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Sonntag, 25. März 2012

Da waren's wieder sieben.

Hallihallo,
bei euch wurde heute die Zeit umgestellt. In Perú gibt es diese Angewohnheit nicht. Das führt nun leider dazu, dass es nun doch wieder sieben Stunden Zeitunterschied sind. Life's hard.
Außerdem hält das Leben hier manchmal ganz schöne Skurrilitäten bereit. Zumindest für mein ich-lebe-zwar-seit-mehr-als-sieben-Monaten-in-Perú-manches-überrascht-und/oder-amüsiert-mich-aber-immer-noch-Gefühl. In den letzten Tagen hab ich mal ein bisschen darauf geachtet und hier gibt es eine kleine Kollektion.

NUMERO 1: Meine profesora in Diagnóstico sprach kürzlich ganz offiziell von corrupción buena y mala, guter und schlechter Korruption. Sowas ist mir auf der anderen Seite des Teiches noch nicht begegnet...

NUMERO 2: Kürzlich waren wir mit einem Freund im Kino. Dieser Freund hat ein Auto und nach dem Kino musste er noch zur Bank. Was machten wir also? Wir fuhren zu einer Art Drive-In für Geldautomaten. Es ist ein bisschen wie eine Kombination aus McDonald's und Parkhaus. Du fährst an eine Säule, kurbelst das Fenster runter, schiebst die Karte in den Automaten und kurz später bekommst du dein Geld.

NUMERO 3: Letzten Freitagabend stand ich am paradero, einer Haltestelle, und wartete auf Freunde, die mich mit dem Taxi abholen wollten. Während ich da so stand und mir die Leute anschaute, rannte ein Mann plötzlich im Zickzack durch das Chaos des Abendverkehrs, sprang gekonnt durch das Fenster eines Wagens an der Kreuzung und das Auto brauste in Höchstgeschwindigkeit davon. Da wurde ich wohl Zeugin der letzten Phase eines Raubes.

NUMERO 4: Kurz darauf kamen meine Freunde und wir fuhren zu einer pollada. Das ist, kurz gesagt, eine Veranstaltung, auf der man Hühnchen isst und Bier trinkt. Das ist hier nicht nur sehr beliebt und üblich,sondern wird auch gern veranstaltet, um ein bisschen Geld einzunehmen. In diesem Fall war eine Freundin von Lucía die Organisatorin um damit ein bisschen die Schulden, die sie aufnehmen musste, um ihr Studium zu finanzieren, zu reduzieren. Die fiesta fand in einem Lokal statt, dass eigentlich nur aus einem einfachen, durch Laken begrenzten Raum bestand. Durch den Tresen wurde die Küche vom Gastraum getrennt. Es gab jede Menge Hühnchen, kühles Bier und natürlich Musik und tanzende Menschen. Immerhin sind wir in Perú. Das klingt jetzt vielleicht nicht so spektakulär, aber es war wirklich witzig. Zumal die comunica-Leute (da beziehe mich auf die Kommunikations-Fakultät der Católica) immer ziemlich witzig sind, sie scheinen das im Blute zu haben.

NUMERO 5: Ab und zu fahre ich mit micros, in denen es keinen Sonnenschutz mehr an der Windschutzscheibe gibt. Stattdessen klebt an der entsprechenden Stelle Zeitungspapier. Ist wahrscheinlich auch spannender, sich an der Ampel Fußballspieler und leicht bekleidete Frauen anzusehen, als das ursprüngliche Accesoire. :)

Ach, ich liebe Lima!

Verliebte Grüße von Karo

Sonntag, 12. Februar 2012

Der Polizist und die Uruguayerin

Hallo ihr Lieben,

hier eine kleine Anekdote aus La Paz, wo ich seit gestern wieder bin. 
Heute ist mir etwas passiert, was ich bisher nur aus dem Reisefuehrer kenne. Aber keine Sorgen, mir ist nichts passiert, ich bin nach wie vor froh und munter und ich fuehlte mich in keinem Moment bedroht!
Das war also so:
Ich war heute vormittag in ein paar kleinen Museen und habe mich anschliessend auf den Weg in ein Café gemacht, um einen Salat zu essen. Ich lief also so durch die Strasse und freute mich mal wieder an der Schoenheit von La Paz und den wunderschoenen Gebaeuden im Kolonialstil. Gerade ueberlegte ich, wie ich eine sehr huebsche Laterne an einem der Haeuser am besten fotografiere, als eine Suedamerikanerin mit einem Stadtplan in der Hand auf mich zukam. Sie fragte mich, ob ich wisse, wo das Metallmuseum sei. Ich wusste es nicht, wollte ihr aber helfen, also holte ich meinen Stadtplan heraus um zu schauen, ob ich es dort finde. In dem Moment trat ein aelterer Herr auf uns zu und fragte, ob wir Hilfe braeuchten. Die Dame brachte ihr Anliegen vor und der Herr gab eine unklare Wegbeschreibung von sich. Dann praesentierte er einen Ausweis und sagte, er sei von der Touristenpolizei und ob er wohl unsere Ausweise sehen koenne. Die Frau zeigte einen uruguayischen Pass vor, ich meine Passkopie. Der "Polizist" schaute kurz drauf und sagte dann, wir muessten zur Polizeistation um das zu verifizieren. Da wurde ich schon ein bisschen misstrauisch, aber gut. Die "Uruguayerin" versuchte mich in ein Gespraech zu verwickeln, indem sie fragte, wie lange ich denn schon in La Paz sei und ob ich alleine reise. Dann tachte ploetzlich wie aus dem Nichts (wie zuvor der "Polizist") ein Taxi auf. Der "Polizist" redete kurz mit dem Taxifahrer und bat uns dann einzusteigen. Da wurde mein anfaengliches Misstrauen noch groesser, hatte ich doch von genau solchen Maschen gehoert, Touristen auszurauben. Ich sagte also, dass ich gerne zur laufen wuerde, aber nicht in das Taxi einsteigen wuerde. Die "Uruguayerin" versuchte mich zu beruhigen, dass wir doch zu zweit seien und nichts passieren koenne und der "Polizist" brummte wuetend etwas von 100 US-Dollar Strafe. Ich wiederholte aber nur, dass ich nicht einsteigen wuerde. Da fuhr das Taxi mitsamt den drei Herrschaften davon.
Es ist also wirklich nichts passiert und ich hab mich in keinster Weise unsicher gefuehlt, wusste ich ja, dass soetwas existiert. Nur dachte ich, wie immer bei solchen Sachen, dass das mir natuerlich nicht passieren wuerde. Anschliessend musste ich auch erstmal herzlich lachen!
Und spaeter hab ich mich geaergert, dass ich die Laterne natuerlich nicht mehr fotografiert habe.
Im Idealfall, zumindest liest man es so in den Reisefuehrern, fuer die "Uruguayerin" und den "Polizisten" waere ich uebrigens eingestiegen und mithilfe des Taxifahrers haetten sie mich um mein Bargeld und meine Kreditkarte erleichtert. Na, ich hab beides noch.
Das aendert auch nichts daran, dass ich La Paz mag. Solche Sachen kommen halt vor und mit der noetigen Vorsicht passiert auch nichts.

Morgen werde ich das schoene Bolivien uebrigens verlassen und zurueck fahren. Rund 30 Stunden soll die Busfahrt dauern und dann bin ich nach sechs Wochen wieder in meinem geliebten Lima. Dann gibt es auch Berichte ueber das, was seit Encarnación passiert ist. 

Liebste Gruesse,
Karo