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Montag, 19. März 2012

Matrícula, die Zweite.

Buenos días!

Die eine oder der andere mag sich vielleicht noch an die matrícula des letzten Semesters erinnern. Hunderte ausländische Studierende, die frühmorgens in die Uni tapern um sich verbindlich für die Kurse anzumelden.
Heute morgen war es dann wieder so weit. Zusammen mit zwei meiner Mitbewohnerinnen kam ich ziemlich verschlafen kurz vor sieben in der Católica an. Doch wir waren bei weitem nicht die Ersten: entlang des Gebäudes, in dem die matrícula stattfinden sollte, saßen schon viele Leute. 80, um genau zu sein. Das erfuhren wir anhand der Nummern, die wir erhielten.
Ansonsten war es nicht weiter wild: wir haben eben gewartet und halb 11 war ich stolze Besitzerin des Papierwischs mit vier Kursen. Genau die vier Kurse, die ich auch haben wollte: Diagnóstico y Estrategia Comunicacional, Historia del Cine 1 und Taller de Imagen Publicitaria in meiner lieben Comunica-Fakultät, sowie einen Literatur-Kurs namens Literatura y Cine (juhu, zwei Filmkurse!). Damit hab ich bisher 19 Wochenstunden. Ein ganzes Stückchen mehr als im letzten Semester, allerdings kann ich jetzt ja auch besser Spanisch. :) Ich bin ziemlich zufrieden mit meinen Stundenplan - nur die zwei Stunden am Samstagvormittag müssten nicht unbedingt sein. Da findet das Seminar von Diagnóstico statt.
Und was ist das jetzt?
Tja, hier ein kurzer Überblick über die vier Kurse. Für die hispanohablantes gibt es sogar die Kursbeschreibung auf Spanisch. :)

Diagnóstico y Estrategia Comunicacional
Planteamiento de herramientas para el desarrollo de diagnósticos, con énfasis en lo comunicacional para la determinación de estrategias de comunicación. Desarrollo de una metodología que integre en una visión y análisis holístico de los diversos componentes y elementos que interactúan en una realidad específica.
In diesem Kurs werden wir in Gruppen in Projekte fahren. Diese können verschiedenster Art sein, Umweltprojekte, Menschenrechtsprojekte, Schulprojekte. Dort werden wir eine wissenschaftliche Diagnose der Kommunikationssituation erstellen mit dem Ziel, eine Veränderung hin zum Besseren zu erzielen.

Historia del Cine 1
 El nacimiento del cine. Formación del lenguaje cinematográfico. El período mudo. Cine norteamericano. Cinematografía soviética. Cinematografía alemana.
Die Anfänge des Films.

Taller de Imagen Publicitaria
Simbolización y metáfora en la imagen publicitaria. Técnicas de ambientación, iluminación y composición. Producción fotográfica y dirección de arte. El retrato publicitario. Fotografía para medios impresos. La imagen publicitaria en medios audiovisuales.
Ein Werbefotografie-Kurs, bestehend aus zwei Stunden Theorie und vier Stunden Praxis, in der wir verschiedene anwendungsorientierte Projekte umsetzen müssen.

Literatura y Cine
... dazu hält das Online-Verzeichnis leider keine Beschreibung bereit
Hier werden die Beziehungen zwischen Literatur und Kino behandelt. Wie die Literatur ins Kino eingetreten ist. Die Wechselwirkungen zwischen beiden.

So weit, so gut. Mal sehen, ob es auch gut weitergeht, oder ob ich mir zu viel vorgenommen habe. :)

Ihr hört bald wieder von mir.
Alles Liebe,
Karo

Mittwoch, 30. November 2011

Semester ist (fast) aus - auf nach Chile!

Hallo ihr Lieben,

nun ist schon wieder ein bisschen Zeit vergangen, seitdem ich mich zu letzt gemeldet habe. Aber irgendwie waren die letzten Tage auch ganz schön vollgestopft. Besonders die Bibliothek hat mich recht oft gesehen. Hier sitze ich auch gerade noch. Schön ist zwar anders, aber ich habe mich an Wartehallenatmosphäre, Unruhe und wenig Platz gewöhnt. Der Grund meines Hierseins ist eine Hausarbeit, die  wir morgen früh einreichen müssen. Eine andere habe ich heute schon abgegeben, was meine heute ohnehin schon gute Laune nochmal ein ganz schönes Stück gesteigert hat! Das Semesterende ist also in Sicht. Für einige zwar erst in zwei Wochen, aber für mich Glückliche morgen. Und genau pünktlich fliege ich morgen nach Chile. Dort treffe ich mich mit Annika (von ihr hab ich in Ilmenau u.a. die großartige Empfehlung bekommen, in die Casa Rio Grande zu ziehen) und werde mit ihr knapp zwei Wochen durch Chile reisen und am Ende mich hoffentlich mit Nene treffen, die ein Jahr bei mir in der Schule war, als ich 16 war.

Weiterhin war ich in der vergangenen Woche in zwei Filmen über politische Gewalt in Südamerika. Die liefen als Teil eines Kinoprojektes, dass die Católica zur Erinnerung initiiert hatte. In der Hinsicht ist die Uni wirklich sehr engagiert; ständig gibt es Workshops, Filmfestivals, Vortragsreihen zu verschiedenen gesellschaftlichen Themen.
Einer der Filme, den ich gesehen habe, war eine kolumbianische Dokumentation über die Gewalt, die der indigenen Bevölkerung vor 40 Jahren wiederfahren ist und welche Auswirkungen das bis heute hat, nämlich u.a. den Ausschluss vom Bildungssystem. Der zweite war ein peruanischer Spielfilm über den Terrorismus in den 80er Jahren. Beleuchtet wurde eine Armeeeinheit, die in einem Dorf stationiert wird um Mitglieder des Sendero Luminoso, einer terroristischen Gruppe, zu bekämpfen, wie die Protagonisten mit der Angst umgehen und – das entspricht auch der historischen Wahrheit – dass die Bauern am meisten unter diesen Auseinandersetzungen gelitten haben, obwohl sie weder der einen noch der anderen Seite angehörten, aber immerzu in Verdacht standen, mit dem Gegner zu kooperieren. Besonders erwähnenswert ist auch, dass der Film, der übrigens den Namen La Boca del Lobo trägt, 1989 und damit noch recht zeitnah an den Ereignissen gedreht wurde und sich dennoch um eine gewisse Objektivität bemüht.

Abschließend noch ein paar Worte zu meinem ersten Arztbesuch. Meine Erkältung bin ich nämlich leider noch nicht ganz los geworden. Deswegen hab ich mir einen Termin im Servicio de Salud geholt. Lapidar mit Gesundheitsservice übersetzt handelt es sich um eine Einrichtung der Católica, in der es mehrere Ärzte verschiedener Fachrichtungen gibt, die man als Studierende der Uni kostenlos aufsuchen kann.
Am Montag war ich also da. Und die Dame war auch sehr nett, hat mich gefragt, wie lange das geht, mir in den Hals geschaut, mich abgehört – und mir Antibiotika verschrieben. Ich hatte ja schon immer das Gefühl, dass man in Peru tendenziell damit schneller vorgeht, nun sehe ich es in eigener Erfahrung ein bisschen bestätigt. Ich hab sie also nicht genommen und fühl mich trotzdem besser. Was vielleicht auch an meiner unverschämt guten Laune und meiner Reisevorfreude liegt.

Ich melde mich, wenn ich aus Chile zurück bin. Bis dahin: muchas saludos, alles Liebe, ich hab euch gern!

Ach ja: das Wetter ist richtig richtig warm und sommerlich! Wie passend zur Adventszeit .... :p

Sonntag, 28. August 2011

New York, Markttreiben, La Punta und Salsa

Es ist Sonntag und die erste reguläre Woche liegt hinter mir. Der Himmel ist nach wie vor grau, was mich aber nicht davon abhält, mich in Lima mehr und mehr einzuleben.
So vieles wird nach und nach Gewohnheit: das Busfahren, das Schleppen von 7-Liter-Wasser-Kanistern, mein täglicher Kampf mit meinem peruanischen Telefönchen (erworben für ungefähr 15 Euro plus SIM-Karte; neigt dazu, sich auszuschalten, wenn ein Anruf kommt; hat eine unglaubliche Akku-Laufzeit von anderthalb bis zwei Tagen; leitet SMS ab und an nicht an den Empfänger weiter), die Taxi-Fahrer, der Lärm in den Straßen und die Stille auf dem Uni-Campus. Ja, ich glaube, ich beginne hier zu leben. 



Dienstagabend war ich zum ersten Mal hier im Kino. "Te amo Nueva York". Da es eine ziemliche Kurzschlussentscheidung war, mit Lucía, Zsara und Patti ins Kino zu gehen, hab ich mich gar nicht so sehr mit dem Inhalt beschäftigt. Dementsprechend war ich freudig überrascht, dass sich bei dem Film um "New York I  Love You" handelte. Auf Englisch mit spanischen Untertiteln. Einfach für's Verständnis, gut zum Lernen. 


Dann war ich noch zweimal auf dem riesigen Markt im Zentrum Limas. Ich weiß nicht genau, ob das der berühmt-berüchtigte "offizielle" Schwarzmarkt ist, aber auf jeden Fall gibt es dort fast alles! Von Ohrringen und Kleidung über unechte Bärte und Verlängerungskabeln bis zu Küchengeräten aller Art. Das Areal hat immense Ausmaße und ist mit Sicherheit größer als der Ehrenbergcampus in Ilmenau. In verschiedenen Galerien gibt es kleine Verschläge von teilweise weniger als drei Quadratmetern, die dann vollgestopft sind bis unter die Decke. Auf der Straße gibt es noch weiter Stände und es wird Essen und Trinken in vielfältigen Variationen angeboten. Zwischendurch laufen außerdem Leute rum, die dann so ulkige Sachen anbieten wie Ohrringstecker oder DVD-Spindeln. 
Lucía hat uns beide Male darauf hingewiesen, dass wir ja aufpassen sollen und auch nicht unbedingt ohne peruanische Begleitung da rumstreunern sollte. Haben wir auch nur am Mittwoch gemacht. Ist aber nichts passiert, denn wir sind ja vorsichtig!Ach ja, bei unserem ersten Besuch auf besagtem Markt wurden wir Opfer eines Erdbebens. Naja, zumindest wurde uns das mitgeteilt. Gemerkt haben wir nämlich rein gar nichts, was daran lag, dass das Epizentrum 500 Kilometer nördlich von Lima lag. Also: es geht mir bestens!

Donnerstag schien die Sonne! Dieser seltene Umstand wurde sofort genutzt: es gab eine kleine Exkursion mit einem Peruaner nach La Punta. Das ist ein kleines Viertel am Meer. Es ist klein, niedlich, ruhig und ragt wie eine Spitze ins Meer. Daher auch der Name: punta bedeutet nämlich Spitze. Aufgrund dieser Lage kann man in manchen Teilen des Viertels links und recht Meer sehen.  
 Ach ja, das Meer, wie es brauste und schäumte!


 Kleine niedliche (wenn auch pinke) Häuschen im kleinen niedlichen La Punta.


Und wie überall hier die Käfer. Was dank des Wenn-ich-einen-Käfer-als-erstes-sehe-darf-ich-die-anderen-hauen-Spiels zu vielen blauen Flecken führt ...


Gestern stand dann Salsa auf dem Plan. Zusammen mit ein paar meiner Mitbewohner, etlichen Peruanern und Patti war ich in einer Turnhalle. Ja, Turnhalle. Dort findet alle paar Monate diese Salsa-Party statt, die einen unglaublichen Andrang erlebt. Schließlich scheint Salsa den Peruanern im Blute zu liegen und sie tanzen es mit purer Freude. Willy, dieser Freund von Lucía, der schon mit uns in Lunahuaná war, hat auch versucht, mir zumindest die Grundschritte beizubringen. Oh je, war das frustrierend! Ich fühlte mich wirklich wie der Eiserne Holzfäller aus Der Zauberer der Smaragdenstadt, bevor er seine Gelenke mit Öl wieder zum Laufen bringt. Grazil wie eine Holzkuh.
Irgendwann hab ich den verzweifelten Versuch, im Takt zu bleiben, aufgegeben und einfach möglichst salsa-ähnlich getanzt.:) Vielleicht sollte ich meine Bemühungen verstärken, einen Salsa-Kurs zu belegen...
Aber zunächst beginnt morgen erstmal unser Spanisch-Kurs! Juchei! Nach vielem Hin und Her hat Zsara einen Kurs für uns drei gefunden, der einigermaßen bezahlbar ist und nicht mit sämtlichen unserer Kurse an der Católica kollidiert. Muy bien! Ich freu mich wie die Schneekönigin darauf!


So also das Wort zum Sonntag.
Liebe Grüße,
Karo