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Dienstag, 17. Januar 2012

Ein Gruss aus La Paz

Hallo ihr Lieben,
ich bin gerade in La Paz, der Hauptstadt Boliviens (nun, genau genommen ist Sucre laut Verfassung die Hauptstadt, aber hier in La Paz sitzt die Regieung). Und oh, wie ich diese Stadt liebe! Sie liegt ziemlich hoch, auf fast 4000 Meter Hoehe und das Laufen in den bergauf-bergab-fuehrenden Strassen ist auch nicht immer einfach. Aber ich mag diese kleinen Gaesschen, die Atmosphaere, die Haeuer mit ihren suessen Balkoenchen, die vielen schnuckeligen Cafes, einfach die Atmosphaere.

Aber beginnen wir am Anfang.

Am 3. Januar bin ich mit Kristina ueber Nacht nach Arequipa gefahren. Da war ich ja schon mal im Oktober, also hab ich mir diesmal nicht so viel von der Stadt angeschaut. Stattdessen haben wir, zusammen mit Patricia und Zsara, eine zweitaegige Wanderung durch den nahegelegenen Cañon de Colca unternommen. Und die hatte es in sich: eigentlich gab es nur zwei Arten des Wanderns, steil bergauf oder steil bergab. Besonders die 1000 Meter, die wir am zweiten Morgen vor dem Fruehstueck (!) in dreieinhalb Stunden nach oben kraxelten sind hier zu erwaehnen. Schoen war es trotz aller Anstrengung, denn die Natur mit ihrer rauen Schoenheit, reissenden Fluessen und steilen Felswaenden entschaedigt fuer jede Atemnot.

Auf dieser Tour lernten wir vier sympathische Deutsche kennen, die wir dann auch spontan ueberredeten, mit uns nach Copacabana zu fahren. Das ist die Stadt auf der bolivianischen Seite des Titicaca-Sees.
Nach einem etwas chaotischen, aber unkompliziertem Grenzuebergang kamen wir in der Stadt an, von der die meisten meinten, die sei viel schoener als ihr peruanisches Aequivalent Puno. Was uns allerdings niemand gesagt hatte, ist, dass es am Wochenende recht schwer ist, dort eine Unterkunft zu bekommen. Zu bled, dass wir an enem Samstagabend dort ankamen. Zwei Stunden wanderten wir durch die Gegend, bis wir zufaellig doch noch eien Unterkunft fuer uns acht fanden.
Am naechsten Tag machten wir einen Ausflug zur Isla del Sol. Dort wurde laut Inka-Legende die Sonne geboren. Die Insel ist voller Quinoa-Felder und Inka-Ruinen. Ein Teil unserer Gruppe (ich eingeschlossen) machten eine Wanderung ueber die Insel. Entlang eines Weges, der irgendwie an die chinesischen Mauer erinnert, schlenderten wir von Norden nach Sueden. Dort sollte dann das Boot zurueck nach Copacabana ablegen. Nun, leider hatte uns der Herr in Copacabana eine falsche Abfahrtszeit gesagt, weswegen wir ankamen - und kein Boot mehr zurueckfuhr. Schliesslich blieb uns nichts anderes uebrig, als einen private Transport mittels Boot und Auto zu organisieren. Immerhin haben wir so noch ein paar Doerfer am Titicaca-See gesehen...

Ein Ereignis sei am naechsten Tag zu erwaehen. Ich hab naemlich eine Muetze gehaekelt und damit ein Tauschgeschaeft gegangen: einer unserer Bekannten aus dem Cañon bekam diese Muetze und ich dafuer Ohrringe. Eine Frau aus einem der Laeden, die Ohrringe, Kleidung und allerlei mehr verkaufen, wollte sie mir fuer 20 Bolivianos abkaufen. Das sind umgerechnet 2 Euro. Da war mir das Muetze-gegen-Ohrringe-Geschaeft doch lieber.

Von Copacabana brachen Kristina, Patricia und ich nach La Paz auf (ich moechte an dieser Stelle anmerken, dass sich die Konstellation unserer Reisegruppe bisher sehr frequent aendert). Dort wartete schon Thomas auf uns und am naechsten Tag beschlossen wir aufs Land zu fahren: nach Coroico ging es, laut eigener Aussage die erste touristische Gemeinde Boliviens. Touristisch ist es dort auf jeden Fall (vorallem Argentinier; ich hab fast das Gefuehl, mehr Argentinier als Bolivianer in Bolivien zu treffen), aber die Landschaft ist dennoch der Knueller: ein Tal voller wunderschoener Vegetation. Patricia und ich sassen voellig gluecklich auf einem nicht fertigen Hausdach und schauten lange in die Weite des Tals. Ausserdem machten wir einen kleinen Ausflug zu einem Wasserfall (wo wir auch wieder eine ganze Menge Argentinier trafen, die mit ihrem unvermeidlichen Mate-Tee einen Pause abhielten).

Anschliessend ging es wieder nach La Paz, allerdings nur als Zwischenstop. Kristina machte sich auf den Weg nach Iguazu an der argentinisch-barsilianischen Grenze, wo die beruehmten Wasserfaelle sind, und wir drei fuhren nach Uyuni. Das ist einen Stadt im Sueden Boliviens, die wegen des Salar de Uyuni unter Suedamerikareisenden sehr bekannt ist. Dieser Salar ist eine Salzwueste, die frueher mal ein See war. Nach einer unbequemen Nacht im Bus, machten Patricia und ich einen Tagestour durch diese Wueste. (Um die These zu unterstuetzen, dass ich selten mit den immer gleichen Leuten reise: Thomas blieb aus gesundheitlichen Gruenden in Uyuni zurueck.) Und das war wirklich beeindruckend: wir fuhren mit einem Jeep durch so weisse Landschaften, dass man es eher fuer Schnee als fuer Salz halten wuerde. Die Flaeche steht ein bisschen unter Wasser, sodass wir nakten Fusses durch Salzwasser wateten. Wegen der weiten weissen falsche kann man ausserdem Bilder mit verzerrten Perpektiven machen: Menschen, die auf einer Ketchup-Flasche stehen oder dass man den Jeep in der Hand haelt. Was ausserdem gefetzt hat: der Eisenbahnfriedhof am Rande des Salars mit ganz vielen alten Waggons zum Klettern. Ha, da hat mein kindliches Herz gelacht.

Eine zweite Nachfahrt in Folge waren wir wieder in La Paz. Und wie wir uns verliebt haben! Wir erkundeten zwei Kunstmuseen, assen Apfelkuchen in einer deutschen Baeckerei, setzten uns zum Haekeln auf einen der belebten Plaetze, gingen mit ein paar Argentiniern in einer peña (ein Ort, wo traditionelle Musik gespielt wird) ein Bier trinken. Die Stadt geniessen.

Gestern sind Patricia und Thomas (der dann wieder heil aus dem Salar wiedergekommen ist) zurueck nach Lima gefahren um sich von dort auf den Weg nach Deutschland bzw Oesterreich zu machen. Abschiede sind ziemlich doof. Aber es ist ja ziemlich bis sehr sicher, dass ich die beiden wiedersehe.

Nun bin ich gerade allein in dieser wunderbaren Stadt. Am Donnerstag kommen Zsara und ihre franzoesischen Freunde von ihrem Aufstieg auf den Huayna Potosí wieder, einem 6000er Berg. Bis dahin geniesse ich die Sonne und das Leben, lese, trinke Kaffee, fotografiere und schlender die Gassen auf und ab. Am Freitag geht

Soweit der Stand. Die Tastatur in diesem Internetcafe ist nicht so der Hit. Ich hoffe einfach, ihr koennt trotzdem alles entziffern.

Ich versuche mich bald wieder zu melden.

Alles Liebe,
Karo

Dienstag, 25. Oktober 2011

Die schöne Reise

Lalalalaaaa, ein bisschen gedauert hat es, ich gebe es ja zu. Aber umso mehr freue ich mich, euch nun meinen Reisebericht zu präsentieren.

Am Abend des 6. Oktober (ein Donnerstag) gondelten Sarah und ich in gewohnter Manier mit dem Taxi zur Busstation, stiegen dort in den Nachtbus und fuhren nach Arequipa. Und fuhren und fuhren und fuhren. 16 Stunden waren veranschlagt. Gedauert hat es mindestens 18, ehe wir in der zweitgrößten Stadt Perus angekommen sind. Besonders bequem war die Fahrt leider auch nicht: es zog, schlafen ging mangels Beinstütze nicht und dann diese schrecklichen Filme, die (fast) ununterbrochen laufen. Entweder furchtbare Familienkomödien oder platte Action-Filme. Nun, alles hat auch mal ein Ende.

Wir haben also Quartier in einem hübschen hostal namens Home Sweet Home bezogen und uns aufgemacht, die Stadt zu erkunden. Und ach, was ist die schön: stolze, koloniale Gebäude, eine angenehme Stimmung, eine wunderschöne Plaza de Armas, mächtige Kirchen, haufenweise Schnickschnack zu kaufen, nette Cafés, Dächer, auf die man klettern kann, Sonne. Was hat mein Herz gelacht! Besonders zu empfehlen ist der Besuch des Monasterio de Santa Catalina, welches wie eine Stadt in der Stadt ist. Ein Kloster, das den höheren Töchtern erlaubte, ihren gewohnten Lebensstil fortzuführen. Neben Instrumenten, Nähmaschinchen, großen Küchen und bequemen Sesseln hatten die Damen sogar mehrere Diener zu ihrer Verfügung. Bis eine spanische Nonne kam und dem Saus und Braus ein Ende bereitete. Heute leben noch immer Nonnen in dem Kloster und die Eintrittsgelder werden zu dessen Instandhaltung genutzt.
Im Monasterio de Santa Catalina

Blick auf Stadt und Vulkan

... und wieder war der Konvent geschlossen!

Gasse

Heldenverehrung ...


Am 9. Oktober (mittlerweile Sonntagabend) sattelten wir unsere Rucksäcke und fuhren weiter nach Cusco. Man sollte zwar meinen, dass ich mich inzwischen an die Nachtfahrten gewöhnt hätte, aber so übermäßig bequem finde ich es nach wie vor nicht. Außerdem führt der Weg von Arequipa nach Cusco durch die Berge. Ein schlängeliger, kurviger Weg. Nein, ich habe mich nicht übergeben.

In Cusco empfing uns nicht nur Sonnenschein, sondern auch Patricia und Zsara. Die Zwei waren schon ein paar Tage vorher dorthin gefahren. Cusco ist super touristisch, aber nicht minder schön. Wenn ich es mit Arequipa vergleichen müsste, würde ich A mehr als elegant und herrschaftlich und C als gemütlich und cool beschreiben. Es gibt in der Stadt auf über 3000 Meter Höhe kleine Gässlein, die sich den Berg rauf- und runterziehen, charmante alte Häuser, viele Museen, vegane (!) Cafés, an jeder Ecke Stände und Leute, die einem Tattoos, Piercings, Dreads oder Gras anbieten. Unter den Museen sei besonders das Coca-Museum zu erwähnen. Klein, aber fein ist es und erklärt, warum Coca ein so gutes Mittelchen gegen die Höhenkrankheit ist. Nämlich weil es das Blut schneller zirkulieren lässt und deswegen trotz durch dünne Luft verengte Blutbahnen gute Sauerstoffzufuhr ermöglicht.
Dächermeer und Berge

kleiner Blick auf die Plaza de Armas


Nach zwei Tagen in der Brichero-Stadt (was genau das ist, erklär ich ein anderes Mal) fuhren wir ins Valle Sagrado das Tal, welches Cusco umgibt. Heiliges Tal heißt das übersetzt und wenn ich es mir so angesehen habe, kann ich die Namensgebung durchaus verstehen: ein wunderschönes Tal, eingefasst von mächtigen Bergen.

Unsere erste Station hieß Urubamba. Dort fuhr ich zum ersten Mal mit einem so genannten mototaxi, ein dreirädriges, motorbetriebenes, ratterndes Gefährt. Das brachte uns zu einer Oase von hostal: ein Hof voller Pflanzen, ein Frühstück, das selbst den Hungrigsten satt macht, ein goldiger Herbergsvater und ein Blick auf die Berge. Idylle nennt man so etwas.
Inca Kola - peruanisches Nationalgetränk


Von dort aus starten wir unsere Klettererkundungstour  mit dem Ziel die Salinas in der Nähe anzuschauen. Die Salinas sind über 300 Salzbecken, die in an den Berg gebaut wurden um aus diesem Salz zu waschen. Der Anblick von strahlendem weiß in der  überwältigenden Naturkulisse war großartig! Auf dem Weg dorthin sind wir übrigens ein Stück mit einem vollgestopften micro gefahren, in dem nur Quechua geredet wurde. Ich hab das hier zum ersten Mal gehört, Sarah ebenso und irgendwie war das ein besonderer Moment.
Salz im Berg

Sari auf der wackligen Brücke

Die Bahnstation im Nichts

Am nächsten Tag, inzwischen der 13. Oktober, fuhren wir gegen Mittag in Ruhe nach Ollanta, ein weiteres Dörfchen im Valle Sagrado. Dort steht die Ruine einer alten Inka-Festung und es gibt eine Zugverbindung nach Machu Picchu. Deswegen ist es leider viel touristischer: englische Anschläge an den Restaurants, einen Haufen von Ständen, die alle das gleiche verkaufen, Busse voller Reisegruppen. Die Ruine ist aber trotzdem sehr schön. Majestätisch  erhebt sie sich am Berg und wenn man einmal dem Wind getrotzt hat und nach oben geklettert ist, hat man einen weiten Blick ins Tal.
Weite

Abends nahmen wir (wie so viele andere) den Zug nach Machu Picchu. Genauer gesagt fährt er nach Aguas Calientes, das Dorf zu dessen Fuße. Der Zug ist übrigens unverschämt teuer: wir haben für eine zweistündige Strecke 35 US Dollar bezahlt und sind noch mit dem billigsten Gefährt gefahren. Der Super-Luxus-Zug hätte für die gleiche Strecke 85 Dollar gekostet.

Dann waren wir also in Aguas Calientes. Das schrecklichste Dorf der Welt. Aguas Calientes IST Tourismus. Es LEBT nur für den Tourismus. Weil hier alle Machu Picchu-Pilger, die nicht den Inka-Trail laufen, durchmüssen. Nun, eine Nacht haben wir dort übernachten und damit gut.

Am nächsten Morgen in der Frühe standen wir auf, nahmen den Bus nach oben und waren gegen sechs da. Machu Picchu. Nur leider regnete es. Wir verharrten also erstmal unter einem Stein bis der Regen nachließ. Dann zogen wir aus, das immer noch neblige Gelände zu erkunden. In diesem Nebel boten sich uns magische Momente, in denen wir plötzlich ein Stück Berg oder Gebäude sahen, das zwei Sekunden später schon wieder verschwunden war. Keine Worte der Welt können das beschreiben.
Später wurde es dann richtig sonnig und wir haben noch ein paar Erkundungstouren zum Sonnentor und der Inka-Brücke (eine Lücke im Pfad entlang des Berges, über die normalerweise Baumstämme gelegt wurden; im Angriffsfall konnten die einfach entfernt werden und Machu Picchu war auf diesem Wege nicht erreichbar) gemacht. Damit sind wir den Menschenmassen entflohen und hatten einen wunderbaren Blick auf die zwischen den hohen Bergen eingebetteten Gebäude. Die haben wir uns auch noch intensiv angeschaut, bevor wir uns nach insgesamt acht Stunden an den Abstieg machten.
Schiefe Sicht

Hoch oben

Nebeldecke

Pflanzendickicht

Noch mehr Nebel

Mein Reiseführer bezeichnet Machu Picchu als eine sweet cherry jeden Südamerikatrips. Das trifft es nicht. Es ist viel mehr. Halt irgendwie magisch.

Der Zug brachte uns wieder nach Cusco. Dort noch ein Tag. Dann Rückfahrt nach Lima (wohlbemerkt 22 Stunden).

Eine wunderschöne Reise. Besonders dank Sarah. Un beso.