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Freitag, 18. Mai 2012

In schönster Umgebung forschen


Buenos días!

Zwar hab ich in meiner universitären Laufbahn schon ein paar Interviews und Inhaltsanalysen durchgeführt, aber noch nie ein ganzes Forschungsprojekt realisiert. Mein wunderbarer, wenn auch anstrengender, Kurs diagnóstico hat mir diese Möglichkeit eröffnet.

Letzten Dienstag bin ich mit zwei chicas meiner Gruppe nach Huaraz gefahren; die anderen drei folgten am nächsten Tag. Am Mittwochmorgen kamen wir an und fuhren mit einem colectivo nach Maracará, ein kleines Dörfchen, eingebettet zwischen der Cordillera Negra und der Cordillera Blanca. Dort befindet sich die NGO Urpichallay. Sie hat verschiedene Projekte, u.a.  ein regionales Radio, das viel mit den comunidades, in denen die Menschen überwiegend Subsistenzwirtschaft betreiben, interagiert, und in ein paar Monaten eröffnet sie eine Schule für Kellner und Köche.  
Und eben diese Schule steht im Zentrum unserer Untersuchung. Hauptuntersuchungspunkt ist dabei alles, was mit Kommunikation in Zusammenhang steht: die interne Kommunikation im Projekt und nach außen mit den relevanten Akteuren, die Identifikation dieser Akteure und ihrer Bedürfnisse, die Medienberichterstattung in der der Region. 

In drei Tagen haben wir Beobachtungen in der NGO und auf öffentlichen Plätzen durchgeführt; Umfragebögen in der örtlichen Schule verteilt; die Jugendlichen, die an der Schule für Kellner interessiert sind, und ihre Eltern interviewt; die Besitzer von Restaurants und Vertreter der regionalen Behörde befragt; die schriftliche Presse analysiert; die Mitglieder der NGO befragt und deren Antworten mit Video aufgenommen um eine kleine Doku daraus zu machen; das Radioprogramm untersucht.

Am vierten Tag sind wir zu einer Laguna gefahren und haben ein Dörfchen besucht, das 1970 Opfer eines schweren Erdbebens wurde, welches eine Steinlawine auslöste, die den Großteil dem Erdboden gleich gemacht hat. (Kleine Anekdote hier am Rande: es wurde tatsächlich DVDs mit Originalaufnahmen des Erbebens verkauft … skurril!)
Das war ein sehr schöner Abschluss dieser schönen Tage.

Zum ersten Mal wollte ich am Ende einer Reise nicht nach Lima zurück. Ich hab mich einfach so wohl gefühlt. Verstärkt wurde das zudem durch unsere super urige hospedaje in einem alten herrschaftlichen Haus mit wunderschönem Garten.

Aber nun bin ich doch ganz froh, wieder hier zu sein. Wie immer.
Jetzt müssen wir anfangen, alles auszuwerten und daraus eine Kommunikationsstratgie zu entwickeln. Da kommt also noch eine Menge auf uns zu. :)

Lasst es euch gut gehen auf der anderen Seite des Atlantiks!

Un beso
Karo


Dienstag, 17. Januar 2012

Ein Gruss aus La Paz

Hallo ihr Lieben,
ich bin gerade in La Paz, der Hauptstadt Boliviens (nun, genau genommen ist Sucre laut Verfassung die Hauptstadt, aber hier in La Paz sitzt die Regieung). Und oh, wie ich diese Stadt liebe! Sie liegt ziemlich hoch, auf fast 4000 Meter Hoehe und das Laufen in den bergauf-bergab-fuehrenden Strassen ist auch nicht immer einfach. Aber ich mag diese kleinen Gaesschen, die Atmosphaere, die Haeuer mit ihren suessen Balkoenchen, die vielen schnuckeligen Cafes, einfach die Atmosphaere.

Aber beginnen wir am Anfang.

Am 3. Januar bin ich mit Kristina ueber Nacht nach Arequipa gefahren. Da war ich ja schon mal im Oktober, also hab ich mir diesmal nicht so viel von der Stadt angeschaut. Stattdessen haben wir, zusammen mit Patricia und Zsara, eine zweitaegige Wanderung durch den nahegelegenen Cañon de Colca unternommen. Und die hatte es in sich: eigentlich gab es nur zwei Arten des Wanderns, steil bergauf oder steil bergab. Besonders die 1000 Meter, die wir am zweiten Morgen vor dem Fruehstueck (!) in dreieinhalb Stunden nach oben kraxelten sind hier zu erwaehnen. Schoen war es trotz aller Anstrengung, denn die Natur mit ihrer rauen Schoenheit, reissenden Fluessen und steilen Felswaenden entschaedigt fuer jede Atemnot.

Auf dieser Tour lernten wir vier sympathische Deutsche kennen, die wir dann auch spontan ueberredeten, mit uns nach Copacabana zu fahren. Das ist die Stadt auf der bolivianischen Seite des Titicaca-Sees.
Nach einem etwas chaotischen, aber unkompliziertem Grenzuebergang kamen wir in der Stadt an, von der die meisten meinten, die sei viel schoener als ihr peruanisches Aequivalent Puno. Was uns allerdings niemand gesagt hatte, ist, dass es am Wochenende recht schwer ist, dort eine Unterkunft zu bekommen. Zu bled, dass wir an enem Samstagabend dort ankamen. Zwei Stunden wanderten wir durch die Gegend, bis wir zufaellig doch noch eien Unterkunft fuer uns acht fanden.
Am naechsten Tag machten wir einen Ausflug zur Isla del Sol. Dort wurde laut Inka-Legende die Sonne geboren. Die Insel ist voller Quinoa-Felder und Inka-Ruinen. Ein Teil unserer Gruppe (ich eingeschlossen) machten eine Wanderung ueber die Insel. Entlang eines Weges, der irgendwie an die chinesischen Mauer erinnert, schlenderten wir von Norden nach Sueden. Dort sollte dann das Boot zurueck nach Copacabana ablegen. Nun, leider hatte uns der Herr in Copacabana eine falsche Abfahrtszeit gesagt, weswegen wir ankamen - und kein Boot mehr zurueckfuhr. Schliesslich blieb uns nichts anderes uebrig, als einen private Transport mittels Boot und Auto zu organisieren. Immerhin haben wir so noch ein paar Doerfer am Titicaca-See gesehen...

Ein Ereignis sei am naechsten Tag zu erwaehen. Ich hab naemlich eine Muetze gehaekelt und damit ein Tauschgeschaeft gegangen: einer unserer Bekannten aus dem Cañon bekam diese Muetze und ich dafuer Ohrringe. Eine Frau aus einem der Laeden, die Ohrringe, Kleidung und allerlei mehr verkaufen, wollte sie mir fuer 20 Bolivianos abkaufen. Das sind umgerechnet 2 Euro. Da war mir das Muetze-gegen-Ohrringe-Geschaeft doch lieber.

Von Copacabana brachen Kristina, Patricia und ich nach La Paz auf (ich moechte an dieser Stelle anmerken, dass sich die Konstellation unserer Reisegruppe bisher sehr frequent aendert). Dort wartete schon Thomas auf uns und am naechsten Tag beschlossen wir aufs Land zu fahren: nach Coroico ging es, laut eigener Aussage die erste touristische Gemeinde Boliviens. Touristisch ist es dort auf jeden Fall (vorallem Argentinier; ich hab fast das Gefuehl, mehr Argentinier als Bolivianer in Bolivien zu treffen), aber die Landschaft ist dennoch der Knueller: ein Tal voller wunderschoener Vegetation. Patricia und ich sassen voellig gluecklich auf einem nicht fertigen Hausdach und schauten lange in die Weite des Tals. Ausserdem machten wir einen kleinen Ausflug zu einem Wasserfall (wo wir auch wieder eine ganze Menge Argentinier trafen, die mit ihrem unvermeidlichen Mate-Tee einen Pause abhielten).

Anschliessend ging es wieder nach La Paz, allerdings nur als Zwischenstop. Kristina machte sich auf den Weg nach Iguazu an der argentinisch-barsilianischen Grenze, wo die beruehmten Wasserfaelle sind, und wir drei fuhren nach Uyuni. Das ist einen Stadt im Sueden Boliviens, die wegen des Salar de Uyuni unter Suedamerikareisenden sehr bekannt ist. Dieser Salar ist eine Salzwueste, die frueher mal ein See war. Nach einer unbequemen Nacht im Bus, machten Patricia und ich einen Tagestour durch diese Wueste. (Um die These zu unterstuetzen, dass ich selten mit den immer gleichen Leuten reise: Thomas blieb aus gesundheitlichen Gruenden in Uyuni zurueck.) Und das war wirklich beeindruckend: wir fuhren mit einem Jeep durch so weisse Landschaften, dass man es eher fuer Schnee als fuer Salz halten wuerde. Die Flaeche steht ein bisschen unter Wasser, sodass wir nakten Fusses durch Salzwasser wateten. Wegen der weiten weissen falsche kann man ausserdem Bilder mit verzerrten Perpektiven machen: Menschen, die auf einer Ketchup-Flasche stehen oder dass man den Jeep in der Hand haelt. Was ausserdem gefetzt hat: der Eisenbahnfriedhof am Rande des Salars mit ganz vielen alten Waggons zum Klettern. Ha, da hat mein kindliches Herz gelacht.

Eine zweite Nachfahrt in Folge waren wir wieder in La Paz. Und wie wir uns verliebt haben! Wir erkundeten zwei Kunstmuseen, assen Apfelkuchen in einer deutschen Baeckerei, setzten uns zum Haekeln auf einen der belebten Plaetze, gingen mit ein paar Argentiniern in einer peña (ein Ort, wo traditionelle Musik gespielt wird) ein Bier trinken. Die Stadt geniessen.

Gestern sind Patricia und Thomas (der dann wieder heil aus dem Salar wiedergekommen ist) zurueck nach Lima gefahren um sich von dort auf den Weg nach Deutschland bzw Oesterreich zu machen. Abschiede sind ziemlich doof. Aber es ist ja ziemlich bis sehr sicher, dass ich die beiden wiedersehe.

Nun bin ich gerade allein in dieser wunderbaren Stadt. Am Donnerstag kommen Zsara und ihre franzoesischen Freunde von ihrem Aufstieg auf den Huayna Potosí wieder, einem 6000er Berg. Bis dahin geniesse ich die Sonne und das Leben, lese, trinke Kaffee, fotografiere und schlender die Gassen auf und ab. Am Freitag geht

Soweit der Stand. Die Tastatur in diesem Internetcafe ist nicht so der Hit. Ich hoffe einfach, ihr koennt trotzdem alles entziffern.

Ich versuche mich bald wieder zu melden.

Alles Liebe,
Karo