Dienstag, 29. Mai 2012

rifas, alles voller rifas

Buenas días,
heute kommt der Postvon den heiligen Wiesen der Católica. Die Sonne ist nämlich auch dem heutigen Tage treu geblieben. Deswegen sitze ich also im Gras an den piletas (zu deutsch: Springbrunnen) vor dem Gebäude der comunica-Fakultät, blinzel in die Sonne und genieße die Briese. 
Aber kommen wir zum eigentlichen Thema dieses Posts: rifas. rifa bedeutet Verlosung und bezeichnet gleichzeitig das Zettelchen, was du in die Hand gedrückt bekommst, wenn du teilnimmst.
In meinem Geldbörschen fliegen momentan ganz schön viele rifas rum. Wenn man comunica studiert, ist es üblich, dass man für die Uni Projekte realisieren muss, die ziemlich kostenaufwändig sind. In comunicación audiovisual zum Besipiel drehen die Leute Filmchen (der von mir im letzten Post erwähnte Dreh fällt da auch rein). Und um die Realisierung zu finanzieren, werden u.a. Verlosungen veranstaltet. Polladas und Partys sind ebenfalls beliebte Einnahmequellen. 
Nun, jedenfalls gewinne ich mit ein bisschen Glück (haha) vielleicht einen BluRay-Player. Die Frage ist nur, was ich damit soll... :D
Sonnige Grüße,
Karo

Montag, 28. Mai 2012

Sechs mal sieben

Hallihallo ihr Guten,
in sechs Wochen sitze ich im Flieger nach Deutschland. Unglaublich, zisch! fliegt die Zeit dahin. 
Um das heute gebührend zu ehren, habe ich von etwa 10 bis 13 Uhr auf der Straße getanzt (als Statistin für das Filmprojekt von Lu) und mir einen Sonnenbrand geholt (und das, obwohl der unangenehme Winter Einzug in Lima hält). 
Mit diesem kurzem Statement verabschiede ich mich auch schon wieder und fahr in die Uni. 
Besos,
Karo

Freitag, 18. Mai 2012

In schönster Umgebung forschen


Buenos días!

Zwar hab ich in meiner universitären Laufbahn schon ein paar Interviews und Inhaltsanalysen durchgeführt, aber noch nie ein ganzes Forschungsprojekt realisiert. Mein wunderbarer, wenn auch anstrengender, Kurs diagnóstico hat mir diese Möglichkeit eröffnet.

Letzten Dienstag bin ich mit zwei chicas meiner Gruppe nach Huaraz gefahren; die anderen drei folgten am nächsten Tag. Am Mittwochmorgen kamen wir an und fuhren mit einem colectivo nach Maracará, ein kleines Dörfchen, eingebettet zwischen der Cordillera Negra und der Cordillera Blanca. Dort befindet sich die NGO Urpichallay. Sie hat verschiedene Projekte, u.a.  ein regionales Radio, das viel mit den comunidades, in denen die Menschen überwiegend Subsistenzwirtschaft betreiben, interagiert, und in ein paar Monaten eröffnet sie eine Schule für Kellner und Köche.  
Und eben diese Schule steht im Zentrum unserer Untersuchung. Hauptuntersuchungspunkt ist dabei alles, was mit Kommunikation in Zusammenhang steht: die interne Kommunikation im Projekt und nach außen mit den relevanten Akteuren, die Identifikation dieser Akteure und ihrer Bedürfnisse, die Medienberichterstattung in der der Region. 

In drei Tagen haben wir Beobachtungen in der NGO und auf öffentlichen Plätzen durchgeführt; Umfragebögen in der örtlichen Schule verteilt; die Jugendlichen, die an der Schule für Kellner interessiert sind, und ihre Eltern interviewt; die Besitzer von Restaurants und Vertreter der regionalen Behörde befragt; die schriftliche Presse analysiert; die Mitglieder der NGO befragt und deren Antworten mit Video aufgenommen um eine kleine Doku daraus zu machen; das Radioprogramm untersucht.

Am vierten Tag sind wir zu einer Laguna gefahren und haben ein Dörfchen besucht, das 1970 Opfer eines schweren Erdbebens wurde, welches eine Steinlawine auslöste, die den Großteil dem Erdboden gleich gemacht hat. (Kleine Anekdote hier am Rande: es wurde tatsächlich DVDs mit Originalaufnahmen des Erbebens verkauft … skurril!)
Das war ein sehr schöner Abschluss dieser schönen Tage.

Zum ersten Mal wollte ich am Ende einer Reise nicht nach Lima zurück. Ich hab mich einfach so wohl gefühlt. Verstärkt wurde das zudem durch unsere super urige hospedaje in einem alten herrschaftlichen Haus mit wunderschönem Garten.

Aber nun bin ich doch ganz froh, wieder hier zu sein. Wie immer.
Jetzt müssen wir anfangen, alles auszuwerten und daraus eine Kommunikationsstratgie zu entwickeln. Da kommt also noch eine Menge auf uns zu. :)

Lasst es euch gut gehen auf der anderen Seite des Atlantiks!

Un beso
Karo


Mittwoch, 16. Mai 2012

Vermaledeiter Nieselregen!

... er ist wieder da. Der Nieselregen, der mich schon im August bei meiner Ankunft begrüßte.
Als ich heute gegen 22 Uhr nach Hause kam (Mittwoch bin ich mit 8 Stunden Uni ganz gut beschäftigt), wollte ich endlich meine Wäsche aufhängen. Tja, leider setzte aber just dieses Gefissel ein, als ich die casa betrat. Nun kann ich nur hoffen, dass mich morgen die Sonne tagsüber nicht im Stich lässt.

Von dieser kleinen Bagatelle abgesehen, geht es mir sehr gut. Meine Reise nach Huaraz war ein voller Erfolg und ich hab bei unserem kleinen Forschungsprojekt ganz schön viel gelernt (dazu gibt es bald einen eigenen Eintrag). Die Uni hält mich weiterhin gut auf Trab - und das, obwohl die parciales doch gerade um sind. Fast jeden Tag hab ich Gruppentreffen, muss Texte lesen oder Präsentationen vorbereiten. Und weil ich auch ab und an gerne etwas mit meinen Freunden und Mitbewohnern mache, hab ich ein ausgefülltes, glückliches Leben. Juchei!

Bald gibt es wieder mehr von mir zu lesen.
Buenas noches. 
Karo

Montag, 7. Mai 2012

Punk vs. Bach

Ein fröhliches parciales-überstandenes Hallihallo aus Liiima!
Um mich ein bisschen von den parciales abzulenken, bin ich Anfang der letzten Woche konzertgängerisch geworden.

Am Montag war der Ort des Geschehens eine Tiefgarage. Ja genau, eine Tiefgarage. Dort fand ein Punk-Konzert statt. Sechs Bands standen auf dem Programm und was soll ich sagen? Ich hab mich prächtig amüsiert! Eine Band war schrammeliger als die andere, was ich allerdings keineswegs abwertend meine. Das Publikum hat gepogt und ist durch die Gegend gesprungen als gäbe es kein Morgen mehr. Man hat schon im Stehen geschwitzt und der Sänger der letzten Band hat sich hitzebedingt bis auf die Boxershorts entledigt, bevor er sich auf die Masse seiner adrenalinbeschwipsen Fans warf. Die waren übrigens alles andere als homogen. Zwar huschte hier und dort auch ein paar Punks rum (zumindest dem Äußeren nach), aber es waren auch zahlreiche andere Subkulturen anwesend.
Am Ende waren meine Begleiter heiser und ich glücklich, dass ich nach sovielen Abenden voller Salsa und Reggaeton ein paar Stunden lang schönsten Garagenschrammelpunkrock gehört habe.

Für den nächsten Tag, Dienstag,  hatte Lucía Freikarten für ein Philharmonie-Konzert bekommen. Eigentlich hätten die Karten über 100 Euro gekostet. Also bastelte ich mir aus meinem Kleiderschrank eine schicke Garderobe zusammen und los ging's. Das Konzert fand in einer deutschen Schule statt. Ich war dort schon einmal auf einerm Konzert. Die Sociedad Filarmónica de Lima hält dort regelmäßig musikalische Veranstaltungen. Am Dienstag stand  also Bach auf dem Programm. Die Bach Akademie Stuttgart spielte Misa en si menor (zu deutsch: die h-Moll-Messe). Es war lichtweg grandios!
Ich war danach ganz bezaubert und konnte voller Energie die Präsentation meiner praktischen Arbeit für Taller de Imagen Publicitaria in einer Nachtschicht zuende führen.

Seit Samstag sind die parciales nun um. Das freut mich natürlich übermäßig, macht mir aber auch bewusst, dass schon wieder die Hälfte des Semesters um ist. Wie die Zeit fliegt. Zwei Monate bin ich noch hier. Ein Gedanke der mit Freude und Wehmut gleichermaßen verbunden ist und den ich deswegen von mir schiebe. :)
¡Viva Lima!

Morgen Abend fahre ich nach Huaraz wegen unserer schon erwähnten Forschungsarbeit. Ich bin sehr gespannt und freue mich darauf!

Ihr hört von mir. Alles Liebe.
Karo

Dienstag, 24. April 2012

Kurz vor halb

Einen guten Abend!
Meine parciales, die Halbtermprüfungen, stehen vor der Tür und ich dachte, es wird mal Zeit für ein kleines Update zu meinen Kursen.

In Taller de Imagen Publicitaria knipsen wir in den prácticas fröhlich Fotos. Naja, ganz so ist es doch nicht. Vorher müssen wir zu bestimmten determinierten Themen (Zeit, Reisen, Unterschiede...) Konzepte entwickeln und dabei den Einsatz von Licht, Farben, Formensprache und Bildausschnitt beachten. Manchmal kann es ganz schön frustrieren, wenn das Foto nicht so wird, wie man es sich vorgestellt hat. Manchmal entdecke ich aber auch während des Fotografierens neue Ideen und dann bin ich am Ende glücklicher als vorher. Auf jeden Fall lerne ich eine Menge dabei. :)
In der zugehörigen clase steht die theoretische Konzeption von Werbefotografien im Vordergrund.

Diagnóstico ist nicht nur mein Lieblingskurs, sondern immer mehr auch der schwerste. Inzwischen haben wir unser Projekt. Es heißt Centro de Educación Técnico Productiva promovido por Urpichalla und liegt nahe der Stadt Huaraz, in den Bergen nördlich von Lima. Es hat sich zwei Hauptziele gesetzt: den Jugendlichen helfen eine Arbeit zu finden und die andine Kultur zu fördern. Bisher erstellen wir in Gruppenarbeit eine erste Analyse des Projektes, seiner Rahmenbedingungen und der Probleme inhaltlicher und kommunikativer Art. In etwa zwei Wochen werden wir dorthin fahren und vor Ort Interviews und Beobachtungen durchführen.

In Literatura y Cine lesen wir (mitunter sehr komplizierte) Texte über Adaptationen, Einflüße des Kinos in der Literatur und umgekehrt, schauen Filme und lesen die dazugehörigen Texte und diskutieren verschiedene Ebenen der Wechselwirkungen. Der Kurs ist auf jeden Fall sehr spannend, aber manchmal merke ich halt doch, dass ich nicht Literatur studiere und mir daher der eine oder andere theoretische Hintergrund fehlt.
Die Professorin dieses Kurses ist übrigens eine relativ bekannte peruanische Drehbuchautorin.

In Historia del Cine schauen wir größtenteils Filme (was Mittwochmorgen mitunter zu schlafenden Studierenden führt) und sind inzwischen im Jahr 1916 angelangt. Es ist ziemlich interessant zu verfolgen, wie sich Technik und Inhalt in den ersten Jahren rapide weiterentwickelt haben. 1895 waren es nur Aufnahmen von Arbeitern, die eine Fabrik verlassen oder die Ankunft eines Zuges und 1916 kam mit Hell's Hinge der erste Western auf den Markt.
Aus diesem Kurs hab ich mich offiziell aus Stress- und Zeitgründen exmatrikuliert, gehe aber dennoch weiter hin, weil er mir gefällt. 

Die vier Hübschen halten mich ganz schön auf Trab. Wenn die parciales vorbei sind, mache ich erstmal drei Kreuze.

Ansonsten gibt es nichts spektakulär Neues. Am Wochenende hab ich das Bett gehütet, weil die Grippe mich heimgesucht hat. Inzwischen hab ich sie glücklicherweise vor die Tür setzen können. Hoffentlich bleibt sie da.

In dem Sinne: gutes Nacht.
Karo

Samstag, 14. April 2012

Ayacucho - Ostern der Gegensätze

Hallihallo,

seitdem ich in Peru angekommen bin, hörte ich immer wieder "Zu Ostern muss man nach Ayacucho fahren". Zwar waren uns die Bustickets anfangs zu teuer, aber nachdem wir herausfanden, dass ALLE Fahrtpreise über Ostern in die Höhe schießen, dachten wir uns: wenn schon, denn schon!

Und was ist nun an Ostern in Ayacucho, dem kleinen Städtchen in den Bergen, so interessant?
Ich werde mich an einer kleinen Zusammenfassung versuchen.

Wegen der Berühmtheit fährt halb Peru über Ostern dorthin, die Stadt ist also voller voller Menschen. So voll, dass Schalfplatz knapp und teuer ist und Freunde von mir in einer Schule genächtigt haben.
Über die Ostertage finden viele viele Prozessionen statt. Freitagabend beispielsweise wurde eine Jesusfigur im Glassrag und eine Marienstatue durch die Stadt getragen (ich kann mir leider an dieser Stelle den Schneewittchenvergleich nicht verkneifen). Und Sonntagmorgen um fünf verlässt ein riesiges Schiff (so nenne ich es mangels eines besseren Begriffes) voller Kerzen, getragen von vielen vielen Männern, die Kathedrale. Auf der Spitze des Schiffes ragt symbolisch eine Jesusfigur hervor. Dieses Gefährt wird dann durch die Stadt getragen.
Auf der anderen Seite aber gibt es Stierläufe, ziemlich viele ziemlich betrunkene Leute, die menschliche Pyramiden bauen, an deren Spitze die Frauen ihr T-Shirt hochheben und bombastisches Feuerwerk. 
Letzteres prägte die Nacht von Samstag auf Sonntag. Die wilden mehrere Meter hohen Konstruktionen erfreuten die Menschen (und erschreckten mich, da ich immer zu Angst hatte, dass sich Teile lösen und in die Menge fallen). Die junge Generation, die limeños und die vielen neugierigen Ausländer betranken sich, während tiefreligiöse ältere Menschen frierend am Rande der Plaza saßen und auf das "Schiff" warteten. Ein bisschen Widerspruch ist da schon verhanden. Auch, dass so viele Leute kommen und sich die katholischen Prozessionen anschauen, obwohl ihnen die Religion wenig oder gar nichts bedeutet.

Interessant war es auf jeden Fall sich all das einmal anzuschauen.

Außerdem haben wir noch die wunderschöne Landschaft um Ayacucho herum angeschaut, was auch ein Erlebnis für sich ist. Ach, ich habe mich wohl hoffnungslos in die Berge hier verliebt.
Wenn nur das Wetter nicht so unbeständig wäre. Tagsüber war es meistens ziemlich warm, und nachts hab ich mich mit Mütze, Schal und dicker Jacke gegen die Kälte gewappnet. Nichtsdestotrotz hat es Samstagnachmittag geregnet und die Temperaturen sanken auf ein Minimum. Nun, da haben wir eben stundenlang im Regen getanzt. Das war ziemlich großartig! :)

Ja, so war das in Ayacucho.

Zum Abschied dieses Posts einen kleinen Schwank:
Gestern hab ich mich mit einer Freundin getroffen. Wir saßen so nett rum und ich hab Eis gegessen, als ein Mädchel auf uns zukam und uns um Hilfe bat. Sie würde gleich ihre Mutter anrufen und ob meine Freundin dann mit ihr sprechen könnte und sagen, sie sei eine Freundin dieses Mädchens und dass die beiden nun zusammen essen gehen würden und dann auf ein Konzert. Sehr seltsam, offenbar handelte es sich da um ein nicht sonderlich von Vertrauen geprägtes Mutter-Tochter-Verhältnis.

Bis bald!
Karo