Posts mit dem Label kamera werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label kamera werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 1. September 2011

Ich kann Taxi fahren!

Buenas noches,


manchmal bereue ich es schon sehr, dass ich keine digitale Kamera dabei habe. Nun, vielleicht kaufe ich mir doch noch eine auf einem der vielen Märkte hier - oder ich beeil mich mal, meinen Film vollzuknipsen.

Denn Montagnacht hätte ich zu gern ein Bild gemacht.
Weil Dienstag in Peru Feiertag (der der heiligen Rosa) war, waren wir abends feiern. Auf dem Heimweg liefen wir die Straße entlang auf der Suche nach einem Taxi. Und plötzlich öffnet sich neben uns eine Hauswand und eine Frau fragt, ob wir was essen möchten. Natürlich hat sich nicht wirklich die Wand geöffnet, sondern nur ein kleines Türchen darin. Ich hatte nicht so wirklich Hunger, unsere peruanischen Freunde dafür umso mehr, also hinein in das Stübchen. Und was für eins! Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt, so sehr hatte ich das Gefühl an einem Drehort für einen lateinamerikanischen Klischeefilm gelandet zu sein: Wir betraten einen kleinen Raum, an den sich ein noch kleinerer anschloss. Links neben der Tür befand sich ein Grill auf dem Anticuchos (Rinderherzen; ich kann aus Erfahrung sagen, dass sie gut schmecken) gegrillt wurden. Ein schwarzer Rußstreifen zog sich die Decke hinauf. Rechts war ein kleiner Bereich abgegrenzt, hinter dem sich Berge (und das mein ich auch wirklich so!) aus Fleisch, Salat und Brötchen stapelten. Pommes frites wurden in großen Boxen gelagert. Dort wuselten ein Mann und drei Frauen herum, belegten Sandwiches, frittierten Kartoffeln und schrien durch den Raum. In dem gab es mehrere kleine Tischchen, an denen vor allem Männer saßen, die  mir eben dieses Gefühl gaben, in einem Film gelandet zu sein. Bierflaschen standen vor ihnen auf dem Tisch und man sah ihnen die späte Stunde deutlich an. An der Wand hing ein riesiger fleckiger Spiegel und die Luft war fett-, geschrei- und alkoholgeschwängert. Hach, irgendwie hab ich mich verdammt gut gefühlt! Dazu noch ein leckeres Sandwich für 4 Soles (etwas mehr als 1 Euro) und ich war trotz meiner Müdigkeit glücklich!

Nach einer nicht allzu langen Nacht hab ich mich Dienstagmorgen mit Caro (meiner Compañera) und einer Freundin von ihr, Alejandra, getroffen. Zusammen sind wir nach La Punta gefahren zum Frühstücken. Wir haben Chicharron gegessen, was ungefähr mein deftigste Frühstück seit langer, langer Zeit war. Dabei handelt es sich um frittiertes Schweinefleisch, das als eine Art Sandwich serviert wurde. Lecker war es dennoch. Als Sahnehäubchen gab es dann noch einen unglaublich süßen Dessert, dessen Namen ich leider vergessen habe. Auf jeden Fall war ich anschließend ziemlich satt.
Gut nur, dass gleich darauf Real Felipe auf dem Plan stand. Das ist eine massive Festung in Callao (eine Stadt, die quasi direkt mit Lima verbunden ist, sodass ein Unterschied optisch nicht vorhanden ist), die als Verteidigung gegen Piratenangriffe gebaut wurde. Ziemlich beeindruckend, besonders die dunklen Kellerräume, in denen die Wände immer näher kamen ...
Die Mädels (derweil hatte sich noch eine dritte dazugesellt) brachten mir auf der Führung ein paar Schimpfwörter bei, die mir das Überleben sichern sollen und die ich hier nicht nennen werde. Besonderen Ehrgeiz zeigte dabei Alejandra. Alejandra und ich sind außerdem extreme friends. Innerhalb kürzester Zeit haben wir nämlich beschlossen, zusammen Bungeejumping und Paragliding zu machen. Sie scheint einen Hang zum Abenteuer zu haben, die Gute. Ach und außerdem will sie mir Salsa beibringen! Welch ein Glück!

Heute, also Mittwoch, ist mir auch ganz Großartiges gelungen!
Das hätte ich gar nicht erwartet, nachdem ich heute morgen fast meinen Spanischunterricht verschlafen hätte, losgehetzt bin, an der Bushaltestelle erfahre, dass Patti verschlafen hat, im Bus nach Miraflores (wo das Spracheninstitut ist) fast einschlafen, dort mit Zsara feststelle, dass unsere Lehrerin noch nicht da ist, wir einen Kaffee trinken gehen, Patti inzwischen kommt und uns, als nach einer halben Stunde Warten noch immer niemand da ist, gesagt wird, dass der Unterricht leider ausfallen müsse, weil unsere profesora Probleme hätte. Oh je. Dafür also der ganze Stress?
Später haben wir allerdings erfahren, dass sie einen Unfall hatte und im Krankenhaus war. Es geht ihr aber doch so gut, dass wir am Freitag wieder Unterricht haben. Welch ein Glück!
Nachmittags (den überraschend freien Vormittag verbrachten wir bei Zsara, wo wir unter anderen How I Met Your Mother auf Spanisch geschaut habe) hab ich zum ersten Mal die Bibliothek hier genutzt habe um in letzter Sekunde noch einen Text für den Cine-Kurs zu lesen. Dazu setzte ich mich in einen Raum, der voller winzig kleiner Holztischchen mit wahlkabinenähnlichen Verkleidungen war. Ein bisschen ungewohnt; da lobe ich mir doch die ausladenden Tische in  der Ilmenauer Bibo.
Am Abend wollten wir uns mit einem Peruaner im Parque de la Reserva treffen, einen Park voller Fontänen. Mit dem Bus hätte das nach Auskunft eines konsultierten peruanischen Wachmanns eine Ewigkeit gedauert, also entschieden wir uns für Taxifahren. Schnell fragten wir den freundlichen Herren noch, wie viel das ungefähr kostet und auf! An dieser Stelle sei angemerkt, dass ich bisher noch nie ohne Peruaner gefahren bin und bisher ein bisschen Respekt davor hatte, weil man ja vor der Fahrt über den Preis verhandelt und es einen menge Gruselgeschichten über diese Art des Fortbewegens gibt. Aber ich fasste mir ein Herz und fragte den Fahrer eines relativ stabil aussehenden Taxis. Er nannte auch direkt den Preis, der uns vorher gesagt wurde. Also hüpften wir rein und ich freute mich unglaublich, dass so einfach ging!
Der Anblick der Fontänen war wunderschön! In einer ausgeklügelten Animation von Licht und Wasserstrahlen, untermalt von klassischer Musik, war die Atmosphäre schon fast ein bisschen kitschig. Aber nicht so sehr, dass ich es nicht trotzdem sehr schön gefunden hätte und die 4 Soles Eintritt gern bezahlt habe. Nass geworden sind Zsara und ich auch ein bisschen, weil wir nicht warten konnten, bis alle Wasserstrahler still standen, bevor wir in die Mitte einer der Konstruktionen hüpften. Nun muss ich wohl nochmal in einem warmen Monat hingehen, wenn ich nicht anschließend wegen meiner nassen Füße friere. 

Auf bald,
Karo