Lalalalaaaa, ein bisschen gedauert hat es, ich gebe es ja zu. Aber umso mehr freue ich mich, euch nun meinen Reisebericht zu präsentieren.
Am Abend des
6. Oktober (ein Donnerstag) gondelten Sarah und ich in gewohnter Manier mit dem Taxi zur Busstation, stiegen dort in den Nachtbus und fuhren nach
Arequipa. Und fuhren und fuhren und fuhren. 16 Stunden waren veranschlagt. Gedauert hat es mindestens 18, ehe wir in der zweitgrößten Stadt Perus angekommen sind. Besonders bequem war die Fahrt leider auch nicht: es zog, schlafen ging mangels Beinstütze nicht und dann diese schrecklichen Filme, die (fast) ununterbrochen laufen. Entweder furchtbare Familienkomödien oder platte Action-Filme. Nun, alles hat auch mal ein Ende.
Wir haben also Quartier in einem hübschen
hostal namens
Home Sweet Home bezogen und uns aufgemacht, die Stadt zu erkunden. Und ach, was ist die schön: stolze, koloniale Gebäude, eine angenehme Stimmung, eine wunderschöne
Plaza de Armas, mächtige Kirchen, haufenweise Schnickschnack zu kaufen, nette Cafés, Dächer, auf die man klettern kann, Sonne. Was hat mein Herz gelacht! Besonders zu empfehlen ist der Besuch des
Monasterio de Santa Catalina, welches wie eine Stadt in der Stadt ist. Ein Kloster, das den höheren Töchtern erlaubte, ihren gewohnten Lebensstil fortzuführen. Neben Instrumenten, Nähmaschinchen, großen Küchen und bequemen Sesseln hatten die Damen sogar mehrere Diener zu ihrer Verfügung. Bis eine spanische Nonne kam und dem Saus und Braus ein Ende bereitete. Heute leben noch immer Nonnen in dem Kloster und die Eintrittsgelder werden zu dessen Instandhaltung genutzt.
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| Im Monasterio de Santa Catalina |
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| Blick auf Stadt und Vulkan |
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| ... und wieder war der Konvent geschlossen! |
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| Gasse |
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| Heldenverehrung ... |
Am
9. Oktober (mittlerweile Sonntagabend) sattelten wir unsere Rucksäcke und fuhren weiter nach
Cusco. Man sollte zwar meinen, dass ich mich inzwischen an die Nachtfahrten gewöhnt hätte, aber so übermäßig bequem finde ich es nach wie vor nicht. Außerdem führt der Weg von Arequipa nach Cusco durch die Berge. Ein schlängeliger, kurviger Weg. Nein, ich habe mich nicht übergeben.
In Cusco empfing uns nicht nur Sonnenschein, sondern auch Patricia und Zsara. Die Zwei waren schon ein paar Tage vorher dorthin gefahren. Cusco ist super touristisch, aber nicht minder schön. Wenn ich es mit Arequipa vergleichen müsste, würde ich A mehr als elegant und herrschaftlich und C als gemütlich und cool beschreiben. Es gibt in der Stadt auf über 3000 Meter Höhe kleine Gässlein, die sich den Berg rauf- und runterziehen, charmante alte Häuser, viele Museen, vegane (!) Cafés, an jeder Ecke Stände und Leute, die einem Tattoos, Piercings, Dreads oder Gras anbieten. Unter den Museen sei besonders das Coca-Museum zu erwähnen. Klein, aber fein ist es und erklärt, warum Coca ein so gutes Mittelchen gegen die Höhenkrankheit ist. Nämlich weil es das Blut schneller zirkulieren lässt und deswegen trotz durch dünne Luft verengte Blutbahnen gute Sauerstoffzufuhr ermöglicht.
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| Dächermeer und Berge |
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| kleiner Blick auf die Plaza de Armas |
Nach zwei Tagen in der
Brichero-Stadt (was genau das ist, erklär ich ein anderes Mal) fuhren wir ins
Valle Sagrado das Tal, welches Cusco umgibt.
Heiliges Tal heißt das übersetzt und wenn ich es mir so angesehen habe, kann ich die Namensgebung durchaus verstehen: ein wunderschönes Tal, eingefasst von mächtigen Bergen.
Unsere erste Station hieß
Urubamba. Dort fuhr ich zum ersten Mal mit einem so genannten
mototaxi, ein dreirädriges, motorbetriebenes, ratterndes Gefährt. Das brachte uns zu einer Oase von
hostal: ein Hof voller Pflanzen, ein Frühstück, das selbst den Hungrigsten satt macht, ein goldiger Herbergsvater und ein Blick auf die Berge. Idylle nennt man so etwas.
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| Inca Kola - peruanisches Nationalgetränk |
Von dort aus starten wir unsere Klettererkundungstour mit dem Ziel die
Salinas in der Nähe anzuschauen. Die Salinas sind über 300 Salzbecken, die in an den Berg gebaut wurden um aus diesem Salz zu waschen. Der Anblick von strahlendem weiß in der überwältigenden Naturkulisse war großartig! Auf dem Weg dorthin sind wir übrigens ein Stück mit einem vollgestopften
micro gefahren, in dem nur
Quechua geredet wurde. Ich hab das hier zum ersten Mal gehört, Sarah ebenso und irgendwie war das ein besonderer Moment.
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| Salz im Berg |
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| Sari auf der wackligen Brücke |
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| Die Bahnstation im Nichts |
Am nächsten Tag, inzwischen der
13. Oktober, fuhren wir gegen Mittag in Ruhe nach
Ollanta, ein weiteres Dörfchen im
Valle Sagrado. Dort steht die Ruine einer alten Inka-Festung und es gibt eine Zugverbindung nach
Machu Picchu. Deswegen ist es leider viel touristischer: englische Anschläge an den Restaurants, einen Haufen von Ständen, die alle das gleiche verkaufen, Busse voller Reisegruppen. Die Ruine ist aber trotzdem sehr schön. Majestätisch erhebt sie sich am Berg und wenn man einmal dem Wind getrotzt hat und nach oben geklettert ist, hat man einen weiten Blick ins Tal.
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| Weite |
Abends nahmen wir (wie so viele andere) den Zug nach
Machu Picchu. Genauer gesagt fährt er nach
Aguas Calientes, das Dorf zu dessen Fuße. Der Zug ist übrigens unverschämt teuer: wir haben für eine zweistündige Strecke 35 US Dollar bezahlt und sind noch mit dem billigsten Gefährt gefahren. Der Super-Luxus-Zug hätte für die gleiche Strecke 85 Dollar gekostet.
Dann waren wir also in Aguas Calientes. Das schrecklichste Dorf der Welt. Aguas Calientes IST Tourismus. Es LEBT nur für den Tourismus. Weil hier alle Machu Picchu-Pilger, die nicht den Inka-Trail laufen, durchmüssen. Nun, eine Nacht haben wir dort übernachten und damit gut.
Am nächsten Morgen in der Frühe standen wir auf, nahmen den Bus nach oben und waren gegen sechs da.
Machu Picchu. Nur leider regnete es. Wir verharrten also erstmal unter einem Stein bis der Regen nachließ. Dann zogen wir aus, das immer noch neblige Gelände zu erkunden. In diesem Nebel boten sich uns magische Momente, in denen wir plötzlich ein Stück Berg oder Gebäude sahen, das zwei Sekunden später schon wieder verschwunden war. Keine Worte der Welt können das beschreiben.
Später wurde es dann richtig sonnig und wir haben noch ein paar Erkundungstouren zum
Sonnentor und der Inka-Brücke (eine Lücke im Pfad entlang des Berges, über die normalerweise Baumstämme gelegt wurden; im Angriffsfall konnten die einfach entfernt werden und
Machu Picchu war auf diesem Wege nicht erreichbar) gemacht. Damit sind wir den Menschenmassen entflohen und hatten einen wunderbaren Blick auf die zwischen den hohen Bergen eingebetteten Gebäude. Die haben wir uns auch noch intensiv angeschaut, bevor wir uns nach insgesamt acht Stunden an den Abstieg machten.
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| Schiefe Sicht |
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| Hoch oben |
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| Nebeldecke |
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| Pflanzendickicht |
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| Noch mehr Nebel |
Mein Reiseführer bezeichnet Machu Picchu als eine sweet cherry jeden Südamerikatrips. Das trifft es nicht. Es ist viel mehr. Halt irgendwie magisch.
Der Zug brachte uns wieder nach Cusco. Dort noch ein Tag. Dann Rückfahrt nach Lima (wohlbemerkt 22 Stunden).
Eine wunderschöne Reise. Besonders dank Sarah. Un beso.