Sonntag, 28. August 2011

New York, Markttreiben, La Punta und Salsa

Es ist Sonntag und die erste reguläre Woche liegt hinter mir. Der Himmel ist nach wie vor grau, was mich aber nicht davon abhält, mich in Lima mehr und mehr einzuleben.
So vieles wird nach und nach Gewohnheit: das Busfahren, das Schleppen von 7-Liter-Wasser-Kanistern, mein täglicher Kampf mit meinem peruanischen Telefönchen (erworben für ungefähr 15 Euro plus SIM-Karte; neigt dazu, sich auszuschalten, wenn ein Anruf kommt; hat eine unglaubliche Akku-Laufzeit von anderthalb bis zwei Tagen; leitet SMS ab und an nicht an den Empfänger weiter), die Taxi-Fahrer, der Lärm in den Straßen und die Stille auf dem Uni-Campus. Ja, ich glaube, ich beginne hier zu leben. 



Dienstagabend war ich zum ersten Mal hier im Kino. "Te amo Nueva York". Da es eine ziemliche Kurzschlussentscheidung war, mit Lucía, Zsara und Patti ins Kino zu gehen, hab ich mich gar nicht so sehr mit dem Inhalt beschäftigt. Dementsprechend war ich freudig überrascht, dass sich bei dem Film um "New York I  Love You" handelte. Auf Englisch mit spanischen Untertiteln. Einfach für's Verständnis, gut zum Lernen. 


Dann war ich noch zweimal auf dem riesigen Markt im Zentrum Limas. Ich weiß nicht genau, ob das der berühmt-berüchtigte "offizielle" Schwarzmarkt ist, aber auf jeden Fall gibt es dort fast alles! Von Ohrringen und Kleidung über unechte Bärte und Verlängerungskabeln bis zu Küchengeräten aller Art. Das Areal hat immense Ausmaße und ist mit Sicherheit größer als der Ehrenbergcampus in Ilmenau. In verschiedenen Galerien gibt es kleine Verschläge von teilweise weniger als drei Quadratmetern, die dann vollgestopft sind bis unter die Decke. Auf der Straße gibt es noch weiter Stände und es wird Essen und Trinken in vielfältigen Variationen angeboten. Zwischendurch laufen außerdem Leute rum, die dann so ulkige Sachen anbieten wie Ohrringstecker oder DVD-Spindeln. 
Lucía hat uns beide Male darauf hingewiesen, dass wir ja aufpassen sollen und auch nicht unbedingt ohne peruanische Begleitung da rumstreunern sollte. Haben wir auch nur am Mittwoch gemacht. Ist aber nichts passiert, denn wir sind ja vorsichtig!Ach ja, bei unserem ersten Besuch auf besagtem Markt wurden wir Opfer eines Erdbebens. Naja, zumindest wurde uns das mitgeteilt. Gemerkt haben wir nämlich rein gar nichts, was daran lag, dass das Epizentrum 500 Kilometer nördlich von Lima lag. Also: es geht mir bestens!

Donnerstag schien die Sonne! Dieser seltene Umstand wurde sofort genutzt: es gab eine kleine Exkursion mit einem Peruaner nach La Punta. Das ist ein kleines Viertel am Meer. Es ist klein, niedlich, ruhig und ragt wie eine Spitze ins Meer. Daher auch der Name: punta bedeutet nämlich Spitze. Aufgrund dieser Lage kann man in manchen Teilen des Viertels links und recht Meer sehen.  
 Ach ja, das Meer, wie es brauste und schäumte!


 Kleine niedliche (wenn auch pinke) Häuschen im kleinen niedlichen La Punta.


Und wie überall hier die Käfer. Was dank des Wenn-ich-einen-Käfer-als-erstes-sehe-darf-ich-die-anderen-hauen-Spiels zu vielen blauen Flecken führt ...


Gestern stand dann Salsa auf dem Plan. Zusammen mit ein paar meiner Mitbewohner, etlichen Peruanern und Patti war ich in einer Turnhalle. Ja, Turnhalle. Dort findet alle paar Monate diese Salsa-Party statt, die einen unglaublichen Andrang erlebt. Schließlich scheint Salsa den Peruanern im Blute zu liegen und sie tanzen es mit purer Freude. Willy, dieser Freund von Lucía, der schon mit uns in Lunahuaná war, hat auch versucht, mir zumindest die Grundschritte beizubringen. Oh je, war das frustrierend! Ich fühlte mich wirklich wie der Eiserne Holzfäller aus Der Zauberer der Smaragdenstadt, bevor er seine Gelenke mit Öl wieder zum Laufen bringt. Grazil wie eine Holzkuh.
Irgendwann hab ich den verzweifelten Versuch, im Takt zu bleiben, aufgegeben und einfach möglichst salsa-ähnlich getanzt.:) Vielleicht sollte ich meine Bemühungen verstärken, einen Salsa-Kurs zu belegen...
Aber zunächst beginnt morgen erstmal unser Spanisch-Kurs! Juchei! Nach vielem Hin und Her hat Zsara einen Kurs für uns drei gefunden, der einigermaßen bezahlbar ist und nicht mit sämtlichen unserer Kurse an der Católica kollidiert. Muy bien! Ich freu mich wie die Schneekönigin darauf!


So also das Wort zum Sonntag.
Liebe Grüße,
Karo

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