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Freitag, 2. März 2012

Eindrücke hier und dort und zwischendrin

Während meiner Reise, die nun leider schon ein Weilchen zurückliegt, hab ich mir ab und an Notizen zu den Ländern, durch die ich gefahren bin, gemacht.
Die Kollektion habt ihr hier:


Die Menschen in Südamerikas ärmsten Land sind super hilfsbereit. Das kreiert meistens eine großartig positive Stimmung.
Die Busse und Straßen weisen ziemlich oft Mängel auf. Außerhalb der Busterminals (die es in jeder Stadt gibt) steigt man übrigens billiger zu.
Die Unterkünfte sind billige: in Santa Cruz hab ich zum Beispiel etwa 8 Euro für ein Zimmer mit Bad im 3-Sterne-Hotel bezahlt. Oft gab es dafür allerdings auch nur kaltes Wasser in den Unterkünften.
An jeder Straßenecke bekommt man leckeren Saft und alles, was man sonst noch braucht - oder auch eben nicht: von Briefumschlägen über Heiligenbildchen bis Zigaretten. (Das ist in allen südamerikanischen Ländern, die ich bisher gesehen hab, so. Aber Bolivien toppt die anderen!) Und auf den belebten Straßen laufen auch genügend Leute rum, die das früher oder später kaufen.
Die Landschaften sind (wie fast überall, das geb ich ja zu) atemberaubend.
Leider hab ich viele Kinder gesehen, die arbeiten: abends in Restaurants, vormittags unter der Woche in Touri-Läden. 
Betteln gehört leider auch zum täglichen Bild. Besonders Frauen (oft in traditioneller Kleidung) und Kinder strecken ihre Hände erwartungsvoll den Vorbeigehenden entgegen. 
In Bolivien hab ich mit mehr Argentiniern als Bolivianern geredet: überall haben wir die Leutchen aus dem Süden getroffen, bewaffnet mit ihrem Mate-Tee (siehe unten).


In Paraguay leben die freundlichsten Menschen der Welt. Oder besser: die Paraguayer sind das freundlichste Völkchen, das ich bisher erlebt hab, um das mal so (unzulässig) zu verallgemeinern. An jeder Ecke, so kam es mir vor, fragt dich jemand mit Lächeln im Gesicht, wo du herkommst, was du machst, wie lange du bleibst. Da es wenig Touristen in dem Land gibt, ist die Neugier gegenüber Fremdlingen noch sehr groß.
Dafür ist es aber im (südamerikanischen) Sommer auch unerträglich warm: 45 °C und eine immense Luftfeuchtigkeit. Ab und zu hat es wie aus Eimern gegossen. Das hat allerdings nicht zu einer Erfrischung geführt, eher im Gegenteil: die Luftfeuchtigkeit nahm noch mehr zu.
Die Infrastruktur ist eher schlecht. Im rauen Norden gibt es nur sehr wenige befestigte Straßen. Schotter und Staub sind dort eher die Regel.
Neben Spanisch ist dort auch Guaraní Amtssprache. Auf diese native Sprache mit dem ulkigen Singsang sind die Paraguayer ziemlich stolz.
Im Gegensatz zu Peru und Bolivien haben die Taxis in Paraguay Meter. Also nichts mit Verhandeln.
Das Papierformat ist anders: die Blätter sind länger.


Es gibt keine Straßenverkäufer. Überraschend, wie das das Stadtbild ändert.
Die Inflation sorgt schonmal dafür, dass sich die Buspreise im Vergleich zum vergangenen Jahr mehr als verdoppeln.
Allgemein ist Argentinien ein bisschen weniger chaotisch als Bolivien.
Busse und Straßen sind besser als in den anderen beiden Ländern.
Die Argentinier lieben ihren Mate-Tee: immer und überall haben sie einen Becher mit Trinkröhrchen und eine Thermoskanne mit heißem Wasser dabei. 
Der argentinische Akzent war anfangs ein wenig gewöhnungsbedürftig. Das Doppel-L und das Y sprechen die wie ein "sh" aus. Wenn man das sonst als "j" gewöhnt ist, kann das schon zu kleineren Verständigungsproblemen führen. 


Soweit meine subjektiven Eindrücke einer schönen Reise.

Morgen fahre ich Arthur besuchen. Ich freue mich schon, in die schöne Stadt in den Bergen zurückzukehren. 

Saluditos,
Karo

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Chile1: 01. bis 05. 12 oder Wie Chile und Lettland zusammentrafen

Ich bin wieder zurück in Lima. Es war wundervoll in Chile!

Der Übersichtlichkeit halber habe ich beschlossen, meinen Bericht in drei Teilen zu schreiben.
Beginnen wir also am Anfang. 

Am 1. Dezember bin ich nach Santiago gefahren. Gegen Mitternacht kam ich in der Hauptstadt Chiles an. Ziemlich gerädert wegen des Fluges und müde wegen der Zeitverschiebung (zwei Stunden näher an der mitteleuropäischen Zeit). Bei Verlassen des High-Security-Bereichs des Flughafens kam gleich ein Taxifahrer auf mich zugesprungen. Wir verhandelten noch kurz über den Preis: 12.000 Chilenische Pesos. Etwa 18 Euro. Viel teurer als in Perú. Aber da war ich schon vorgewarnt wurden. Außerdem haben mich meine peruanischen Freunde und Bekannten gern gefragt, was ich denn bitte in Chile wolle. Es gibt nämlich einen kleinen Konflikt zwischen den beiden Ländern, der daher rührt, dass beide Anspruch auf bestimmte Gebiete erheben. Nun, in Chile ging das dann auch andersherum weiter: der (sehr schwatzhafte) taxista fragte mich, ob ich denn einen peruanischen Freund habe. Auf mein Verneinen legte er mir ausführlich dar, dass es auch viel besser wäre einen Chilenen zu nehmen. Ahhh jaaa…

Nun, irgendwann kam ich im Eco Hostal an, wo Annika, die bereits nachmittags aus Argentinien angekommen war, auf mich wartete. Juhuuu! :) Das Hostel ist sehr schön mit zwei Patios und hohen Decken. Allerdings war es ein bisschen übervölkert von Deutschen. Dass die aber auch immer soviel reisen müssen! :)
In den nächsten zwei Tagen haben wir Santiago erkundet. Die Stadt hat einen viel europäischeren Touch als Lima. Unter anderem verläuft der Verkehr einigermaßen geordnet, es gibt kaum Straßenverkäufer und viel mehr Cafés. Wir sind auf Aussichtspunkte gekraxelt, haben die Sonne genossen, sind die Straßen entlanggeschlendert, haben Kaffee und Saft getrunken und sind an dem einen oder anderen Stand mit Ohrringen hängen geblieben … 
Und auf der Plaza de Armas kamen zwei Mädchen auf uns zu: sie hätten da dieses Uniprojekt, ob wir ihnen helfen könnten. Sie würden uns einen Begriff nennen und wir sollten den mithilfe eines Kissens darstellen und sie würden derweil ein Foto machen. Nun, da haben wir doch gern mitgemacht. Der Begriff war Schwiegermutter. Habe ich also so getan, als sei das Kissen eine stereotypische Schwiegermutter und es mit der einen Hand möglichst weit weggehalten und mit der anderen, begleitet von einem skeptischen Blick, ein bisschen zu mir herangezogen. Hahaha. Das eigentlich famose an dieser Begegnung war, dass eines der beiden Mädchen aus Lettland kam und gerade ein Auslandsjahr in Santiago macht (falls nicht schon bekannt: ich hab nach der Schule einen 10-monatigen Freiwilligendienst in dem kleinen baltischen Land gemacht). Hach, da hab ich mich aber gefreut, auch wenn mein Lettisch so eingerostet ist, dass ich nur ein paar Wörter gestammelt habe und wir uns doch auf Spanisch unterhalten haben. :)

Nach diesen zwei Tagen ging es nach Süden. Das Schwierige an Chile ist nämlich, dass es ziemlich lang und dünn ist (wenn man mir diesen geografisch inkorrekten Ausdruck erlaube) und Santiago etwa in der Mitte liegt. Norden oder Süden war also die Frage. Nun, unsere Entscheidung habe ich ja schon erwähnt.
10 Stunden sind wir nach Valdivia mit dem Bus gefahren (tendenziell bequemer als in Perú). Dort angekommen musste ich mich erstmal an die Landschaft gewöhnen. Es sah nämlich ein bisschen so aus wie ich mich an Schweden erinnere. Niedliche Häuschen, ein Fluss und viel üppige grüne Natur. Zwei Tage sind wir geblieben, sind durch die Stadt gelaufen (eine ehemalige deutsche Kolonie), haben Seelöwen im Fluss bewundert, waren in einem Museum für moderne Kunst und sind zu einer Brauerei in der Nähe gefahren. Kunstmann heißt diese und wurde von einem Deutschen gegründet. Es hieß, dass man dort eines der besten Biere Südamerikas bekomme. Also haben wir uns zum Mittag zwei Krüge Bier bestellt, eine Curry-Wurst und en Stück Sacher-Torte. (Keine Sorge, solches Verhalten haben wir nicht immer an den Tag gelegt.) Ein bisschen anders war alles: das Bier ein bisschen wässrig (ich glaub, ich mag das peruanische tendenziell mehr), die Curry-Wurst hatte eine andere Konsistenz und die Sacher-Torte, hm, die war ziemlich lecker. :)

Abschließend damit ließen wir Valdivia hinter und stiegen in einem Bus nach Puerto Montt. Doch davon mehr im nächsten Post.

Ich hoffe ihr habt alle eine schöne Adventszeit, backt fleißig Plätzchen und seid noch nicht genervt vom Weihnachtsgeblinke in den Fenster, Supermärkten und Kaufhäusern.Hier scheint die Sonne ...

Bis ganz bald. Ich denke an euch.
Karo

Mittwoch, 9. November 2011

Exkurs: Öffentliche Verkehrsmittel

Wenn man sich in Lima ohne eigenes Auto bewegen möchte, hat man prinzipiell drei Möglichkeiten: zu Fuß, im Taxi oder im micro. Ersteres bietet sich ja leider nur für kürzere Distanzen an und da Lima ja eine große Stadt ist, bleiben eigentlich nur noch Taxi oder micro.

Taxifahren war anfangs das reine Abenteuer für mich. Mit verhandelbaren Preisen, klemmenden Türen, manchmal recht dubiosen Fahrern und vollgestopft bis zum Kofferraum (das meine ich wörtlich) ist das hier doch eine ganz andere Erfahrung als in Europa. Die paar Male, die ich im letzten Jahr in Deutschland Taxi gefahren bin, kann ich an einer Hand abzählen. Hier greife ich mehrmals die Woche darauf zurück. Es ist aber auch so einfach. Schon wenn man eine Straße entlangläuft, werden sie alle Nase lang langsamer, kurbeln die Scheibe runter und fragen, ob du nicht mitfahren willst. Ansonsten stellt man sich einfach an den Straßenrand, winkt und schwuppdiwupp hält ein Auto. Manche haben ihr Schild auf dem Dach, bei anderen lehnt es innen an der Windschutzscheibe. Dann teilt man sein Fahrtziel mit. Der Fahrer nennt einen Preis (bei Ausländern ist der gern mal ein bisschen höher). Wenn man nicht einverstanden ist, schlägt man einen eigenen vor. Ein bisschen verhandeln, dann ist man sich meist einig. Und wenn nicht: es gibt ja noch genügend andere Taxis.
Die Fahrt an sich kann auch noch einmal zu einem gewaltigen Abenteuer werden. Immerhin neigen taxistas zu einem flotten Fahrstil, der in Kombination mit Schlaglöchern und traffic bumbs mitunter zu einer ganz schönen Schleuderfahrt wird. Je nach Anzahl der Mitfahrer ist es auch nicht immer bequem.
Angemerkt sei an dieser Stelle auch, dass Taxifahren in Lima nicht 100% sicher ist. Mir ist die eine oder andere Geschichte zu Ohren gekommen, in welcher der Taxifahrer am Ende statt des Rückgeldes eine Pistole hervorgeholt hat und die Betroffenen ausgeraubt wurden. Besonders nachts sollte man halt nicht alleine fahren und wenn es sei muss, besser ein sicheres Taxi anrufen. Mir ist bisher nichts passiert und ich hoffe, dass es auch so bleibt.
Zu den Preisen sei noch kurz gesagt, dass die weit unter deutschem Niveau liegen: grob wird ein Sol (etwa 25 Cent) pro Kilometer veranschlagt, wobei das je nach Uhrzeit und Anzahl der Personen noch steigen kann.

Die andere Möglichkeit der Fortbewegung sind micros. So werden die Busse hier genannt.
Entlang der Straße gibt es zwar Haltestellen, allerdings kann man die micros überall anhalten und ebenso überall aussteigen. Fahrpläne gibt es selbstverständlich nicht.
Ein micro sieht normalerweise so aus: ein Kleinbus, der durch bunte Streifen, auf denen die größten Straßen der Route stehen, und eine Nummer identifiziert wird, ein bisschen alt und rostig aussieht. Aus der Tür hängt sich ein/e cobrador/a, der/die die Route anpreist, die Tür nach Bedarf öffnet und schließt und während der Fahrt das Geld einsammelt. Die Sitze sind nicht immer die neusten, kürzlich hab ich einen erwischt, bei dem die Füllung schon herauskam. Oft sind die micros gestopft voll, sodass ich schon manchmal fast nicht mehr rechtzeitig rausgekommen bin.
Teuer kann man eine Fahrt im micro wirklich nicht nennen. Der Preis hängt von der Strecke ab, wobei es nur in Ansätzen ein System für dessen Berechnung gibt. Zur Uni bezahle ich jedenfalls 50 Centimos, weil ich da nur eine Straße entlang muss. Meine teuerste Fahrt hat einen Sol und 50 Centimos gekostet und da bin ich eine ganze Ewigkeit durch die Gegend gegondelt.
Den besten Eindruck bekommt ihr vielleicht, wenn ich die eine oder andere Begebenheit erzähle.
  • Ich steige mit einer Umhängetasche voller Einkäufe und einer Tüte in der Hand in ein micro, dass schon ziemlich gestopft ist. Ich stelle mich in den vorderen Teil und halte mich oben an der Haltestange fest. Der Fahrer fährt los - um gleich darauf wieder blitzartig zu bremsen. Verstärkt durch meine schwere Tasche rutsche ich, nein ich fliege eher, Richtung Windschutzscheibe. Sämtliche stehenden Passagiere scheinen einen Meter weiter vorn zu stehen. Zum Glück sind die Fahrgäste solches Verhalten ja gewöhnt und niemand ist quer durchs micro geflogen. Kurz durchatmen und weiter geht die Fahrt.  
  • Ein anderes Mal war ich etwas spät dran. Deswegen nahm ich das erstbeste micro, das kam, auch wenn das schon proppevoll war. Das führte dazu, dass ich auf der Türstufe stand und nur nicht rausfiel, weil hinter mir noch der cobrador war, der sich an den Haltegriffen an der Tür festhaltend diese ersetzte.
  • Desöfteren passiert es auch, dass Leute im micro Süßigkeiten, Stifte zum Testen der Echtheit von Geldscheinen oder Schmuck verkaufen, Lieder singen oder von den Schwierigkeiten in ihrem Leben erzählen und die Fahrgäste danach um Geld bitten. 
  • Die Fahrgäste regen sich gerne lautstark über die Fahrkünste des Fahrers auf. 
Dieser Bericht gibt natürlich nicht mal annähernd wieder, wie sich das anfühlt. Dazu muss man das selbst erleben. :)

      Donnerstag, 1. September 2011

      Ich kann Taxi fahren!

      Buenas noches,


      manchmal bereue ich es schon sehr, dass ich keine digitale Kamera dabei habe. Nun, vielleicht kaufe ich mir doch noch eine auf einem der vielen Märkte hier - oder ich beeil mich mal, meinen Film vollzuknipsen.

      Denn Montagnacht hätte ich zu gern ein Bild gemacht.
      Weil Dienstag in Peru Feiertag (der der heiligen Rosa) war, waren wir abends feiern. Auf dem Heimweg liefen wir die Straße entlang auf der Suche nach einem Taxi. Und plötzlich öffnet sich neben uns eine Hauswand und eine Frau fragt, ob wir was essen möchten. Natürlich hat sich nicht wirklich die Wand geöffnet, sondern nur ein kleines Türchen darin. Ich hatte nicht so wirklich Hunger, unsere peruanischen Freunde dafür umso mehr, also hinein in das Stübchen. Und was für eins! Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt, so sehr hatte ich das Gefühl an einem Drehort für einen lateinamerikanischen Klischeefilm gelandet zu sein: Wir betraten einen kleinen Raum, an den sich ein noch kleinerer anschloss. Links neben der Tür befand sich ein Grill auf dem Anticuchos (Rinderherzen; ich kann aus Erfahrung sagen, dass sie gut schmecken) gegrillt wurden. Ein schwarzer Rußstreifen zog sich die Decke hinauf. Rechts war ein kleiner Bereich abgegrenzt, hinter dem sich Berge (und das mein ich auch wirklich so!) aus Fleisch, Salat und Brötchen stapelten. Pommes frites wurden in großen Boxen gelagert. Dort wuselten ein Mann und drei Frauen herum, belegten Sandwiches, frittierten Kartoffeln und schrien durch den Raum. In dem gab es mehrere kleine Tischchen, an denen vor allem Männer saßen, die  mir eben dieses Gefühl gaben, in einem Film gelandet zu sein. Bierflaschen standen vor ihnen auf dem Tisch und man sah ihnen die späte Stunde deutlich an. An der Wand hing ein riesiger fleckiger Spiegel und die Luft war fett-, geschrei- und alkoholgeschwängert. Hach, irgendwie hab ich mich verdammt gut gefühlt! Dazu noch ein leckeres Sandwich für 4 Soles (etwas mehr als 1 Euro) und ich war trotz meiner Müdigkeit glücklich!

      Nach einer nicht allzu langen Nacht hab ich mich Dienstagmorgen mit Caro (meiner Compañera) und einer Freundin von ihr, Alejandra, getroffen. Zusammen sind wir nach La Punta gefahren zum Frühstücken. Wir haben Chicharron gegessen, was ungefähr mein deftigste Frühstück seit langer, langer Zeit war. Dabei handelt es sich um frittiertes Schweinefleisch, das als eine Art Sandwich serviert wurde. Lecker war es dennoch. Als Sahnehäubchen gab es dann noch einen unglaublich süßen Dessert, dessen Namen ich leider vergessen habe. Auf jeden Fall war ich anschließend ziemlich satt.
      Gut nur, dass gleich darauf Real Felipe auf dem Plan stand. Das ist eine massive Festung in Callao (eine Stadt, die quasi direkt mit Lima verbunden ist, sodass ein Unterschied optisch nicht vorhanden ist), die als Verteidigung gegen Piratenangriffe gebaut wurde. Ziemlich beeindruckend, besonders die dunklen Kellerräume, in denen die Wände immer näher kamen ...
      Die Mädels (derweil hatte sich noch eine dritte dazugesellt) brachten mir auf der Führung ein paar Schimpfwörter bei, die mir das Überleben sichern sollen und die ich hier nicht nennen werde. Besonderen Ehrgeiz zeigte dabei Alejandra. Alejandra und ich sind außerdem extreme friends. Innerhalb kürzester Zeit haben wir nämlich beschlossen, zusammen Bungeejumping und Paragliding zu machen. Sie scheint einen Hang zum Abenteuer zu haben, die Gute. Ach und außerdem will sie mir Salsa beibringen! Welch ein Glück!

      Heute, also Mittwoch, ist mir auch ganz Großartiges gelungen!
      Das hätte ich gar nicht erwartet, nachdem ich heute morgen fast meinen Spanischunterricht verschlafen hätte, losgehetzt bin, an der Bushaltestelle erfahre, dass Patti verschlafen hat, im Bus nach Miraflores (wo das Spracheninstitut ist) fast einschlafen, dort mit Zsara feststelle, dass unsere Lehrerin noch nicht da ist, wir einen Kaffee trinken gehen, Patti inzwischen kommt und uns, als nach einer halben Stunde Warten noch immer niemand da ist, gesagt wird, dass der Unterricht leider ausfallen müsse, weil unsere profesora Probleme hätte. Oh je. Dafür also der ganze Stress?
      Später haben wir allerdings erfahren, dass sie einen Unfall hatte und im Krankenhaus war. Es geht ihr aber doch so gut, dass wir am Freitag wieder Unterricht haben. Welch ein Glück!
      Nachmittags (den überraschend freien Vormittag verbrachten wir bei Zsara, wo wir unter anderen How I Met Your Mother auf Spanisch geschaut habe) hab ich zum ersten Mal die Bibliothek hier genutzt habe um in letzter Sekunde noch einen Text für den Cine-Kurs zu lesen. Dazu setzte ich mich in einen Raum, der voller winzig kleiner Holztischchen mit wahlkabinenähnlichen Verkleidungen war. Ein bisschen ungewohnt; da lobe ich mir doch die ausladenden Tische in  der Ilmenauer Bibo.
      Am Abend wollten wir uns mit einem Peruaner im Parque de la Reserva treffen, einen Park voller Fontänen. Mit dem Bus hätte das nach Auskunft eines konsultierten peruanischen Wachmanns eine Ewigkeit gedauert, also entschieden wir uns für Taxifahren. Schnell fragten wir den freundlichen Herren noch, wie viel das ungefähr kostet und auf! An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich bisher noch nie ohne Peruaner gefahren bin und bisher ein bisschen Respekt davor hatte, weil man ja vor der Fahrt über den Preis verhandelt und es einen menge Gruselgeschichten über diese Art des Fortbewegens gibt. Aber ich fasste mir ein Herz und fragte den Fahrer eines relativ stabil aussehenden Taxis. Er nannte auch direkt den Preis, der uns vorher gesagt wurde. Also hüpften wir rein und ich freute mich unglaublich, dass so einfach ging!
      Der Anblick der Fontänen war wunderschön! In einer ausgeklügelten Animation von Licht und Wasserstrahlen, untermalt von klassischer Musik, war die Atmosphäre schon fast ein bisschen kitschig. Aber nicht so sehr, dass ich es nicht trotzdem sehr schön gefunden hätte und die 4 Soles Eintritt gern bezahlt habe. Nass geworden sind Zsara und ich auch ein bisschen, weil wir nicht warten konnten, bis alle Wasserstrahler still standen, bevor wir in die Mitte einer der Konstruktionen hüpften. Nun muss ich wohl nochmal in einem warmen Monat hingehen, wenn ich nicht anschließend wegen meiner nassen Füße friere. 

      Auf bald,
      Karo

      Freitag, 12. August 2011

      Wirkliches Abenteuer #1

      Wenn ich bisher von Abenteuern geredet hab, war das, was ich gestern erlebt hab, nichts, aber auch gar nichts dagegen!


      Aber eins nach dem anderen.


      Abends sind wir (wie angekündigt) ein bisschen in das Nachtleben von Lima eingetaucht. Lucia hat mich abgeholt, dann wurden noch Caro und Patricia eingesammelt und ab ging es nach Miraflores! Miraflores ist hier das Touristen- und wahrscheinlich mit am sicherste Viertel. Dort wohnt Sarah, auch aus Ilmenau. Zusammen sind wir dann in einen Club nach Barranco gefahren; dieses Viertel ist nach allem, was ich bisher gehört hab, das, in welches man zum Feiern geht.
      Ich wurde dazu verdonnert Pisco Sour zu trinken: da ist unter anderem Pisco drin, ein nach dem gleichnamigen peruanischen Städtchen benannter Traubenschnaps. Hat eigentlich ziemlich gut geschmeckt.
      Zwischen drei und vier wollten wir und dann auf den Heimweg begeben. 


      Und hier fängt das Abenteuer wirklich an.


      In besagtem Club waren auch zwei der Mädels aus der Casa Rio Grande, weswegen wir beschlossen zusammen mit zweien ihrer Freunde, die auf dem Weg wohnen, ein Taxi zu nehmen. Sehr bewandert im Spanischen (einer ist ist auch Peruaner) fingen sie an, mit den Taxis zu verhandeln. Und davon gab es ungefähr Hunderte auf der Straße vor dem Club, ach was sag ich: Fünfhunderte, die hupend dastanden und nach Gästen lechzten! Die ersten lehnten sie ab, weil es ihnen zu teuer war. Ich war schwer beeindruckt von ihrem Verhandlungsgeschick, denn letztendlich hat die Fahrt von 20 Minuten 23 Soles (etwa 6 Euro) gekostet.
      Nun waren wir aber zu fünft... Kein Problem: ich hab mich einfach auf den Schoß der einen gesetzt und los ging es über Stock und Stein! Und das in einer Geschwindigkeit, ach du meine Güte! Vor den in Lima ziemlich weit verbreiteten Bodenwellen-zum-Geschwindigkeit-stoppen hat der Fahrer dann meist sehr unverhofft gebremst. Und zur Untermalung lief lauuute Musik und die anderen haben zudem lautstark auf Spanisch geschnattert! Ich kann mit guten Gewissen sagen, dass das die verrückteste Taxifahrt war, die ich je erlebt hab. Aber irgendetwas sagt mir, dass ich solche Fahrten schon bald völlig in Ordnung finden werde... :)


      Gleich treffe ich mich mit meiner Compañero und wir gehen in den Zoo. Ich war schon seit Jahren in keinem Zoo mehr. Wir werden sehen, wie es wird.


      Bis bald,


      Karo