind rar in Südamerika.  Mehr Informationen gibt’s übrigens in dem rechts verlinkten Blog.

Außerdem haben wir natürlich Weihnachten gefeiert. Es war ziemlich schön. Wir waren zusammen mit einer anderen deutschen Freiwilligen in einer peruanischen Familie. Dort wurde viel geredet, gegessen, getrunken, gesungen und sogar Gedichte rezitiert. Eine sehr angenehme Atmosphäre. Bis zur Bescherung wartet man in Peru bis Mitternacht (die armen Kinder …). Außerdem ist im Gegensatz zu Deutschland der 26. kein Feiertag. Oftmals bekommen auch nur die Kinder Geschenke.

Die Zeit in Huamachuco war wirklich wunderbar. So ruhig im Vergleich zu meinem hektischen Leben in Lima. Und es hat einfach gefetzt, bei meinem Bruder zu sein.


Am 27. bin ich zurückgefahren (durch die Berge mit einer anderen Busgesellschaft, die über wesentlich vertrauenswürdigerere Fahrzeuge verfügt) und war am 28. wieder in meinem geliebten Lima. Sonne genießen, die bevorstehende Reise planen, tanzen gehen, ans Meer fahren, mein Zimmer ausräumen, einen Silvesterplan entwickeln, stand auf dem Plan.

Ich bin ja sowieso keine große Silvester-Freundin, dementsprechend hatte ich wenig Lust irgendwas zu planen. Nach einigem Hin und Her sind Patricia und ich mit Lucía nach Punta Hermosa gefahren. Das ist ein Ort am Meer, der etwa zwei Stunden von Lima entfernt ist. Freunde von ihr, die wir zu großem Teil auch kannten, hatten ein Haus gemietet. Ein Haus am Strand, hieß es. Nun ja, so war es leider nicht. Zum Strand musste man noch ein Stück laufen. Und Silvester selbst war er leider auch gesperrt. Wahrscheinlich aus Angst, dass die feierwütige Menge ihn in Schutt und Asche zurücklegt. Punta Hermosa erscheint mir nämlich ein bisschen wie der peruanische Ballermann: Massen betrunkener Leute. Oh je.

Die Party auf der wir waren, war an sich ganz nett (einige Ereignisse wären ausreichend, den Teaser einer Vorabend-Soap zu füllen…), aber ich steh halt wirklich nicht auf Partys am letzten Tag des Jahres. Außerdem war es wirklich ein bisschen merkwürdig, dass es so warm ist. Am 1. Januar waren wir noch am Strand, haben die Sonne und die immensen Wellen genossen.
Also haben wir uns schon amüsiert. :)


Mein Zimmer sieht grad ziemlich chaotisch aus. Ich packe nämlich meine Sachen. Zum Einen meinen Reiserucksack und zum Anderen meinen Koffer, in dem der ganze Rest landet. Ich werde nämlich de facto aus meinem Zimmer ausziehen, als Vagabundin unterwegs sein und zu Beginn des neuen Semesters wieder in der Casa Rio Grande einziehen.

Gleich fahre ich mit Kristina nach Arequipa. Dort sind schon Zsara und Patricia. Mit ihnen geht es in den Cañon de Colca und dann weiter nach Bolivien, Argentinien, vielleicht Paraguay. Einen konkreten Plan gibt es nicht. Ich gebe mir etwa sechs Wochen, dann will ich zurück in Lima sein. Aber wo ich mit wem wie lange hinfahre, steht allerhöchstens im Groben fest.

Ich werde versuchen, mich unterwegs ab und an zu melden!

In dem Sinne: ein frohes neues Jahr euch allen!

Eure Karo

PS: Der Schnelligkeit meines Tippens kurz vor der Abfahrt geschuldete Rechtschreibfehler bitte ich zu entschuldigen. 

Samstag, 5. November 2011

Flatterhaft durch den Norden

Da bin ich wieder. Heil und munter bin ich zurückgekehrt aus dem Norden. Dort hab ich auch, nebenbei bemerkt, nichts von dem Erdbeben mitbekommen, dass am 28. Oktober hier stattgefunden hat. Meine Mitbewohner haben in Lima gar nichts gemerkt, Zsara hat das Schwanken in der 14. Etage dagegen doch als sehr eindrucksvoll beschrieben. Nun, ich bin froh, dass niemandem was passiert ist.

Diesen Eintrag werd ich übrigens mit fremden Fotos füllen; Hannah hat eine Kamera, die mich derartig anzieht, dass ich glatt über einen Überfall nachdenken würde, würde ich Hannah nicht mögen.:)

Hier also mein Log-Buch (der Versuch einer anderen Art der Berichterstattung):
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27.10.2011 (Donnerstag)
  • Flug nach Chiclayo (ja, entgegen meiner sonstigen Einstellung hab ich einen Inlandsflug getätigt; 15 Stunden Busfahrt waren mir nach meinen letzten Abenteuern doch zu viel) mit Kristina und Hannah
  • in der Ciudad de la Amistad (Stadt der Freundschaft) wurden wir freundlichen von einem Taxifahrer empfangen, der uns quer durch die ganze Stadt zu einem Hostel fuhr
28.10.2011 (Freitag)
Sträßelein in Piura
  • in aller Frühe nahmen wir einen Bus nach Piura (2-3 Stunden), wo bereits Patricia, Willy und Thomas waren
  • zum Mittag gab es den leckersten Salat Perus (eigene Einschätzung): frisch, viel und karamelisierte Walnüsse
  • Ausflug nach Catacaos, wo es einen großen Kunsthandwerksmarkt gibt

29.10.2011 (Samstag)
  • während Patricia und Willy sich weiter auf den Weg nach Norden machten, fuhren wir zum Strand von Colán: zum ersten Mal in Peru (und in diesem Jahr) war ich baden; es war angenehm warm; nur der Strand an sich hat leider nicht beeindruckt (ist eben Pazifik)
  • abends fuhr ich mit den Mädels wieder nach Chiclayo; Thomas kam am nächsten Tag nach
  • beeindruckend bei unserer mitternächtlichen Ankunft in Chiclayo: die Prozession für den Señor de los Milagros (ein Fest der Jesusverehrung, das oktoberlang weilt)
30.11.2011 (Sonntag)
Gold über Gold für den Herren von Sipán
  • Fahrt nach Sipán zu den Ausgrabungsstätten einer Moche-Pyramide (hier stieß Thomas dann auch wieder zu uns); Besichtigung der Lehmgräber und Genuss der Aussicht über das weite, grüne Tal
    Ausblick

  • in Chiclayo verweilten wir lange in einer (laut Reiseführer) Luxus-pollería (pollo heißt Hühnchen), wo wir aber de facto nur Kaffee getrunken und Schmankerl zum Besten gegeben haben
  • nächtliche Fahrt nach Cajamarca (6-7 Stunden) ins Bergland
Cajamarca von oben
31.10.2011 (Montag)
  • frühmorgendliche Ankunft; Fahrt ins Hostel, wo Jasmin (die schon in dem Städtchen auf 2.700 Höhenmeter war) uns ein Zimmer reserviert hatte; noch ein bisschen Schlaf
  • Erkundung der Stadt und Besuch der Baños del Inka, wo die Inka-Könige gebadet haben sollen; wir haben es ausprobiert: ach, Becken voller heißem Wasser sind schon etwas Schönes; zumal das Wasser in unserem Hostel nicht so wärmend war
  • kurz vorm Schlafen sprachen wir über Nachnamen; Kommentar von Hannah zu denen aus meiner Familie: "Unser liebster Keucher steht vor der Staude." ...



01.11.2011 (Dienstag)
  • Tour nach Cumbe Mayo: Steinwald (riesige Steine, in die man alles mögliche reininterpretieren konnte: Ratten, Männer mit Rucksäcken, Dinosauerier etc) und ein altes Bewässerungssystem der Inka
  • Jasmin und Thomas verabschiedete sich wegen ihrer Rückfahrt nach Lima und wir Drei fuhren zu den Ventanillas de Otuzco: kleine Fensterchen im Stein, die angeblich vor langer Zeit Gräber waren
  • nach leckerstem Kuchen und Kaffee fuhren wir wieder über Nacht nach Chiclayo (ach, was war ich froh, dass ich nicht noch eine Nachtfahrt vor mir hatte!)
Seht ihr die Ratte oder den Rucksackträger?
02.11.2011 (Mittwoch)
  • nach ein paar Stunden Schlaf in einem Hostel (denn wir sind wieder mitten in der Nacht angekommen) auf zu letzten Abenteuern
  • Besichtigung des Museo Tumbes Reales de Sipán (wo viele Grabbeigaben und die Bestatteten aus Sipán selbst ausgestellt sind)
  • Rückflug nach Lima
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Logbuch Ende.





In in der Sierra, dem Hochland, gibt es sehr viel Armut. Besonders Kinder betteln dort. Als wir in Cumbe Mayo waren, saßen viele Kinder, traditionell gekleidet und manchmal mit Schäfchen auf dem Arm, und baten die Vorbeigehenden um ein bisschen Geld und zupften an unserer Kleidung, wenn wir nicht reagierten. Eine unangenehme Situation, weil ich nach wie vor nicht weiß, wie ich damit am besten umgehe. Da komme ich und mache Urlaub in einer Region, in der die Summe, die ich für meinen Flug nach Südamerika bezahlt habe, ein schieres Vermögen darstellt. Diese Unfairness macht mich wahnsinnig traurig und noch nirgend hab ich sie so wahrgenommen wie in Peru.

Nichtsdestotrotz war es ein schöner Urlaub, den ich sehr genossen habe.

Nun bin ich wieder in meinem geliebten Lima. Mir ist aufgefallen, dass das Semester nur noch drei Wochen dauert. Verrückt, wie die Zeit vergeht! Ich hoffe, ich kann sie genießen. :)

Bis bald,
Karo

Dienstag, 4. Oktober 2011

Jede Menge Lehm

Zum ersten Mal ging es am Wochenende nach Norden...

Donnerstagabend hetzten Sarah und ich in letzter Minute zum Bus nach Trujillo. 10 wunderbare Stunden lagen vor uns. Die wir überraschend gut überstanden. Sogar schlafen war möglich in den ausreichend komfortablen Sitzen. Und das für 40 Soles (etwas mehr als 10 Euro).

In Trujillo angekommen, lautete die Devise: Raus aus der Stadt! Wir bezogen also Quartier in Huanchaco, einem ruhigen Dörflein am Meer. Am Freitag machten wir nicht mehr allzu viel. Frühstück in einem schönen Café/Restaurant. Am Strand sitzen und rumlaufen. Sonne genießen. Huanchaco anschauen. Ausruhen. Den Limaer Smog aus den Lungen husten. Die traditionellen Boote und die Unmengen an Surfern bewundern. Ach ja, nicht zu vergessen: peruanische pubertierende Jugendliche abwimmeln, die gern ein Foto mit uns gemacht hätten. Äh nee.

Samstag begaben wir uns dann abenteuerlich auf den Weg nach Trujillo. Nachdem wir gewisse Schwierigkeiten hatten, das richtige micro (Kleinbus) zu finden. Letztendlich landeten wir aber heil und sicher in der Stadt, die Herr Pizarro nach seinem Geburtsort in Spanien benannt hat. Die ganze Altstadt ist voller Häuser im Kolonialstil. Alles ist sehr sauber und ordentlich. Besonders die Plaza de Armas (zu Deutsch Platz der Waffen … den gibt übrigens in fast jeder peruanischen Stadt) ist ein Sahnehäubchen an Pracht und Glanz. Wäre da nicht dieser Herr gewesen, der uns am liebsten des Landes verwiesen hätte, weil wir bei ihm keine Tour nach Chan-Chan buchen wollten, wären wir auf dem Platz auch sicher länger verweilt. 
So schlenderten wir durch die Straßen und über den Markt, bewunderten die Architektur,  tranken in einem wunderschönen Patio ein Käffchen und fuhren zurück nach Huanchaco.

Der Sonntag stand ganz im Zeichen der Kultur. Genauer der prähispanischen Moche-Kultur und deren Nachfolger, die Chimú.
Um Trujillo herum gibt es mehrere architektonische Überreste dieser Kulturen. Wir hatten bereits am Freitag eine Tour gebucht, um die Huaca de la Luna und Chan-Chan zu besichtigen. Das Erste ist ein Tempel, genauer gesagt ein Opfertempel; beim Zweiten handelt es sich um eine ehemalige Stadt, die man aber nur in einem sehr kleinen Bereich besichtigen kann.
Papa hätte seine reine Freude gehabt: denn alle Bauwerke, beziehungsweise ihre Überreste sind aus Lehm gefertigt. Alles ist/war beeindruckend riesig! (Das hat uns zu der Vermutung geführt, dass man dem Einzelnen das Gefühl geben wollte, unbedeutend zu sein. Spekulation.) Und wenn man sich dazu noch vorstellt, in welchen bunten Farben (die heute teilweise noch erkennbar sind) das Mauerwerk bemalt war, bekommt einen kleinen Eindruck von der Kultur der Moche und der Chimú.
Chan Chan


Nach dieser Tour (die immerhin an die sechs Stunden dauerte) haben wir wieder einen Nachtbus genommen und sind Montag in der Frühe wieder in meinem geliebten, versmogten Lima angekommen. Sonne wie da oben im Norden gab es leider nicht. Schade aber auch.

Unklarheiten? Anregungen? Fragen? Nur her damit.

Zu langer Text? Hier die Zusammenfassung: Wochenende in Trujillo und Huanchaco war toll. Jede Menge Sonne, Meer, Entspannung, Kolonialstil und Lehm.

Am Donnerstag, nach meinem examen parcial (ja, ich studiere tatsächlich auch), werden Sarah und ich unsere vorerst letzte Reise nach Arequipa, Cusco und Machu Picchu starten. 


Macht es gut, ihr Lieben. 

Besitos,
Karo