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Mittwoch, 21. Dezember 2011

Chile3: 09. bis 13.12 oder Wie wir verbrannten und ich mich verliebte

Pucón hieß also das Ziel. Púcon ist und lebt Tourismus. Hotels, Restaurants, Tourismusagenturen, Hostels, Cafés. Und das alles nur wegen so einem komischen Vulkan, auf den alle klettern wollen. 
Nachdem wir erfahren haben, dass eine Tour mit 5-stündigem Auf- und 2-stündigem Abstieg 60 Euro koste, haben wir uns dann doch ein Alternativ-Programm überlegt: 
Freitagabend setzten wir uns in eine Bar am Strand (denn auch in Pucón gibt es einen See, Lago Villarrica heißt er), tranken ein Bier, genossen den Sonnenuntergang und schlossen uns später im Hostel der Grillgesellschaft an. 
Den Samstag verbrachten wir gemütlich in heißen Quellen. Die befinden sich in der Nähe von Pucón  und die Anlage ist sehr schön und natürlich gestaltet. Trotz der Tatsache, dass dort hauptsächlich deutsche Paare anzutreffen waren, war es sehr angenehm und entspannend, den Großteil des Nachmittags in den warmen Becken zu verbringen.  Den Abend verbrachten wir mit Teilen der Hostel-Crew und Pablo, einem Spanier, damit uns durch das chilenische Fernsehprogramm zu zappen. Dabei stellten wir fest, dass Pablo am nächsten Tag denselben Bus wie wir nach Santiago hatte. Welch Zufall!
Unseren letzten Tag in Pucón verbrachten wir am Strand sitzend, schnackend und die Gegend erkundend. Dabei wurde uns nicht nur der Konsum von Marihuana angeboten, nein, wir holten uns auch einen Sonnenbrand im Gesicht. Oh je, oh je.

Des Abends verabschiedeten wir uns also von Pucón und fuhren 10 Stunden zurück nach Santiago. Ein Genuss war das nicht, aber wir sind trotzdem wohlbehalten angekommen. 
Nachdem wir im selben Hostel eingecheckt hatten, zogen wir zusammen mit Pablo weiter nach Valparaíso. Der Name klingt schon wunderbar. Valparaíso. Die Stadt liegt am Meer, etwa 120 Kilometer von Santiago entfernt. Wegen des Hafens riecht es furchtbar, an vielen Stellen ist es ziemlich dreckig und die viele der Gebäude im Kolonial-Stil sind ziemlich heruntergekommen. Und dennoch hab ich mich ziemlich verliebt: die Atmosphäre in Valparaíso ist einfach großartig. Überall an den Wänden und Mauern gibt es Zeichnungen und schöne Graffiti. Wenn nach auf einen der vielen Hügel klettert, hat man einen wundervollen Blick auf das Meer und die bunte Stadt. Die Gassen auf diesen Hügel schlängeln und schmiegen sich, dass es eine Freude ist. Und auch wenn die Gebäude manchmal eine Restauration dringend notwendig hätten, haben sie mir sehr gefallen in ihrer erhabenen Schäbigkeit. Valparaíso hat mich so beeindruckt, dass ich gern eine Metapher anbringen möchte: die Stadt ist wie eine alte Dame, die im Laufe ihres Lebens ihre Reichtümer und Insignien verloren hat, sich aber dennoch tagtäglich mit Bedacht ihre wenigen, wenn auch alten, herrschaftlichen Kleider anzieht, den geretteten Familienschmuck trägt und sich eine aufrechte Haltung bewahrt hat.
Direkt nebenan befindet sich Viña del Mar. Die Stadt ist ganz anders. Viel schicker, viel posher. Oh, da ziehe ich Valparaíso klar vor. Allerdings kommt man nur in Viña an den Strand, da in Valpo dieser durch den Hafen unbegehbar ist. Bei dem Versuch mir gelassen mit den Füßen im Wasser zu stehen, bin ich übrigens bauchnabelabwärts nass geworden. Mit einer solchen Riesenwelle hatte ich einfach nicht gerechnet…

Der nächste Tag war auch schon mein letzter…
Vormittags hab ich mich mit Jasmin, meiner österreichischen Mitbewohnerin, getroffen. Sie ist nämlich einen Tag vorher nach Santiago geflogen und so war es unsere letzte Chance, uns in Südamerika zu sehen. Das ist natürlich ein bisschen traurig, aber andererseits sind Österreich und Deutschland nun keine Welten von einander entfernt. :) Auf jeden Fall hatten wir ein paar schöne Stunden bei Saft und mindestens 30 Grad.
Nachmittags kam dann Nene vorbei und wir sind mit Annika und Pablo was essen gegangen. Nene war ein Jahr in meiner Schule, als ich 16, 17 war. Lang, lang ist es her. Ach, es war megatoll, sie wiederzusehen nach fünf Jahren. Nur leider viel zu kurz. Deswegen überlege ich auch, im nächsten halben Jahr nochmal nach Chile zu fliegen, wenn es sich einrichten lässt. Dann um Nene zu besuchen.
Abends ging mein Flieger. Nene und spontan auch Pablo haben mich zum Flughafen bebracht.

Es war ein wundervoller Urlaub in einem sehr schönen Land mit einer sehr tollen Reisebegleiterin. :) Fast wollte ich nicht zurück.

Aber nun bin ich auch froh, wieder in Perú zu sein. :)

Alles Liebe,
Karo

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Chile1: 01. bis 05. 12 oder Wie Chile und Lettland zusammentrafen

Ich bin wieder zurück in Lima. Es war wundervoll in Chile!

Der Übersichtlichkeit halber habe ich beschlossen, meinen Bericht in drei Teilen zu schreiben.
Beginnen wir also am Anfang. 

Am 1. Dezember bin ich nach Santiago gefahren. Gegen Mitternacht kam ich in der Hauptstadt Chiles an. Ziemlich gerädert wegen des Fluges und müde wegen der Zeitverschiebung (zwei Stunden näher an der mitteleuropäischen Zeit). Bei Verlassen des High-Security-Bereichs des Flughafens kam gleich ein Taxifahrer auf mich zugesprungen. Wir verhandelten noch kurz über den Preis: 12.000 Chilenische Pesos. Etwa 18 Euro. Viel teurer als in Perú. Aber da war ich schon vorgewarnt wurden. Außerdem haben mich meine peruanischen Freunde und Bekannten gern gefragt, was ich denn bitte in Chile wolle. Es gibt nämlich einen kleinen Konflikt zwischen den beiden Ländern, der daher rührt, dass beide Anspruch auf bestimmte Gebiete erheben. Nun, in Chile ging das dann auch andersherum weiter: der (sehr schwatzhafte) taxista fragte mich, ob ich denn einen peruanischen Freund habe. Auf mein Verneinen legte er mir ausführlich dar, dass es auch viel besser wäre einen Chilenen zu nehmen. Ahhh jaaa…

Nun, irgendwann kam ich im Eco Hostal an, wo Annika, die bereits nachmittags aus Argentinien angekommen war, auf mich wartete. Juhuuu! :) Das Hostel ist sehr schön mit zwei Patios und hohen Decken. Allerdings war es ein bisschen übervölkert von Deutschen. Dass die aber auch immer soviel reisen müssen! :)
In den nächsten zwei Tagen haben wir Santiago erkundet. Die Stadt hat einen viel europäischeren Touch als Lima. Unter anderem verläuft der Verkehr einigermaßen geordnet, es gibt kaum Straßenverkäufer und viel mehr Cafés. Wir sind auf Aussichtspunkte gekraxelt, haben die Sonne genossen, sind die Straßen entlanggeschlendert, haben Kaffee und Saft getrunken und sind an dem einen oder anderen Stand mit Ohrringen hängen geblieben … 
Und auf der Plaza de Armas kamen zwei Mädchen auf uns zu: sie hätten da dieses Uniprojekt, ob wir ihnen helfen könnten. Sie würden uns einen Begriff nennen und wir sollten den mithilfe eines Kissens darstellen und sie würden derweil ein Foto machen. Nun, da haben wir doch gern mitgemacht. Der Begriff war Schwiegermutter. Habe ich also so getan, als sei das Kissen eine stereotypische Schwiegermutter und es mit der einen Hand möglichst weit weggehalten und mit der anderen, begleitet von einem skeptischen Blick, ein bisschen zu mir herangezogen. Hahaha. Das eigentlich famose an dieser Begegnung war, dass eines der beiden Mädchen aus Lettland kam und gerade ein Auslandsjahr in Santiago macht (falls nicht schon bekannt: ich hab nach der Schule einen 10-monatigen Freiwilligendienst in dem kleinen baltischen Land gemacht). Hach, da hab ich mich aber gefreut, auch wenn mein Lettisch so eingerostet ist, dass ich nur ein paar Wörter gestammelt habe und wir uns doch auf Spanisch unterhalten haben. :)

Nach diesen zwei Tagen ging es nach Süden. Das Schwierige an Chile ist nämlich, dass es ziemlich lang und dünn ist (wenn man mir diesen geografisch inkorrekten Ausdruck erlaube) und Santiago etwa in der Mitte liegt. Norden oder Süden war also die Frage. Nun, unsere Entscheidung habe ich ja schon erwähnt.
10 Stunden sind wir nach Valdivia mit dem Bus gefahren (tendenziell bequemer als in Perú). Dort angekommen musste ich mich erstmal an die Landschaft gewöhnen. Es sah nämlich ein bisschen so aus wie ich mich an Schweden erinnere. Niedliche Häuschen, ein Fluss und viel üppige grüne Natur. Zwei Tage sind wir geblieben, sind durch die Stadt gelaufen (eine ehemalige deutsche Kolonie), haben Seelöwen im Fluss bewundert, waren in einem Museum für moderne Kunst und sind zu einer Brauerei in der Nähe gefahren. Kunstmann heißt diese und wurde von einem Deutschen gegründet. Es hieß, dass man dort eines der besten Biere Südamerikas bekomme. Also haben wir uns zum Mittag zwei Krüge Bier bestellt, eine Curry-Wurst und en Stück Sacher-Torte. (Keine Sorge, solches Verhalten haben wir nicht immer an den Tag gelegt.) Ein bisschen anders war alles: das Bier ein bisschen wässrig (ich glaub, ich mag das peruanische tendenziell mehr), die Curry-Wurst hatte eine andere Konsistenz und die Sacher-Torte, hm, die war ziemlich lecker. :)

Abschließend damit ließen wir Valdivia hinter und stiegen in einem Bus nach Puerto Montt. Doch davon mehr im nächsten Post.

Ich hoffe ihr habt alle eine schöne Adventszeit, backt fleißig Plätzchen und seid noch nicht genervt vom Weihnachtsgeblinke in den Fenster, Supermärkten und Kaufhäusern.Hier scheint die Sonne ...

Bis ganz bald. Ich denke an euch.
Karo