Wenn man sich in Lima ohne eigenes Auto bewegen möchte, hat man prinzipiell drei Möglichkeiten: zu Fuß, im Taxi oder im micro. Ersteres bietet sich ja leider nur für kürzere Distanzen an und da Lima ja eine große Stadt ist, bleiben eigentlich nur noch Taxi oder micro.
Taxifahren war anfangs das reine Abenteuer für mich. Mit verhandelbaren Preisen, klemmenden Türen, manchmal recht dubiosen Fahrern und vollgestopft bis zum Kofferraum (das meine ich wörtlich) ist das hier doch eine ganz andere Erfahrung als in Europa. Die paar Male, die ich im letzten Jahr in Deutschland Taxi gefahren bin, kann ich an einer Hand abzählen. Hier greife ich mehrmals die Woche darauf zurück. Es ist aber auch so einfach. Schon wenn man eine Straße entlangläuft, werden sie alle Nase lang langsamer, kurbeln die Scheibe runter und fragen, ob du nicht mitfahren willst. Ansonsten stellt man sich einfach an den Straßenrand, winkt und schwuppdiwupp hält ein Auto. Manche haben ihr Schild auf dem Dach, bei anderen lehnt es innen an der Windschutzscheibe. Dann teilt man sein Fahrtziel mit. Der Fahrer nennt einen Preis (bei Ausländern ist der gern mal ein bisschen höher). Wenn man nicht einverstanden ist, schlägt man einen eigenen vor. Ein bisschen verhandeln, dann ist man sich meist einig. Und wenn nicht: es gibt ja noch genügend andere Taxis.
Die Fahrt an sich kann auch noch einmal zu einem gewaltigen Abenteuer werden. Immerhin neigen taxistas zu einem flotten Fahrstil, der in Kombination mit Schlaglöchern und traffic bumbs mitunter zu einer ganz schönen Schleuderfahrt wird. Je nach Anzahl der Mitfahrer ist es auch nicht immer bequem.
Angemerkt sei an dieser Stelle auch, dass Taxifahren in Lima nicht 100% sicher ist. Mir ist die eine oder andere Geschichte zu Ohren gekommen, in welcher der Taxifahrer am Ende statt des Rückgeldes eine Pistole hervorgeholt hat und die Betroffenen ausgeraubt wurden. Besonders nachts sollte man halt nicht alleine fahren und wenn es sei muss, besser ein sicheres Taxi anrufen. Mir ist bisher nichts passiert und ich hoffe, dass es auch so bleibt.
Zu den Preisen sei noch kurz gesagt, dass die weit unter deutschem Niveau liegen: grob wird ein Sol (etwa 25 Cent) pro Kilometer veranschlagt, wobei das je nach Uhrzeit und Anzahl der Personen noch steigen kann.
Die andere Möglichkeit der Fortbewegung sind micros. So werden die Busse hier genannt.
Entlang der Straße gibt es zwar Haltestellen, allerdings kann man die micros überall anhalten und ebenso überall aussteigen. Fahrpläne gibt es selbstverständlich nicht.
Ein micro sieht normalerweise so aus: ein Kleinbus, der durch bunte Streifen, auf denen die größten Straßen der Route stehen, und eine Nummer identifiziert wird, ein bisschen alt und rostig aussieht. Aus der Tür hängt sich ein/e cobrador/a, der/die die Route anpreist, die Tür nach Bedarf öffnet und schließt und während der Fahrt das Geld einsammelt. Die Sitze sind nicht immer die neusten, kürzlich hab ich einen erwischt, bei dem die Füllung schon herauskam. Oft sind die micros gestopft voll, sodass ich schon manchmal fast nicht mehr rechtzeitig rausgekommen bin.
Teuer kann man eine Fahrt im micro wirklich nicht nennen. Der Preis hängt von der Strecke ab, wobei es nur in Ansätzen ein System für dessen Berechnung gibt. Zur Uni bezahle ich jedenfalls 50 Centimos, weil ich da nur eine Straße entlang muss. Meine teuerste Fahrt hat einen Sol und 50 Centimos gekostet und da bin ich eine ganze Ewigkeit durch die Gegend gegondelt.
Den besten Eindruck bekommt ihr vielleicht, wenn ich die eine oder andere Begebenheit erzähle.
- Ich steige mit einer Umhängetasche voller Einkäufe und einer Tüte in der Hand in ein micro, dass schon ziemlich gestopft ist. Ich stelle mich in den vorderen Teil und halte mich oben an der Haltestange fest. Der Fahrer fährt los - um gleich darauf wieder blitzartig zu bremsen. Verstärkt durch meine schwere Tasche rutsche ich, nein ich fliege eher, Richtung Windschutzscheibe. Sämtliche stehenden Passagiere scheinen einen Meter weiter vorn zu stehen. Zum Glück sind die Fahrgäste solches Verhalten ja gewöhnt und niemand ist quer durchs micro geflogen. Kurz durchatmen und weiter geht die Fahrt.
- Ein anderes Mal war ich etwas spät dran. Deswegen nahm ich das erstbeste micro, das kam, auch wenn das schon proppevoll war. Das führte dazu, dass ich auf der Türstufe stand und nur nicht rausfiel, weil hinter mir noch der cobrador war, der sich an den Haltegriffen an der Tür festhaltend diese ersetzte.
- Desöfteren passiert es auch, dass Leute im micro Süßigkeiten, Stifte zum Testen der Echtheit von Geldscheinen oder Schmuck verkaufen, Lieder singen oder von den Schwierigkeiten in ihrem Leben erzählen und die Fahrgäste danach um Geld bitten.
- Die Fahrgäste regen sich gerne lautstark über die Fahrkünste des Fahrers auf.