Pucón hieß also das Ziel. Púcon ist und lebt Tourismus. Hotels, Restaurants, Tourismusagenturen, Hostels, Cafés. Und das alles nur wegen so einem komischen Vulkan, auf den alle klettern wollen.
Nachdem wir erfahren haben, dass eine Tour mit 5-stündigem Auf- und 2-stündigem Abstieg 60 Euro koste, haben wir uns dann doch ein Alternativ-Programm überlegt:
Freitagabend setzten wir uns in eine Bar am Strand (denn auch in Pucón gibt es einen See, Lago Villarrica heißt er), tranken ein Bier, genossen den Sonnenuntergang und schlossen uns später im Hostel der Grillgesellschaft an.
Den Samstag verbrachten wir gemütlich in heißen Quellen. Die befinden sich in der Nähe von Pucón und die Anlage ist sehr schön und natürlich gestaltet. Trotz der Tatsache, dass dort hauptsächlich deutsche Paare anzutreffen waren, war es sehr angenehm und entspannend, den Großteil des Nachmittags in den warmen Becken zu verbringen. Den Abend verbrachten wir mit Teilen der Hostel-Crew und Pablo, einem Spanier, damit uns durch das chilenische Fernsehprogramm zu zappen. Dabei stellten wir fest, dass Pablo am nächsten Tag denselben Bus wie wir nach Santiago hatte. Welch Zufall!
Unseren letzten Tag in Pucón verbrachten wir am Strand sitzend, schnackend und die Gegend erkundend. Dabei wurde uns nicht nur der Konsum von Marihuana angeboten, nein, wir holten uns auch einen Sonnenbrand im Gesicht. Oh je, oh je.
Des Abends verabschiedeten wir uns also von Pucón und fuhren 10 Stunden zurück nach Santiago. Ein Genuss war das nicht, aber wir sind trotzdem wohlbehalten angekommen.
Nachdem wir im selben Hostel eingecheckt hatten, zogen wir zusammen mit Pablo weiter nach Valparaíso. Der Name klingt schon wunderbar. Valparaíso. Die Stadt liegt am Meer, etwa 120 Kilometer von Santiago entfernt. Wegen des Hafens riecht es furchtbar, an vielen Stellen ist es ziemlich dreckig und die viele der Gebäude im Kolonial-Stil sind ziemlich heruntergekommen. Und dennoch hab ich mich ziemlich verliebt: die Atmosphäre in Valparaíso ist einfach großartig. Überall an den Wänden und Mauern gibt es Zeichnungen und schöne Graffiti. Wenn nach auf einen der vielen Hügel klettert, hat man einen wundervollen Blick auf das Meer und die bunte Stadt. Die Gassen auf diesen Hügel schlängeln und schmiegen sich, dass es eine Freude ist. Und auch wenn die Gebäude manchmal eine Restauration dringend notwendig hätten, haben sie mir sehr gefallen in ihrer erhabenen Schäbigkeit. Valparaíso hat mich so beeindruckt, dass ich gern eine Metapher anbringen möchte: die Stadt ist wie eine alte Dame, die im Laufe ihres Lebens ihre Reichtümer und Insignien verloren hat, sich aber dennoch tagtäglich mit Bedacht ihre wenigen, wenn auch alten, herrschaftlichen Kleider anzieht, den geretteten Familienschmuck trägt und sich eine aufrechte Haltung bewahrt hat.
Direkt nebenan befindet sich Viña del Mar. Die Stadt ist ganz anders. Viel schicker, viel posher. Oh, da ziehe ich Valparaíso klar vor. Allerdings kommt man nur in Viña an den Strand, da in Valpo dieser durch den Hafen unbegehbar ist. Bei dem Versuch mir gelassen mit den Füßen im Wasser zu stehen, bin ich übrigens bauchnabelabwärts nass geworden. Mit einer solchen Riesenwelle hatte ich einfach nicht gerechnet…
Der nächste Tag war auch schon mein letzter…
Vormittags hab ich mich mit Jasmin, meiner österreichischen Mitbewohnerin, getroffen. Sie ist nämlich einen Tag vorher nach Santiago geflogen und so war es unsere letzte Chance, uns in Südamerika zu sehen. Das ist natürlich ein bisschen traurig, aber andererseits sind Österreich und Deutschland nun keine Welten von einander entfernt. :) Auf jeden Fall hatten wir ein paar schöne Stunden bei Saft und mindestens 30 Grad.
Nachmittags kam dann Nene vorbei und wir sind mit Annika und Pablo was essen gegangen. Nene war ein Jahr in meiner Schule, als ich 16, 17 war. Lang, lang ist es her. Ach, es war megatoll, sie wiederzusehen nach fünf Jahren. Nur leider viel zu kurz. Deswegen überlege ich auch, im nächsten halben Jahr nochmal nach Chile zu fliegen, wenn es sich einrichten lässt. Dann um Nene zu besuchen.
Abends ging mein Flieger. Nene und spontan auch Pablo haben mich zum Flughafen bebracht.
Es war ein wundervoller Urlaub in einem sehr schönen Land mit einer sehr tollen Reisebegleiterin. :) Fast wollte ich nicht zurück.
Aber nun bin ich auch froh, wieder in Perú zu sein. :)
Alles Liebe,
Karo