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Mittwoch, 16. Mai 2012

Vermaledeiter Nieselregen!

... er ist wieder da. Der Nieselregen, der mich schon im August bei meiner Ankunft begrüßte.
Als ich heute gegen 22 Uhr nach Hause kam (Mittwoch bin ich mit 8 Stunden Uni ganz gut beschäftigt), wollte ich endlich meine Wäsche aufhängen. Tja, leider setzte aber just dieses Gefissel ein, als ich die casa betrat. Nun kann ich nur hoffen, dass mich morgen die Sonne tagsüber nicht im Stich lässt.

Von dieser kleinen Bagatelle abgesehen, geht es mir sehr gut. Meine Reise nach Huaraz war ein voller Erfolg und ich hab bei unserem kleinen Forschungsprojekt ganz schön viel gelernt (dazu gibt es bald einen eigenen Eintrag). Die Uni hält mich weiterhin gut auf Trab - und das, obwohl die parciales doch gerade um sind. Fast jeden Tag hab ich Gruppentreffen, muss Texte lesen oder Präsentationen vorbereiten. Und weil ich auch ab und an gerne etwas mit meinen Freunden und Mitbewohnern mache, hab ich ein ausgefülltes, glückliches Leben. Juchei!

Bald gibt es wieder mehr von mir zu lesen.
Buenas noches. 
Karo

Montag, 7. Mai 2012

Punk vs. Bach

Ein fröhliches parciales-überstandenes Hallihallo aus Liiima!
Um mich ein bisschen von den parciales abzulenken, bin ich Anfang der letzten Woche konzertgängerisch geworden.

Am Montag war der Ort des Geschehens eine Tiefgarage. Ja genau, eine Tiefgarage. Dort fand ein Punk-Konzert statt. Sechs Bands standen auf dem Programm und was soll ich sagen? Ich hab mich prächtig amüsiert! Eine Band war schrammeliger als die andere, was ich allerdings keineswegs abwertend meine. Das Publikum hat gepogt und ist durch die Gegend gesprungen als gäbe es kein Morgen mehr. Man hat schon im Stehen geschwitzt und der Sänger der letzten Band hat sich hitzebedingt bis auf die Boxershorts entledigt, bevor er sich auf die Masse seiner adrenalinbeschwipsen Fans warf. Die waren übrigens alles andere als homogen. Zwar huschte hier und dort auch ein paar Punks rum (zumindest dem Äußeren nach), aber es waren auch zahlreiche andere Subkulturen anwesend.
Am Ende waren meine Begleiter heiser und ich glücklich, dass ich nach sovielen Abenden voller Salsa und Reggaeton ein paar Stunden lang schönsten Garagenschrammelpunkrock gehört habe.

Für den nächsten Tag, Dienstag,  hatte Lucía Freikarten für ein Philharmonie-Konzert bekommen. Eigentlich hätten die Karten über 100 Euro gekostet. Also bastelte ich mir aus meinem Kleiderschrank eine schicke Garderobe zusammen und los ging's. Das Konzert fand in einer deutschen Schule statt. Ich war dort schon einmal auf einerm Konzert. Die Sociedad Filarmónica de Lima hält dort regelmäßig musikalische Veranstaltungen. Am Dienstag stand  also Bach auf dem Programm. Die Bach Akademie Stuttgart spielte Misa en si menor (zu deutsch: die h-Moll-Messe). Es war lichtweg grandios!
Ich war danach ganz bezaubert und konnte voller Energie die Präsentation meiner praktischen Arbeit für Taller de Imagen Publicitaria in einer Nachtschicht zuende führen.

Seit Samstag sind die parciales nun um. Das freut mich natürlich übermäßig, macht mir aber auch bewusst, dass schon wieder die Hälfte des Semesters um ist. Wie die Zeit fliegt. Zwei Monate bin ich noch hier. Ein Gedanke der mit Freude und Wehmut gleichermaßen verbunden ist und den ich deswegen von mir schiebe. :)
¡Viva Lima!

Morgen Abend fahre ich nach Huaraz wegen unserer schon erwähnten Forschungsarbeit. Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf!

Ihr hört von mir. Alles Liebe.
Karo

Samstag, 31. März 2012

ELO'S

Huhu,
manchmal gibt es Orte, die äußerlich rein gar nicht interessant scheinen, es aber dennoch zu ziemlicher Berühmtheit schaffen. So einer ist das Elo's. Deswegen dachte ich, es wäre mal an der Zeit, dass ich diesem Ort einen Blogeintrag widme.
Auch bekannt unter dem Namen el hueco (was literarisch übersetzt das Loch bedeutet und schon erste Vermutungen über diesen berühmt-berüchtigten Ort zulässt) handelt es sich um ein Restaurant, das gegenüber der Católica gelegen ist und abends als Kneipe fungiert. Obwohl Kneipe es nicht wirklich trifft. Genau genommen ist es ein karges Lokal, bestehend aus zwei mit einander verbundenen Räumen, ein paar Holzstühlen und -tische, einer Theke, an der es ungefähr zwei verschiedene Sorten Bier gibt, Sanitäranlagen, deren Zustand durchaus gewöhnungsbedürftigt sein kann und schlechten Lautsprechern. Aber eigentlich hört man die Musik eh selten. Abends, nach Unischluss, ist es dort immer ziemlich voll. Besonders freitags, denn da ist die Woche ja vorbei (es sei denn, man hat samstags Uni). Vorallem comunica-Leute trifft man dort. Und deren Affinität zu Spaß und Feierei hab ich ja schon erwähnt.
Gestern war ich auch dort. Gegen neun sind Willy und ich angekommen, da war der Schuppen schon gerammelt voll. Ein paar Freude waren schon da und hatten sich aus Stuhlmangel um einen Tisch gruppiert. Nach und nach kamen noch mehr bekannte Gesichter und je nach Gesprächspartner wanderte ich im Laufe des Abends durch den Raum. Mit der Zeit leerte sich das Elo's zwar ein bisschen, der Geräuschpegel ging aber nicht zurück. Zweimal gab es sogar eine kleine Schlägerei. Das gehört aber nicht unbedingt zur Tagesordnung und war nach zwei Minuten auch wieder vorbei und die Kontrahenten waren wieder beste Freunde. Nehmt das also nicht als Indiz für den ganzen Ort! Der Rest der Zeit verlief sehr friedlich, mit vielen Scherzen, Gelächter, lustigen Gesprächen und am Ende einigen torkelnden Gestalten.
Sehr lange bin ich gestern allerdings nicht geblieben. Immerhin hatte ich heute Uni. Und diagnóstico wird immer mehr mein Lieblingskurs. Deswegen hat er auch meine ungeteilte Aufmerksamkeit verdient und sollte nicht durch Müdigkeit beleidigt werden. :)

So, die Sonne scheint, ich mach mich auf den Weg nach draußen.
Bis bald, ihr Lieben.
Karo

Freitag, 2. März 2012

Eindrücke hier und dort und zwischendrin

Während meiner Reise, die nun leider schon ein Weilchen zurückliegt, hab ich mir ab und an Notizen zu den Ländern, durch die ich gefahren bin, gemacht.
Die Kollektion habt ihr hier:


Die Menschen in Südamerikas ärmsten Land sind super hilfsbereit. Das kreiert meistens eine großartig positive Stimmung.
Die Busse und Straßen weisen ziemlich oft Mängel auf. Außerhalb der Busterminals (die es in jeder Stadt gibt) steigt man übrigens billiger zu.
Die Unterkünfte sind billige: in Santa Cruz hab ich zum Beispiel etwa 8 Euro für ein Zimmer mit Bad im 3-Sterne-Hotel bezahlt. Oft gab es dafür allerdings auch nur kaltes Wasser in den Unterkünften.
An jeder Straßenecke bekommt man leckeren Saft und alles, was man sonst noch braucht - oder auch eben nicht: von Briefumschlägen über Heiligenbildchen bis Zigaretten. (Das ist in allen südamerikanischen Ländern, die ich bisher gesehen hab, so. Aber Bolivien toppt die anderen!) Und auf den belebten Straßen laufen auch genügend Leute rum, die das früher oder später kaufen.
Die Landschaften sind (wie fast überall, das geb ich ja zu) atemberaubend.
Leider hab ich viele Kinder gesehen, die arbeiten: abends in Restaurants, vormittags unter der Woche in Touri-Läden. 
Betteln gehört leider auch zum täglichen Bild. Besonders Frauen (oft in traditioneller Kleidung) und Kinder strecken ihre Hände erwartungsvoll den Vorbeigehenden entgegen. 
In Bolivien hab ich mit mehr Argentiniern als Bolivianern geredet: überall haben wir die Leutchen aus dem Süden getroffen, bewaffnet mit ihrem Mate-Tee (siehe unten).


In Paraguay leben die freundlichsten Menschen der Welt. Oder besser: die Paraguayer sind das freundlichste Völkchen, das ich bisher erlebt hab, um das mal so (unzulässig) zu verallgemeinern. An jeder Ecke, so kam es mir vor, fragt dich jemand mit Lächeln im Gesicht, wo du herkommst, was du machst, wie lange du bleibst. Da es wenig Touristen in dem Land gibt, ist die Neugier gegenüber Fremdlingen noch sehr groß.
Dafür ist es aber im (südamerikanischen) Sommer auch unerträglich warm: 45 °C und eine immense Luftfeuchtigkeit. Ab und zu hat es wie aus Eimern gegossen. Das hat allerdings nicht zu einer Erfrischung geführt, eher im Gegenteil: die Luftfeuchtigkeit nahm noch mehr zu.
Die Infrastruktur ist eher schlecht. Im rauen Norden gibt es nur sehr wenige befestigte Straßen. Schotter und Staub sind dort eher die Regel.
Neben Spanisch ist dort auch Guaraní Amtssprache. Auf diese native Sprache mit dem ulkigen Singsang sind die Paraguayer ziemlich stolz.
Im Gegensatz zu Peru und Bolivien haben die Taxis in Paraguay Meter. Also nichts mit Verhandeln.
Das Papierformat ist anders: die Blätter sind länger.


Es gibt keine Straßenverkäufer. Überraschend, wie das das Stadtbild ändert.
Die Inflation sorgt schonmal dafür, dass sich die Buspreise im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr als verdoppeln.
Allgemein ist Argentinien ein bisschen weniger chaotisch als Bolivien.
Busse und Straßen sind besser als in den anderen beiden Ländern.
Die Argentinier lieben ihren Mate-Tee: immer und überall haben sie einen Becher mit Trinkröhrchen und eine Thermoskanne mit heißem Wasser dabei. 
Der argentinische Akzent war anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig. Das Doppel-L und das Y sprechen die wie ein "sh" aus. Wenn man das sonst als "j" gewöhnt ist, kann das schon zu kleineren Verständigungsproblemen führen. 


Soweit meine subjektiven Eindrücke einer schönen Reise.

Morgen fahre ich Arthur besuchen. Ich freue mich schon, in die schöne Stadt in den Bergen zurückzukehren. 

Saluditos,
Karo

Montag, 7. November 2011

Exkurs: Lima

Ja, vor langem hab ich sie angekündigt, nun könnt ihr den ersten lesen: die Exkurse.
Ich beginne mit Lima (was man übrigens u.a. mit Limette überzetzen kann): 


Die Leute in Peru, denen ich bisher erzählt habe, dass ich in Lima lebe (die limeños - Leute, die in Lima wohnen - ausgenommen), haben ein bisschen bis sehr entsetzt reagiert. Lima sei hässlich, laut, riesig, anstrengend, dreckig, gefährlich, ungemütlich, das Wetter sei nicht toll. All das stimmt auch ein bisschen. 
Lima IST riesig. Je nach Schätzung leben hier 8 bis 10 Millionen Menschen. Deswegen braucht man je nach Ziel auch Ewigkeiten, um von A nach B zu kommen. 
Es gibt viele viele arme Viertel und einige, die selbst bei Tage, sehr gefährlich sind. Die Unterschiede zwischen arm und reich habe ich in keiner anderen Stadt so sehr wahrgenommen. 
Es ist laut auf der Straße wegen der vielen Autos, vor allem micros und Taxis bahnen sich ihren Weg, verpesten die Luft, hupen und knattern in einer Lautstärke, die manches Gespräch zu Geschrei werden lässt. 
Der machismo nervt mich: Männer, die mir hinterherpfeifen, -rufen, -schmatzen und -laufen und mich dabei nie als Subjekt, sondern immer nur als Objekt wahrzunehmen scheinen. 
Die Sonne wurde in meinen ersten zwei Monaten zu einem Objekt des Hören-Sagens. Denn zu sehen bekam ich sie wegen der dichten grauen Brühe am Himmel fast nie. 

Doch ich rede nicht ohne Grund von meinem geliebten Lima. Und das nicht nur, weil inzwischen die Sonne fast täglich intensiv auf die limeños scheint. 
Lima verfügt über eine Vielzahl kultureller Einrichtungen: Museen, Kinos, Theater, Festivals, Konzerte. Hinzu kommen schöne Parks und natürlich das Meer und die Steilküste im Viertel Miraflores. 
Ich mag das Leben und den Trubel auf der Straße; dass man an jeder Ecke alle möglichen Getränke, kaltes und warmes Essen, Zeitungen und frisches Obst und Gemüse bekommt. 
Vieles ist hier so anders, zum Beispiel gibt es Leute der verschiedenen Telefonnetze, die mit einem Handy wedelnd auf der Straße stehen und llamadas, llamadas (Anrufe, Anrufe) rufen. Wenn man gerade kein Guthaben hat, kann man bei diesen netten Persönchen seine Mutter, den Chef oder die Halbschwester anrufen - gegen entsprechende Bezahlung natürlich. 
An jeder Straßenecke gibt es tiendas (kleine Lädchen), in denen man Lebensmittel für den spontanen Bedarf, Klopapier, Handyguthaben den einen oder anderen Alkohol bekommt. Das erspart mir den Weg zum Supermarkt (denn solche gibt es natürlich auch), wenn ich doch nur eine Tomate brauche. 
Genau so gibt es überall kleine Restaurants, wo man für wenig Geld ein (mal mehr, mal minder) leckeres Menü, köstliche Nachspeisen oder frisch zubereitete Säfte bekommt. 
Und natürlich finde ich es schlichtweg aufgregend hier zu leben, weil es so anders ist. Ich glaube fast, dass allein in meiner Straße und den beiden daneben mehr Leute als in Ilmenau wohnen. ;)

Ich hoffe, ihr könnt ein bisschen verstehen, warum ich mich hier so wohl fühle. Vielleicht weil man hier das Leben merkt, so abgedroschen das auch klingen mag.

Limettige Grüße,
Karo