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Freitag, 18. Mai 2012

In schönster Umgebung forschen


Buenos días!

Zwar hab ich in meiner universitären Laufbahn schon ein paar Interviews und Inhaltsanalysen durchgeführt, aber noch nie ein ganzes Forschungsprojekt realisiert. Mein wunderbarer, wenn auch anstrengender, Kurs diagnóstico hat mir diese Möglichkeit eröffnet.

Letzten Dienstag bin ich mit zwei chicas meiner Gruppe nach Huaraz gefahren; die anderen drei folgten am nächsten Tag. Am Mittwochmorgen kamen wir an und fuhren mit einem colectivo nach Maracará, ein kleines Dörfchen, eingebettet zwischen der Cordillera Negra und der Cordillera Blanca. Dort befindet sich die NGO Urpichallay. Sie hat verschiedene Projekte, u.a.  ein regionales Radio, das viel mit den comunidades, in denen die Menschen überwiegend Subsistenzwirtschaft betreiben, interagiert, und in ein paar Monaten eröffnet sie eine Schule für Kellner und Köche.  
Und eben diese Schule steht im Zentrum unserer Untersuchung. Hauptuntersuchungspunkt ist dabei alles, was mit Kommunikation in Zusammenhang steht: die interne Kommunikation im Projekt und nach außen mit den relevanten Akteuren, die Identifikation dieser Akteure und ihrer Bedürfnisse, die Medienberichterstattung in der der Region. 

In drei Tagen haben wir Beobachtungen in der NGO und auf öffentlichen Plätzen durchgeführt; Umfragebögen in der örtlichen Schule verteilt; die Jugendlichen, die an der Schule für Kellner interessiert sind, und ihre Eltern interviewt; die Besitzer von Restaurants und Vertreter der regionalen Behörde befragt; die schriftliche Presse analysiert; die Mitglieder der NGO befragt und deren Antworten mit Video aufgenommen um eine kleine Doku daraus zu machen; das Radioprogramm untersucht.

Am vierten Tag sind wir zu einer Laguna gefahren und haben ein Dörfchen besucht, das 1970 Opfer eines schweren Erdbebens wurde, welches eine Steinlawine auslöste, die den Großteil dem Erdboden gleich gemacht hat. (Kleine Anekdote hier am Rande: es wurde tatsächlich DVDs mit Originalaufnahmen des Erbebens verkauft … skurril!)
Das war ein sehr schöner Abschluss dieser schönen Tage.

Zum ersten Mal wollte ich am Ende einer Reise nicht nach Lima zurück. Ich hab mich einfach so wohl gefühlt. Verstärkt wurde das zudem durch unsere super urige hospedaje in einem alten herrschaftlichen Haus mit wunderschönem Garten.

Aber nun bin ich doch ganz froh, wieder hier zu sein. Wie immer.
Jetzt müssen wir anfangen, alles auszuwerten und daraus eine Kommunikationsstratgie zu entwickeln. Da kommt also noch eine Menge auf uns zu. :)

Lasst es euch gut gehen auf der anderen Seite des Atlantiks!

Un beso
Karo


Samstag, 14. April 2012

Ayacucho - Ostern der Gegensätze

Hallihallo,

seitdem ich in Peru angekommen bin, hörte ich immer wieder "Zu Ostern muss man nach Ayacucho fahren". Zwar waren uns die Bustickets anfangs zu teuer, aber nachdem wir herausfanden, dass ALLE Fahrtpreise über Ostern in die Höhe schießen, dachten wir uns: wenn schon, denn schon!

Und was ist nun an Ostern in Ayacucho, dem kleinen Städtchen in den Bergen, so interessant?
Ich werde mich an einer kleinen Zusammenfassung versuchen.

Wegen der Berühmtheit fährt halb Peru über Ostern dorthin, die Stadt ist also voller voller Menschen. So voll, dass Schalfplatz knapp und teuer ist und Freunde von mir in einer Schule genächtigt haben.
Über die Ostertage finden viele viele Prozessionen statt. Freitagabend beispielsweise wurde eine Jesusfigur im Glassrag und eine Marienstatue durch die Stadt getragen (ich kann mir leider an dieser Stelle den Schneewittchenvergleich nicht verkneifen). Und Sonntagmorgen um fünf verlässt ein riesiges Schiff (so nenne ich es mangels eines besseren Begriffes) voller Kerzen, getragen von vielen vielen Männern, die Kathedrale. Auf der Spitze des Schiffes ragt symbolisch eine Jesusfigur hervor. Dieses Gefährt wird dann durch die Stadt getragen.
Auf der anderen Seite aber gibt es Stierläufe, ziemlich viele ziemlich betrunkene Leute, die menschliche Pyramiden bauen, an deren Spitze die Frauen ihr T-Shirt hochheben und bombastisches Feuerwerk. 
Letzteres prägte die Nacht von Samstag auf Sonntag. Die wilden mehrere Meter hohen Konstruktionen erfreuten die Menschen (und erschreckten mich, da ich immer zu Angst hatte, dass sich Teile lösen und in die Menge fallen). Die junge Generation, die limeños und die vielen neugierigen Ausländer betranken sich, während tiefreligiöse ältere Menschen frierend am Rande der Plaza saßen und auf das "Schiff" warteten. Ein bisschen Widerspruch ist da schon verhanden. Auch, dass so viele Leute kommen und sich die katholischen Prozessionen anschauen, obwohl ihnen die Religion wenig oder gar nichts bedeutet.

Interessant war es auf jeden Fall sich all das einmal anzuschauen.

Außerdem haben wir noch die wunderschöne Landschaft um Ayacucho herum angeschaut, was auch ein Erlebnis für sich ist. Ach, ich habe mich wohl hoffnungslos in die Berge hier verliebt.
Wenn nur das Wetter nicht so unbeständig wäre. Tagsüber war es meistens ziemlich warm, und nachts hab ich mich mit Mütze, Schal und dicker Jacke gegen die Kälte gewappnet. Nichtsdestotrotz hat es Samstagnachmittag geregnet und die Temperaturen sanken auf ein Minimum. Nun, da haben wir eben stundenlang im Regen getanzt. Das war ziemlich großartig! :)

Ja, so war das in Ayacucho.

Zum Abschied dieses Posts einen kleinen Schwank:
Gestern hab ich mich mit einer Freundin getroffen. Wir saßen so nett rum und ich hab Eis gegessen, als ein Mädchel auf uns zukam und uns um Hilfe bat. Sie würde gleich ihre Mutter anrufen und ob meine Freundin dann mit ihr sprechen könnte und sagen, sie sei eine Freundin dieses Mädchens und dass die beiden nun zusammen essen gehen würden und dann auf ein Konzert. Sehr seltsam, offenbar handelte es sich da um ein nicht sonderlich von Vertrauen geprägtes Mutter-Tochter-Verhältnis.

Bis bald!
Karo

Samstag, 25. Februar 2012

Von Encarnación nach Lima

Hallo ihr Lieben,

hier kommt der langversprochene letzte Reisebericht meiner Tour. Nämlich der von Encarnación in Paraguay nach Lima. Ich habe gerade mal geschaut, welche Entfernung mir google maps für meine Route anzeigt. Stolze 4.012 Kilometer. Um einen europäischen Vergleich heranzuziehen: Helsinki, Finnland - Lisboa, Portugual: 4.150 Kilometer. 

In Encarnación haben wir uns, wie von mir angekündigt, die Jesuitenruinen angeschaut. In typischer Touristenmanier sind wir mittags in das Örtchen Trinidad gefahren (man denke an die hohen Temperaturen in Paraguay ...) und haben uns die Überreste des Klosters angeschaut. Beeindruckend war es schon. Aber weil Tourismus in diesem Land (das übrigens so groß ist wie Deutschland) noch im Kommen ist, gab es leider fast keine Informationen über die Steinchen und Mauerüberreste, die sich über ein großes Arreal erstreckten. Das war ein bisschen schade. Aber glücklicherweise verfüge ich ja über eine ausgeprägte Phantasie, also hab ich mir einfach überlegt, wie es wohl mal aussah. 

Unser zweiter Plan für diese südparaguayische Stadt war ja der Karneval. Nun ja ... Am ersten Abend wurde uns mehrfach gesagt, der Karneval falle wegen des Regens aus (die drei Tröpfchen!). Wir haben uns also an den Strand gesetzt und die Nacht so genossen - und am nächsten Tag erfahren, dass er DOCH stattgefunden hat. Also wir jedoch abends am Einlass ankamen, teilte man uns mit, dass es nur noch VIP-Tickets gebe. Nun, haben wir also unseren eigenen Karneval gefeiert: bewaffnet mit Spraydosen mit künstlichem Schnee lieferten Zsara und ich uns einen Kampf gegen die Jungs. Leider haben wir verloren, aber dafür sahen wir am Ende aus wie Schneefrauen. 

Am nächsten Tag, einem Sonntag, beschloss ich, nach Argentinien zu fahren. Dazu muss ich kurz ein bisschen ausholen.
Als wir nach Puerto Iguazú gefahren sind, hat der Bus nicht an der paraguayischen, wohl aber an der argentinischen Grenze gehalten. Demnach hatten wir zwar einen Eintrittsstempel nach Argentinien, aber keinen, der unseren Austritt aus Paraguay zeigte. Auf dem Weg zurück nach Ciudad del Este war es ähnlich: der Bus hielt an der argentinischen Immigration, aber nicht an der paraguayischen. Und wir dachten uns in unserer Naivität: Ach super, wir haben ja ein Visum für Paraguay.
In Encarncación kam mir das zunehmen komisch vor, also beschloss ich einen Kurzausflug nach Argentinien zu machen um das ins Reine zu bringen. 
Nun ja, lange Rede, kurzer Sinn: an der Grenze fiel der Beamtin natürlich auf, dass ich am 24. Januar den Eintrittsstempel nach Paraguay bekommen habe, am 30. nach Argentinien gefahren bin und am 31. Argentinien wieder verlassen habe. Demnach war ich also theoretisch in diesem Moment nirgendwo. 200.000 Guaranies musste ich Strafe zahlen. Das sind etwa 40 Euro. Ein teuerer Ausflug. Aber nun weiß ich wenigstens, dass ich beim Grenzüberschreiten mehr Vorsicht walten lasse. 

Von Encarnación aus bin ich, während die anderen Drei nach Buenos Aires aufgebrochen sind, wieder nach Asunción gefahren. Dort war ich nochmal zwei Tage bei meiner Tante, dann hab ich einen Bus nach Santa Cruz in Bolivien genommen. Das war auch ein Spaß: 26einhalb Stunden, begleitet von unzähligen Drogenkontrollen, einer Straße, die mehr aus Löchern und Staub besteht, als aus Asphalt und zwei Buspannen. 

Santa Cruz ist ein nettes Städtchen. Die palmenumsäumte Plaza de Armas war trotz Regenschauer voller Leben und dank von Arkarden überdachten Bürgersteigen, konnte ich völlig unbeschadet spazierengehen. Nach einem Tag dort bin ich nach La Paz gefahren. Dort hab ich noch zwei schöne Tage verbracht (auch wenn diese polizeilich-uruguayischen Begegnung ein bisschen irritierend war), nette Leute kennengelernt, das Flair genossen. 

Und dann ging mein Bus nach Liiiiiiima.

Und hier bin ich nun. Mein Semester fängt in zwei Wochen an, ich hab schon geschaut, welche Kurse ich gerne machen würde. Ich stehe dabei wieder vor dem alten Problem, dass es einfach zuviel Auswahl gibt. Aber zum Glück gibt es ja wieder die Orientierungswoche um in die verschiedenen Kurse reinzuschnuppern. 

Seit ein paar Tagen ist Kristina wieder da. Das ist sehr schön, auch wenn sie leider, wie auch Zsara, schon bald zurückfliegt. Aber bis dahin haben wir noch ein paar Tage, das schöne Lima gemeinsam zu genießen.

Sonnige Grüße.
Eure Karo

Dienstag, 25. Oktober 2011

Die schöne Reise

Lalalalaaaa, ein bisschen gedauert hat es, ich gebe es ja zu. Aber umso mehr freue ich mich, euch nun meinen Reisebericht zu präsentieren.

Am Abend des 6. Oktober (ein Donnerstag) gondelten Sarah und ich in gewohnter Manier mit dem Taxi zur Busstation, stiegen dort in den Nachtbus und fuhren nach Arequipa. Und fuhren und fuhren und fuhren. 16 Stunden waren veranschlagt. Gedauert hat es mindestens 18, ehe wir in der zweitgrößten Stadt Perus angekommen sind. Besonders bequem war die Fahrt leider auch nicht: es zog, schlafen ging mangels Beinstütze nicht und dann diese schrecklichen Filme, die (fast) ununterbrochen laufen. Entweder furchtbare Familienkomödien oder platte Action-Filme. Nun, alles hat auch mal ein Ende.

Wir haben also Quartier in einem hübschen hostal namens Home Sweet Home bezogen und uns aufgemacht, die Stadt zu erkunden. Und ach, was ist die schön: stolze, koloniale Gebäude, eine angenehme Stimmung, eine wunderschöne Plaza de Armas, mächtige Kirchen, haufenweise Schnickschnack zu kaufen, nette Cafés, Dächer, auf die man klettern kann, Sonne. Was hat mein Herz gelacht! Besonders zu empfehlen ist der Besuch des Monasterio de Santa Catalina, welches wie eine Stadt in der Stadt ist. Ein Kloster, das den höheren Töchtern erlaubte, ihren gewohnten Lebensstil fortzuführen. Neben Instrumenten, Nähmaschinchen, großen Küchen und bequemen Sesseln hatten die Damen sogar mehrere Diener zu ihrer Verfügung. Bis eine spanische Nonne kam und dem Saus und Braus ein Ende bereitete. Heute leben noch immer Nonnen in dem Kloster und die Eintrittsgelder werden zu dessen Instandhaltung genutzt.
Im Monasterio de Santa Catalina

Blick auf Stadt und Vulkan

... und wieder war der Konvent geschlossen!

Gasse

Heldenverehrung ...


Am 9. Oktober (mittlerweile Sonntagabend) sattelten wir unsere Rucksäcke und fuhren weiter nach Cusco. Man sollte zwar meinen, dass ich mich inzwischen an die Nachtfahrten gewöhnt hätte, aber so übermäßig bequem finde ich es nach wie vor nicht. Außerdem führt der Weg von Arequipa nach Cusco durch die Berge. Ein schlängeliger, kurviger Weg. Nein, ich habe mich nicht übergeben.

In Cusco empfing uns nicht nur Sonnenschein, sondern auch Patricia und Zsara. Die Zwei waren schon ein paar Tage vorher dorthin gefahren. Cusco ist super touristisch, aber nicht minder schön. Wenn ich es mit Arequipa vergleichen müsste, würde ich A mehr als elegant und herrschaftlich und C als gemütlich und cool beschreiben. Es gibt in der Stadt auf über 3000 Meter Höhe kleine Gässlein, die sich den Berg rauf- und runterziehen, charmante alte Häuser, viele Museen, vegane (!) Cafés, an jeder Ecke Stände und Leute, die einem Tattoos, Piercings, Dreads oder Gras anbieten. Unter den Museen sei besonders das Coca-Museum zu erwähnen. Klein, aber fein ist es und erklärt, warum Coca ein so gutes Mittelchen gegen die Höhenkrankheit ist. Nämlich weil es das Blut schneller zirkulieren lässt und deswegen trotz durch dünne Luft verengte Blutbahnen gute Sauerstoffzufuhr ermöglicht.
Dächermeer und Berge

kleiner Blick auf die Plaza de Armas


Nach zwei Tagen in der Brichero-Stadt (was genau das ist, erklär ich ein anderes Mal) fuhren wir ins Valle Sagrado das Tal, welches Cusco umgibt. Heiliges Tal heißt das übersetzt und wenn ich es mir so angesehen habe, kann ich die Namensgebung durchaus verstehen: ein wunderschönes Tal, eingefasst von mächtigen Bergen.

Unsere erste Station hieß Urubamba. Dort fuhr ich zum ersten Mal mit einem so genannten mototaxi, ein dreirädriges, motorbetriebenes, ratterndes Gefährt. Das brachte uns zu einer Oase von hostal: ein Hof voller Pflanzen, ein Frühstück, das selbst den Hungrigsten satt macht, ein goldiger Herbergsvater und ein Blick auf die Berge. Idylle nennt man so etwas.
Inca Kola - peruanisches Nationalgetränk


Von dort aus starten wir unsere Klettererkundungstour  mit dem Ziel die Salinas in der Nähe anzuschauen. Die Salinas sind über 300 Salzbecken, die in an den Berg gebaut wurden um aus diesem Salz zu waschen. Der Anblick von strahlendem weiß in der  überwältigenden Naturkulisse war großartig! Auf dem Weg dorthin sind wir übrigens ein Stück mit einem vollgestopften micro gefahren, in dem nur Quechua geredet wurde. Ich hab das hier zum ersten Mal gehört, Sarah ebenso und irgendwie war das ein besonderer Moment.
Salz im Berg

Sari auf der wackligen Brücke

Die Bahnstation im Nichts

Am nächsten Tag, inzwischen der 13. Oktober, fuhren wir gegen Mittag in Ruhe nach Ollanta, ein weiteres Dörfchen im Valle Sagrado. Dort steht die Ruine einer alten Inka-Festung und es gibt eine Zugverbindung nach Machu Picchu. Deswegen ist es leider viel touristischer: englische Anschläge an den Restaurants, einen Haufen von Ständen, die alle das gleiche verkaufen, Busse voller Reisegruppen. Die Ruine ist aber trotzdem sehr schön. Majestätisch  erhebt sie sich am Berg und wenn man einmal dem Wind getrotzt hat und nach oben geklettert ist, hat man einen weiten Blick ins Tal.
Weite

Abends nahmen wir (wie so viele andere) den Zug nach Machu Picchu. Genauer gesagt fährt er nach Aguas Calientes, das Dorf zu dessen Fuße. Der Zug ist übrigens unverschämt teuer: wir haben für eine zweistündige Strecke 35 US Dollar bezahlt und sind noch mit dem billigsten Gefährt gefahren. Der Super-Luxus-Zug hätte für die gleiche Strecke 85 Dollar gekostet.

Dann waren wir also in Aguas Calientes. Das schrecklichste Dorf der Welt. Aguas Calientes IST Tourismus. Es LEBT nur für den Tourismus. Weil hier alle Machu Picchu-Pilger, die nicht den Inka-Trail laufen, durchmüssen. Nun, eine Nacht haben wir dort übernachten und damit gut.

Am nächsten Morgen in der Frühe standen wir auf, nahmen den Bus nach oben und waren gegen sechs da. Machu Picchu. Nur leider regnete es. Wir verharrten also erstmal unter einem Stein bis der Regen nachließ. Dann zogen wir aus, das immer noch neblige Gelände zu erkunden. In diesem Nebel boten sich uns magische Momente, in denen wir plötzlich ein Stück Berg oder Gebäude sahen, das zwei Sekunden später schon wieder verschwunden war. Keine Worte der Welt können das beschreiben.
Später wurde es dann richtig sonnig und wir haben noch ein paar Erkundungstouren zum Sonnentor und der Inka-Brücke (eine Lücke im Pfad entlang des Berges, über die normalerweise Baumstämme gelegt wurden; im Angriffsfall konnten die einfach entfernt werden und Machu Picchu war auf diesem Wege nicht erreichbar) gemacht. Damit sind wir den Menschenmassen entflohen und hatten einen wunderbaren Blick auf die zwischen den hohen Bergen eingebetteten Gebäude. Die haben wir uns auch noch intensiv angeschaut, bevor wir uns nach insgesamt acht Stunden an den Abstieg machten.
Schiefe Sicht

Hoch oben

Nebeldecke

Pflanzendickicht

Noch mehr Nebel

Mein Reiseführer bezeichnet Machu Picchu als eine sweet cherry jeden Südamerikatrips. Das trifft es nicht. Es ist viel mehr. Halt irgendwie magisch.

Der Zug brachte uns wieder nach Cusco. Dort noch ein Tag. Dann Rückfahrt nach Lima (wohlbemerkt 22 Stunden).

Eine wunderschöne Reise. Besonders dank Sarah. Un beso.


Samstag, 24. September 2011

Sonne, Sand und Mystik

Oh je,
jetzt hänge ich aber vor lauter Kranksein, Lektürekontrolle und Spontanausflug (Bericht folgt) aber schon ganz schön hinterher.

Also auf auf, das einzuholen!

ICA. HUACACHINA. NAZCA-LINIEN.

Letzten Freitag (nachdem wir an Abend zuvor mit Wein, Kuchen und Basteleien der kreativen Art in meinen Geburtstag reingefeiert haben) haben wir uns morgens auf die vierstündige Reise nach Ica begeben. Blöd nur, dass Willys Zeitangabe eine schöne Untertreibung war – fünfeinhalb trifft es wohl eher. Dementsprechend erschöpft kamen wir in dem Haus an, in dem nicht nur Willy Bruder wohnt, sondern es auch zwei Kämmerchen leer stehen, die wir für das Wochenende beziehen konnten.

Den Samstag starteten wir mit einer kleinen Tour durch Ica bei schönstem Sonnenschein. Ica zeichnet sich vor allem durch zweierlei aus: es gibt viele viele Kirchen und leider auch viele kaputte Gebäude. Schuld an letzterem ist ein Erdbeben, das 2007 viele Tote und viel Zerstörung nach sich gezogen hat.
Trotzdem finde ich, dass die Stadt einen gewissen Charme hat. Und wenn es nur daran liegt, dass Willy an jeder Straßenecke einen Bekannten gegrüßt hat und uns auf versteckten Pfaden mit zum Haus seiner Großmutter genommen hat.
Kathedrale

eine Straße

eine zweite Straße

Es folgte: eine Tour durch ein traditionelles Weingut, natürlich mit Verkostung. Dabei wurde uns nicht nur Wein angeboten (für meinen Geschmack abermals ein bisschen zu süß), sondern auch der berühmt-berüchtigte Pisco, ein Schnaps, der aus Pflaumen gebrannt wird. Und das vorm Essen..

Nach dem Mittagessen quetschten wir uns in ein Taxi und fuhren nach Huacachina. Das sagenumwobene Huacachina.
Und es war wirklich beeindruckend! Sand. Überall Sand. Ich fühlte mich tatsächlich wie in der Wüste (nachdem ich die annähernde Todesangst während der Fahrt überwunden hatte; der Fahrer des Gefährts, das uns auf die Dünen brachte, fuhr mit einer derartig atemberaubenden Geschwindigkeit und einem Hang zu extravaganten Berg- und Talfahrten über die sandigen Dünen, dass ich meine Hand voller Panik in Sarahs Hose krallte). Umgeben von Sand, soweit das Auge reicht. Einen solchen Anblick hätte ich in Peru wirklich nicht erwartet. Zusammen mit der untergehenden Sonne war die Atmosphäre leicht romantisch-unreal.
Umso realer war das Sandboarding. Wir bekamen also alle eine Board in die Hand gedrückt und konnten die Dünen heruntersausen. Vornehmlich in der Bauchlage. Was bei dem steilen Abgang überraschend fetzig war. Mein Versuch, das Ganze stehend zu meistern hat leider nur annähernd so gut geklappt wie meine letzte Begegnung mit dem Snowboard. :)

links nach rechts: Zsara, Willy, Sarah, Patricia
Sandige Weite


Ameisen krabbeln die Dünen hoch.

Für Sonntag standen die Nazca-Linien auf dem Plan. Weil die von Ica noch ein ganz schönes Stück entfernt sind, sind wir mit einem Auto hingefahren. Die Fahrt führte über Dörfer und durch beeindruckende Berglandschaften. Nach mehr als 100 Kilometern, aber mehr Zeit als man in deutschen Gefilden dafür bräuchte, waren wir da – an einem Turm.
Bei den Nazca-Linien handelt es sich um ziemlich akkurat in den Boden gekratzte Linien, die verschiedene, sehr große, mal mehr und mal weniger klare Formen ergeben. Sie sind daher nur erkennbar, wenn man von der Luft einen Blick auf den Boden wirft. Da stellt man sich also die Frage, wie die Nazca, die die Linien vor rund 2500 Jahren in den Boden gebannt haben, diese so schnurgerade ziehen konnten. Um alle Figuren zu sehen, muss man mit einem Flugzeug über das Areal fliegen. Das haben wir nicht gemacht und sind stattdessen auf besagten Turm gekraxelt. Da sieht man zwar nur zwei Figuren, aber das Ausmaß und die klare Anordnung der einzelnen Linien zeichnet sich erkennbar ab. Das hat bei mir wirklich ziemlichen Eindruck und Respekt hinterlassen, obwohl auch ein komisches Gefühl dabei ist, weil nach wie vor nicht klar ist, wofür die Nazca diese Linien erschaffen und genutzt haben. Eine Erklärung, die in Museo Maria Reiche (benannt nach der Frau, die die Linien lange Jahre erforscht hat) dargelegt wurde, ist, dass die Linien einen astronomischer Kalender darstellen, der bestimmte Ereignisse hervor sagen kann. Eine von vielen Theorien …

Montagmorgen standen wir sehr früh auf (allerdings nicht ganz so früh wie geplant; obwohl wir zu fünft waren, haben wir alle unsere Wecker eine Weile ignoriert), um wieder nach Lima zu fahren.
Wo ja eine Control de Lecture in Cine wartete. Die hab ich inzwischen erfolgreich hinter mich gebracht. Vorher hat mich aber die Übelkeit erwischt. Irgendwie scheint mein Magen von Zeit zu Zeit einen Guerilla-Krieg gegen Peru zu führe. Oder umgekehrt? Jedenfalls bekomme ich dann fürchterliche Magenschmerzen, liege ich einen Tag mit Wärmflasche im Bett und anschließend geht es mir wieder besser. Seltsam, aber das Ab-und-zu-Kranksein unter den extranjeros scheint hier leider dazuzugehören.

Zum Schluss noch kurz: heute gab es an der Católica eine Demo. Der werte Herr Erzbischoff will sich nämlich in die Lehrinhalte einmischen – mit Referenz auf das „päpstlich“ und „katholisch“ im Namen der Uni. Darauf hat natürlich hier niemand Lust, deswegen der Protest. Die Konsequenz wird aller Wahrscheinlichkeit nach sein, dass der Uni genau diese beiden Adjektive aberkannt werden. Damit geht zwar ein mehr als 100 Jahre alter Name verloren, aber es ist auch nur ein Name und immer noch besser als ein kirchlich regulierter Lehrplan.
Ich bin jedenfalls gespannt, wie das sich weiter entwickelt.

So, nun gehe ich aber ins Bett.

Buenas noches, ihr Lieben.

Ach ja. Fotos folgen.

Freitag, 12. August 2011

Wirkliches Abenteuer #1

Wenn ich bisher von Abenteuern geredet hab, war das, was ich gestern erlebt hab, nichts, aber auch gar nichts dagegen!


Aber eins nach dem anderen.


Abends sind wir (wie angekündigt) ein bisschen in das Nachtleben von Lima eingetaucht. Lucia hat mich abgeholt, dann wurden noch Caro und Patricia eingesammelt und ab ging es nach Miraflores! Miraflores ist hier das Touristen- und wahrscheinlich mit am sicherste Viertel. Dort wohnt Sarah, auch aus Ilmenau. Zusammen sind wir dann in einen Club nach Barranco gefahren; dieses Viertel ist nach allem, was ich bisher gehört hab, das, in welches man zum Feiern geht.
Ich wurde dazu verdonnert Pisco Sour zu trinken: da ist unter anderem Pisco drin, ein nach dem gleichnamigen peruanischen Städtchen benannter Traubenschnaps. Hat eigentlich ziemlich gut geschmeckt.
Zwischen drei und vier wollten wir und dann auf den Heimweg begeben. 


Und hier fängt das Abenteuer wirklich an.


In besagtem Club waren auch zwei der Mädels aus der Casa Rio Grande, weswegen wir beschlossen zusammen mit zweien ihrer Freunde, die auf dem Weg wohnen, ein Taxi zu nehmen. Sehr bewandert im Spanischen (einer ist ist auch Peruaner) fingen sie an, mit den Taxis zu verhandeln. Und davon gab es ungefähr Hunderte auf der Straße vor dem Club, ach was sag ich: Fünfhunderte, die hupend dastanden und nach Gästen lechzten! Die ersten lehnten sie ab, weil es ihnen zu teuer war. Ich war schwer beeindruckt von ihrem Verhandlungsgeschick, denn letztendlich hat die Fahrt von 20 Minuten 23 Soles (etwa 6 Euro) gekostet.
Nun waren wir aber zu fünft... Kein Problem: ich hab mich einfach auf den Schoß der einen gesetzt und los ging es über Stock und Stein! Und das in einer Geschwindigkeit, ach du meine Güte! Vor den in Lima ziemlich weit verbreiteten Bodenwellen-zum-Geschwindigkeit-stoppen hat der Fahrer dann meist sehr unverhofft gebremst. Und zur Untermalung lief lauuute Musik und die anderen haben zudem lautstark auf Spanisch geschnattert! Ich kann mit guten Gewissen sagen, dass das die verrückteste Taxifahrt war, die ich je erlebt hab. Aber irgendetwas sagt mir, dass ich solche Fahrten schon bald völlig in Ordnung finden werde... :)


Gleich treffe ich mich mit meiner Compañero und wir gehen in den Zoo. Ich war schon seit Jahren in keinem Zoo mehr. Wir werden sehen, wie es wird.


Bis bald,


Karo